Anleitung zur Meditation


  1. Ausgangslage
  2. Inhalte des Bewusstseins
  3. Meditationsobjekte
  4. Praktische Anleitung
    1. 4.1. Leitidee
    2. 4.2. Was man braucht
    3. 4.3. Wie man es machen kann
    4. 4.4. Was man erkennen kann
    5. 4.5. Was man unterscheiden kann
    6. 4.6. Konzentration und Akzeptanz
  5. Befreiung
    1. 5.1. Einheitserfahrungen
    2. 5.2. Tugend
  6. Problemfelder
    1. 6.1. Meditationshaltung als Fixierung
    2. 6.2. Problematische Des-Identifikation
    3. 6.3. Verdeckte Autoaggression
    4. 6.4. Bewusstsein und Gewahrsein
  7. siehe auch → Meditation
Ereignisse kommen und gehen. Die Gegenwart bleibt davon unberührt.

Diesseits der Atmung erscheinen Dinge. Jenseits davon sind sie, was ist.

Sich selbst erfahren kann sich das Ich nur, wenn es das Interesse am Konkreten, das sein Dasein ausmacht, überwindet und sich auf dem Weg zur Selbsterfahrung verwirklicht. Dazu muss es über das hinausgehen, wodurch es zur Person verkleinert wird.

Ein Ich, das nicht die Ursache seines Daseins ist, ist gemacht.

Der erste Schritt heißt nicht, auf ein Ziel zuzugehen, sondern zu erkennen, was geschieht.

1. Ausgangslage

Das Ich entsteht, indem das Selbst als Person ins Dasein tritt. Als Person erfährt das Selbst ein Dasein, das an konkrete Bedingungen geknüpft und durch konkrete Horizonte begrenzt ist. Deshalb ist das Ich grundsätzlich interessiert.

Interesse setzt sich aus den lateinischen Begriffen inter = zwischen und esse = sein zusammen. Das Ich ist an den Sachverhalten interessiert, zwischen die es durch sein Da-Sein eingewoben ist, also durch die Festlegung des Ortes, an dem es erscheint. Jedem Da-Sein ist zugleich ein Zeitpunkt zugeordnet, an dem es sich am entsprechenden Ort befindet. Da-Sein ist ein Feld in der Matrix der Raumzeit.

Interesse kommt dem zu, was zwischen anderem ist, sich von diesem anderen unterscheidet, durch es eingegrenzt und mitbestimmt wird. Durch spirituelle Meditation versucht sich das Ich selbst zu erfahren. Das eigentliche Hindernis, auf das es dabei stößt, ist sein Interesse an dem, was mit seinem Dasein als konkrete Person an einem konkreten Ort in der Raumzeit zusammenhängt. Die Themen dieses Daseins füllen sein Bewusstsein und verhindern so, dass das Ich seinen Blick auf die Wirklichkeit über sich hinaus erweitert. Das Ich kann sein Interesse an dem, was es persönlich betrifft, kaum hinter sich lassen, da das persönliche Ich mit dem Interesse an dem zusammenfällt, was es ausmacht. Das persönliche Ich ist eine Reduktion des Selbst auf das, was sich selektiv für sich interessiert.

Atommodell
Man kann die Person mit einem Atom vergleichen. Das Atom besteht aus einem Kern und einer Wolke Elektronen, die den Kern in einer Schicht umkreisen. Der Kern der Person definiert den Ort, an dem sie sich aufhält. Um den Kern herum befindet sich eine Wolke kreisender Ideen, die der Kern durch mächtige Kräfte in einen geistigen Horizont bindet, der, verglichen mit der Weite jenseits davon, ebenso eng ist, wie die Schicht der Elektronen, die den Atomkern umkreisen. Der Geist kann den Raum jenseits dieses Horizonts nicht erkunden, solange er vom Kraftfeld des Kerns an dessen persönliche Interessen gebunden ist. Das persönliche Ich ist der Interessenshorizont, an dem es festhält. Es erscheint als Wille, das zu sein, was seinem Horizont entspricht. Das Ich ist ein beliebiger Individualprozess, der an sich Gefallen findet und sich als das Besondere, für das er sich hält, bewahren will.

Spirituell kann sich das Ich nur erfahren, wenn es versteht, dass es als persönliches Ich, also als Ego, nur eine Erscheinung ist, die einem Du oder Es begegnet, tatsächlich aber ein Selbst, das Du und Es ebenso umfasst wie beide ihm zugrunde liegen. Spirituelle Erkenntnis befreit aus der Enge des Egos. Aus dem Interesse, sich selbstbewahrend an Objekte zu binden, wird Freiheit, jenseits der Objekte es selbst zu sein.

Entwicklungspsychologie

Das Verhalten des Säuglings wird von zwei Mustern bestimmt:

Fisch- und Menschenfang

Milliarden Fische verlieren ihr Leben, weil sie in die Falle gehen. Milliarden Menschen verlieren ihre Freiheit, weil sie handeln wie Fische. Vier Mechanismen werden Fischen zum Verhängnis:

Mechanismen, die Fischen das Leben rauben, rauben Menschen die Freiheit, sie selbst zu sein.

2. Inhalte des Bewusstseins

Beobachtet man den Inhalt des Bewusstseins, erkennt man verschiedene Elemente, die miteinander verknüpft sind:

  1. Wahrnehmungen, die durch Sensoren des Körpers vermittelt werden

    Sensorische Wahrnehmungen informieren über Zustände der Außenwelt oder den Funktionszustand des Körpers.

  2. Gedanken

    Gedanken beurteilen Qualität, Nutzwert und Gefahrenpotenzial des Wahrgenommenen. Oder sie simulieren Wirklichkeit; z. B. in Form phantasierter Dialoge, vorgestellter Handlungsabläufe oder vorgestellter Strukturmodelle. Ihr Fokus kann auf persönliche Belange ausgerichtet sein oder auf die überpersönliche Struktur der Wirklichkeit.

  3. Gefühle und Stimmungen

    Gefühle und Stimmungen bewerten die Wirklichkeit, gemäß dem Bild, das sich der Geist zum Zeitpunkt der Bewertung von ihr macht.

  4. Impulse

    Impulse drängen dazu, Handlungen auszuführen, die in die Wirklichkeit eingreifen. Impulsen gehen bewusste oder unbewusste Urteile voraus. Sie können ihrerseits beurteilt werden.

  5. Urteile

    Urteile sind Bewertungen, die die Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle und Impulse gemäß den Kategorien richtig oder falsch, gut oder schlecht bzw. gut oder böse einordnen. Urteile führen zu Meinungen über die Struktur der Wirklichkeit. Meinungen sind Konstrukte verschachtelter Urteile, die sich untereinander bedingen.

  6. Erinnerungen

    Erinnerungen sind bildhafte Darstellungen vergangener Erlebnisse. Sie entsprechen nicht 1:1 den tatsächlichen Ereignissen, sondern sind durch subjektive Bewertungen mehr oder weniger stark überarbeitet.

Gedanken, sind vorübergehende Vorstellungen, die sich in immer neuen Varianten wiederholen und thematisch meist auf die Belange der eigenen Person verengt sind. Den Gedanken sind Gefühlsqualitäten zugeordnet, die das grundsätzliche Verhalten der Person durch Impulse, die der Gefühlsqualität entsprechen, ausrichten.

Gefühl und Impuls

Im Modus des normalen Daseinsvollzugs wird das Bewusstsein durch eine kontinuierliche, ineinander verflochtene Abfolge von sensorischen Wahrnehmungen, Gedanken, Bewertungen, Gefühlen, Stimmungen und Impulsen ausgefüllt, die das Ich als unmittelbare Darstellung der Wirklichkeit deutet. Tatsächlich ist die Abfolge der Bewusstseinsinhalte aber ein Film, der aus flüchtigen Impressionen besteht. Er ist eine Wirklichkeitsdeutung. Nicht die Wirklichkeit selbst! Als Hypothese steuert er die Person analog durch die Situationen, die sie zum jeweiligen Zeitpunkt durchquert.

Diese Steuerung funktioniert weitgehend automatisch. Die Entscheidungsprozesse, die dabei anfallen, werden nicht bewusst reflektiert, sondern anhand von Mustern vollzogen, die Ergebnis bisheriger Erfahrungen und daraus abgeleiteter Urteile sind. Nicht mehr reflektierte Urteile werden als Vorurteile bei der weiteren Realitätsdeutung als wahr vorausgesetzt. Sie erscheinen als selbstverständlich. Das heißt: Das Ich definiert sich auf Grund vermeintlich selbstverständlicher Urteile, deren Wahrheitsgehalt es nicht weiter prüft.

Zu den Vorurteilen der normalen Realitätsdeutung gehört die Hypothese: Ich befinde mich als Teil in der Welt und erfahre sie von dort aus. Der spirituelle Mensch stellt diese Annahme in Frage. Er überprüft sie. Er geht zu dem, was er bislang als sein Ich aufgefasst hat, auf Distanz und beobachtet es von da aus. Er untersucht das Erkennbare, um sich in eine Position zu entbinden, von der aus er das Ich als das erkennen kann, was es tatsächlich ist: Konzept, Hypothese, Übergang und Werkzeug; nichts, was in sich endet und was damit als eigenständige Instanz aufzufassen wäre.

In den Augen des befreiten Ich ist die Person ein Objekt der Betrachtung, dessen Eigenschaften Resultat der Umstände ist, die an der Stelle bestehen, an der die Person auftaucht.

3. Meditationsobjekte

Im normalen Modus ist der Bewusstseinsfilm sehr suggestiv. Er hypnotisiert den Betrachter und bindet dessen gesamte Aufmerksamkeit auf die Phänomene und Inhalte aus denen sich der Film zusammensetzt. Durch die Bindung der Aufmerksamkeit steuert er das Verhalten nahtlos. Um das Interesse von all dem abzulösen, was dem Ich durch sein Dasein selektiv an Thematik zufällt, benutzt der Meditierende sogenannte Meditationsobjekte. Dabei handelt es sich um Objekte auf die er seine Wahrnehmung bündelt, um durch die Bündelung der Aufmerksamkeit auf das Objekt den Blick vom hypnotisierenden Film zu lösen.

Objekt und Phänomen
Die Begriffe Objekt und Phänomen werden hier als gleichbedeutend aufgefasst. Das Objekt - wörtlich das Entgegengeworfene (lateinisch iacere = werfen) - liegt dem Betrachter, also dem Subjekt, als erkennbares Phänomen vor Augen. Phänomen entspringt dem griechischen Verb phainesthai [φαινεσθαι] = sichtbar werden, erscheinen. Das sichtbar Gewordene steht dem Subjekt seinerseits als erkennbares Objekt gegenüber. Das gilt auch für innerpsychische Phänomene. Der Gedanke steht dem erkennenden Subjekt als erkennbares Objekt gegenüber. Gedanke und erkennende Instanz sind nicht dasselbe.

Das heißt zugleich: Objekte sind Erscheinungen. Sie erfüllen ihr Wesen, nämlich die Erkennbarkeit, erst in Gegenwart eines Betrachters.

Ein gängiges Meditationsobjekt ist die Atmung. Vordergründig hat sie den Vorteil, immer und überall dabei zu sein. Sie kann leicht bewusstgemacht werden und bietet ein überschaubares Feld der Betrachtung.

Die Atmung hat aber auch eine tiefe Bedeutung. Sie ist das Tor zwischen Leben und Tod und damit das Tor zwischen Sein und Erscheinung. Diesseits der Atmung befinden sich die Erscheinungen und damit das, was vom Sein vorübergehend verwirklicht ist. Jenseits der Atmung liegt zeitlose Möglichkeit. Da die Grenze zwischen Leben und Tod zugleich die Verbindung zwischen beiden ist, durch die das eine ins andere übergeht, eignet sich die Fokussierung des Atems besonders dazu, über die bloße Erscheinung hinauszublicken und nach dem Ausschau zu halten, was zeitlos ist: die Wahrheit, die einzig dazu führen kann, dass sich das Ich in ihrem Spiegel richtig erkennt.

Die Konzentration auf Meditationsobjekte ist ein Mittel, um sich der Stelle zu nähern, an der die Öffnung zum Zeitlosen wahrscheinlicher wird. Die Öffnung zum Zeitlosen kann durch mangelnde Objektkonstanz verhindert werden.

Mangelnde Objektkonstanz ist ein Begriff der Entwicklungspsychologie. Er verweist auf die Tatsache, dass Kinder Angst bekommen, wenn die Mutter (das schützende Objekt) ihr Blickfeld verlässt. Das verängstigte Kind weiß nicht, dass die Mutter nur vorübergehend verschwunden ist und bald wieder auftauchen wird.

Mangelnde Objektkonstanz kann als Erklärung dafür dienen, warum die Ablösung vom Gegenständlichen an der Schwelle zur Zeitlosigkeit in der Regel nicht gewagt wird. Die Angst im Ungegenständlichen verlorenzugehen ist zu groß.

Anonymität

Anonym geht auf Griechisch anonymos [ανωνυμος] = ohne Namen zurück. Kein Name heißt keiner bestimmten Person zugeordnet.

In der Tat: Als Atmung erkennt der Beobachter ein Phänomen, das allen Personen eigen ist, ungeachtet ihrer individuellen Eigenarten. Wer die Atmung im Vordergrund des Bewusstseins hält, hat sich von seinem Ego soweit gelöst, dass dessen aufs Persönliche verengte Themen nicht mehr das Bewusstsein beherrschen. Der Herrschaft des Egos zu entrinnen, ist der eigentliche Schritt zur inneren Freiheit. Der Verengung zu entkommen, ist der Schritt in die Weite.

Wohlgemerkt:
Eigentlich gibt es kein Ego, unter dessen Herrschaft man leiden könnte. Es gibt nur eine egozentrische Illusion, die die Wahrnehmung der Wirklichkeit verzerrt.

4. Praktische Anleitung

Wer konsequent in sich hineinblickt, blickt über sich hinaus.
4.1. Leitidee

Ich beobachte, was jetzt im Bewusstsein geschieht. Nichts davon muss ich verändern. Je mehr ich erkenne, desto mehr wird die Erkenntnis die Art verändern, wie ich die Wirklichkeit erlebe; und die Art, wie ich ihr in Zukunft begegne.

4.2. Was man braucht
  1. Eine Sitzgelegenheit: je nach Vorliebe einen bequemen Sitzplatz, ein Sitzbänkchen oder ein Sitzkissen.

  2. Eine Meditationsuhr, auf der man einstellen kann, wie lange man meditieren will.

Besser, man meditiert täglich drei Minuten, als ab und zu fünfzehn. Längere Meditationszeiten sollte man erst wählen, wenn man sie nicht als Pflicht empfindet, die man abzuleisten hat, sondern als Freiraum, in den man eintaucht. Besser man erkennt, wie schwer es ist, bei sich zu bleiben, als dass man sich beim Versuch, es zu tun, einem Zwang unterwirft; den man dann abschüttelt und damit den Meditationsweg beendet.

Wohlgemerkt
Meditation ist ein schrittweiser Prozess. Jeder Schritt führt voran. Wer jahrelang geht, kann weit kommen.

4.3. Wie man es machen kann
  1. Der Begriff aufhalten ist vielsagend. Bei der Meditation gilt es, sich der Wirklichkeit zu öffnen um die Enge der Vorstellung zu verlassen. Sich aufhalten heißt offen sein.
    Suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie sich gerne aufhalten.
  2. Setzen Sie sich bequem hin.
  3. Legen Sie die Hände so, wie es Ihnen angenehm ist.
  4. Schließen Sie die Augen.
  5. Richten Sie die Aufmerksamkeit auf den Atem.
  6. Beobachten Sie, wie der Körper ein- und ausatmet.
  7. Lassen Sie den Fokus der Aufmerksamkeit beim Atem.
  8. Sobald ein Gedanke aufkommt, der Sie vom Atem ablenkt, bestimmen Sie, womit er sich beschäftigt. Machen Sie sich klar: Das ist ein Gedanke an dies oder jenes. Gedanken sind Vorstellungen. Es ist in Ordnung, dass sie kommen und gehen. Kehren Sie, sobald das Thema des Gedankens bestimmt ist, zum Atem zurück.
  9. Sobald ein Urteil aufkommt, machen Sie sich klar: Das ist ein Urteil. Es urteilt über dies und das. Es ist in Ordnung, dass Urteile aufkommen. Sie sind jeweils eine Möglichkeit, die Wirklichkeit zu deuten. Kehren Sie dann zum Atem zurück.
  10. Sobald ein Gefühl auftaucht, erfahren sie es ohne auszuweichen. Machen Sie sich klar: Gefühle sind Interpretationen der Wirklichkeit. Sie begleiten die Vorstellungen, die man von ihr hat und die Urteile, die man über sie fällt. Je nachdem, aus welcher Perspektive man sie betrachtet, hat die Wirklichkeit einen unterschiedlichen Geschmack. Gefühle kommen und gehen. Wenn man es kommen und gehen lässt, wird kein Gefühl auf Dauer schaden. Kehren Sie dann zum Atem zurück.
  11. Sobald eine Sinneswahrnehmung auftaucht, machen Sie sich klar: Das ist eine Sinneswahrnehmung. Sinneswahrnehmungen kommen und gehen. Sie liefern Informationen über den Zustand der Welt. Kehren Sie dann zum Atem zurück.
  12. Sobald ein Handlungsimpuls aufkommt, machen Sie sich klar: Das ist ein Impuls. Er kann ausgeführt werden oder nicht. Bestimmen Sie, wozu er Sie bewegen will. Kehren Sie dann zum Atem zurück.
  13. Sobald eine Erinnerung aufkommt, bestimmen Sie, womit sie sich befasst. Kehren Sie dann zum Atem zurück.
4.4. Was man erkennen kann

Prinzipiell ist alles, was man erkennen kann, ein Objekt. Das Subjekt ist kein Objekt. Das Subjekt ist die Instanz, die die Objekte erkennt. Als primäres Meditationsobjekt wird meist der Atem gewählt. Weitere Objekte, die im Bewusstsein auftauchen, sind...

  1. Sinneswahrnehmungen
  2. Gedanken
  3. Urteile, Meinungen
  4. Gefühle, Affekte und Stimmungen
  5. Impulse
  6. Erinnerungen
Wer meditiert, sucht die Stelle, von der aus er einsieht, dass der Zustand der Welt für ihn weniger zählt als die Bereitschaft, sie wahrzunehmen. Er stellt sich der Welt, wie es ihm richtig erscheint. Dann lässt er sie los und kehrt heim.

Objekte, die man erkennt, sind nachrangige Wirklichkeit. Die Instanz, die erkennt, ist vorrangige Wirklichkeit. Das Alltagsbewusstsein neigt dazu, Objekten zum Nachteil des Subjekts Vorrang zu geben. Das Alltagsbewusstsein begegnet der Welt. Es behält sie im Auge, weil es der Person dient und die Person ein Objekt ist, das es erhalten will.

Grundmuster der Wirklichkeit
Die Welt hat drei wesentliche Eigenschaften. Diese Eigenschaften zu erkennen und der Welt aus der Erkenntnis heraus zu begegnen, befreit das Subjekt aus falschen Vorstellungen, die einen großen Teil seines Leidens verursachen.
  1. Alle Objekte, die beobachtet werden können, sind vergänglich. Sie sind nur vorübergehende Erscheinungen. Sie sind nur bedingt wirklich und haben daher nur eine zweitrangige Position in der Wirklichkeit. Dass sie erscheinen, liegt an vorübergehenden Bedingungen. Solange die Bedingungen erfüllt sind, erscheint das Objekt. Wenn die Bedingungen nicht mehr erfüllt sind, verschwindet es (Anicca).
  2. Da alles Bedingte der Vergänglichkeit unterworfen ist und daher verlorengeht, kommt man im Bedingten niemals zur Ruhe. Sucht man das Heil im Bedingten, ist Einklang mit sich selbst und dem Leben unmöglich. Je mehr man sich an Bedingtes klammert, desto realer ist die Gefahr des Verlusts. Man bleibt auf Dauer von Ängsten getrieben (Dukkha).

  3. Nichts Objektives hat ein eigenständiges Selbst. Nichts vom dem, was als Objekt erkannt werden kann, ist dasjenige, das es erkennt. Da das Selbst den Körper erkennt, ist der Körper zwar dessen Ausdruck, aber nicht sein Wesen. Das Selbst liegt jenseits aller Objekte, die man beobachten kann und die dem Verfall unterworfen sind. (Anatta)

Die Grundmuster der Wirklichkeit zu erkennen, wird als Vipassana-Meditation bezeichnet. Die Konzentration auf ein Meditationsobjekt heißt Samatha-Meditation.

4.5. Was man unterscheiden kann

Im üblichen Modus der Wirklichkeitsdeutung setzt sich der Mensch mit seiner Person gleich. Er identifiziert sich mit dem Körper und den mentalen Prozessen, die mit dem Körper verbunden sind. Im üblichen Modus glaubt man: Ich selbst und meine Person sind deckungsgleich.

Das ist eine verkürzte Sichtweise auf die Struktur der Wirklichkeit. Tatsächlich erscheint das Selbst in der und als die Person, deren Rolle die Person im dualistischen Erfahrungsfeld der Wirklichkeit spielt. Das Selbst geht aber über die Person hinaus. Die Person erscheint als erkennbares Objekt in der Zeit. Das Selbst liegt als erkennende Instanz jenseits davon.

4.6. Konzentration und Akzeptanz

Der übliche Ansatz zur Meditation besteht darin, sich auf ein Meditationsobjekt zu konzentrieren; zum Beispiel den Atem. Der Ansatz ist gut. Er kann aber eine Kehrseite haben, die vereitelt, dass man erreicht, was man erreichen möchte.

Konzentration zielt darauf ab, die Psyche daran zu hindern, in der egozentrischen Vorstellungswelt persönlicher Motive, und damit im Horizont vorübergehender Inhalte umherzuschweifen. Ziel der spirituellen Meditation ist es, das Vorübergehende hinter sich zu lassen, um zu erfahren, dass der Kern des eigenen Wesens zeitlos ist.

Sich auf ein Ziel oder auf ein Objekt zu konzentrieren, ist jedoch seinerseits eine vorübergehende Aktivität des Egos. Je mehr man es dazu anhält, die Konzentration zu halten, desto größer ist die Aufgabe, die man ihm übergibt. Wie soll man aber etwas hinter sich lassen, dem man durch eine Aufgabe, die es noch erfüllen soll, Bedeutung gibt?

Eine Lösung kann darin bestehen, sich in Akzeptanz statt in Konzentration zu üben. Sich auf ein Objekt zu konzentrieren heißt zugleich, sich mit diesem Objekt als einzigem Inhalt des Bewusstseins zu begnügen. Sich zu begnügen heißt zu akzeptieren, nicht mehr als das zu haben, womit man sich begnügt. Da das bestimmende Motiv des Egos darin besteht, mehr haben zu wollen, um sich selbst zu bewahren, führt die Akzeptanz des Wenigen dazu, dass man ihm Bedeutung entzieht. Was uns daran hindert, uns dem Zeitlosen anzuvertrauen, ist die Bedeutung, die wir uns im Zeitlichen zumessen.

Eigentlich ganz logisch

Je mehr man sich auf etwas konzentriert, desto mehr blendet man alles andere aus. Anderes auszublenden heißt, darauf zu verzichten, durch das Ausgeblendete bereichert zu werden. Die Schwierigkeit, sich in der Meditation mit dem Meditationsobjekt zu begnügen, deutet auf den Anspruch hin, mehr zu bekommen, statt sich vom Anspruch frei zu machen.

Meditation geht auf lateinisch meditari = nachdenken, einüben und auf die indoeuropäische Wurzel me[d] = abmessen, abschreiten zurück. In der spirituellen Mediation wird die Bedeutung der Person neu vermessen. Die Hürde besteht darin, zu akzeptieren, wie gering sie ist. Wer akzeptiert, ist frei. Wer glaubt, er sollte mehr sein, bleibt in der Logik des Egos gefangen.

Auch denken heißt, mehr haben zu wollen:

  • im problematischen Fall mehr von der Welt. Indem man sich Mittel ausdenkt, wie man sie erbeuten kann.
  • im weniger problematischen mehr von der Wahrheit. Indem man sie gedanklich erfasst.

Mehr haben zu wollen, kann verhindern, dass man sieht, was ist.

5. Befreiung

Absolut man selbst zu sein, ist etwas anderes, als das relative Selbst, also sich selbst als Person zu erkennen. Als Person ist man ein bestimmtes Sosein, das da, wo es ist, so ist, wie es ist. Jedes Ich wird durch zweierlei bestimmt: Vorgaben und Freiheit. Vorgegeben sind...

  1. das relative Selbst, also die eigene Struktur, die persönliche Begrenzungen definiert. Ich bin so, wie ich bin. Ich kann nicht anders.
  2. die Umstände, in die es eingebunden ist.

Freiheit entspringt dem absoluten Selbst, das echte Selbstbestimmung einbringt.

Um die Person durch meditative Betrachtung zu erkennen, empfiehlt die bisherige Anleitung, den Atem zu fokussieren, den Inhalt auftauchender Gedanken zu bestimmen, die Qualität auftauchender Gefühle zu erleben und das Ziel entsprechender Impulse zu erkennen. All das macht Sinn, um das relative Selbst als Objekt zu verstehen. Das relative Selbst als Objekt zu verstehen, ist ein Schritt zur freien Selbstbestimmung des Subjekts.

Solange das Interesse an den Inhalten des Bewusstseins und damit an den konkreten Eigenschaften des Ich aufrechterhalten bleibt, bleibt auch die Bindung an etwas Bestimmtes und damit Verengtes und Vorübergehendes bestehen. Wer weiter will, kann weiter gehen. Dabei helfen die Wörter bloß und nur.

Bloß und nur

In der vertieften Meditation wird nach dem Grundsätzlichen gefragt. Es geht nicht um die konkrete Person, die als relatives Selbst durch bestimmte Inhalte festgelegt wird. Es geht um die Entbindung vom bloß Konkreten ins Absolute, also ins Sein an sich.

Bloß und nur dienen nicht der Abwertung, sondern der Zuordnung. Sie sollen verhindern, dass Phänomenen mehr Bedeutung zugeordnet wird, als dem Betrachter guttut.

Deshalb heißt es jetzt:

  1. Richten Sie die Aufmerksamkeit auf den Hintergrund, vor dem der Atem schwingt. Der Hintergrund bleibt trotz des Atems unberührt.
  2. Sobald ein Gedanke aufkommt, machen Sie sich klar: Das ist ein nur ein Gedanke.
  3. Sobald ein Urteil aufkommt, machen Sie sich klar: Das ist nur ein Urteil.
  4. Sobald ein Gefühl auftaucht, machen Sie sich klar: Das ist bloß ein Gefühl.
  5. Sobald Sie etwas hören, machen Sie sich klar: Das ist bloß ein Geräusch.
  6. Sobald ein Handlungsimpuls aufkommt, machen Sie sich klar: Das ist nur ein Impuls.
  7. Sobald eine Erinnerung aufkommt, machen Sie sich klar: Das ist nur eine Erinnerung.

Nichts von alldem ist jenseits der Erscheinung. Nichts von alldem ist wahres Sein. Indem man ihm die Bedeutung entzieht, die es nur scheinbar hat, befreit man sich zum Blick auf das Grundsätzliche.

Fesseln

Lust und Stolz sind Erfahrungen, die uns ermutigen, am egozentrischen Selbstbild festzuhalten. Klar: Wer Angenehmes erlebt, hat wenig Grund, die Rolle aufzugeben, aus der heraus er es tut. Das komplementäre Gefühl zur Lust ist Ekel. Das komplementäre Gefühl zum Stolz ist Scham.

Tauchen im meditativen Prozess Ekel- und Schamgefühle auf, kann das die Bindung ans Ego lockern. Beide Gefühle haben aber nicht die Macht, die Bindung zu lösen.

Da sowohl Abgrenzung als auch der Anspruch, mehr zu sein, als man ist, egozentrische Bestrebungen sind, dämpfen Ekel und Scham zwar die Freude am egozentrischen Dasein, sie halten aber zugleich daran fest.

Auch hier gilt es, sich klarzumachen, dass Ekel und Scham bedingte Funktionen sind, die jenseits ihrer bedingten Funktion nur wenig bedeuten. Es sind Erlebnisse, die man hinter sich lassen kann.

5.1. Einheitserfahrungen

Die Schulung der Konzentrationsfähigkeit spielt in der spirituellen Meditation eine große Rolle. Konzentration, also die Bündelung der Aufmerksamkeit auf einen Punkt, ist aber nicht das letzte Ziel. Sie ist Werkzeug und Etappe. Das eigentliche Ziel ist die Befreiung des Geistes aus der Vorstellung, den Grenzen eines Objektes verpflichtet zu sein, das sich der Wirklichkeit widersetzt.

Die Bündelung der Aufmerksamkeit auf ein Meditationsobjekt führt dazu, dass sich das Bewusstsein von seiner fluktuierenden Bindung an die egozentrischen Themen der individuellen Persönlichkeit löst.

Das Ego ist wie eine Reuse, in der sich der Aal auf der Suche nach Befreiung von genau dem Unbehagen windet, das durch die Suche im Innenraum der Reuse aufrechterhalten wird.

Durch Konzentration werden Einheitserfahrungen ermöglicht, die so angenehm sind, dass sich der Übende damit zufriedengibt. Einheitserfahrungen dieser Art werden in der ostasiatischen Spiritualität als Samadhi bezeichnet. Einheitserfahrungen, die durch meditative Konzentration entstehen, sind in der Regel vergänglich. Sie halten nur solange an, wie man die Konzentration beibehält. Kehrt man in den Alltag zurück, rücken sie in den Hintergrund.

Vorder- und Hintergrund

Das normale Bewusstsein fokussiert die Objekte, das spirituelle die Leere, die die Objekte enthält. Um zu verstehen, was Leere bedeutet, reicht es nicht, das Wort zu denken. Es gilt sich als leer zu verstehen. Sich als leer zu verstehen, heißt der objektiv existierenden Person keine besondere Bedeutung zu geben. Wer sich als Irgendwen betrachtet, sieht sich aus der Perspektive der Ewigkeit. Wenn einem spirituell Erwachten etwas Übles zustößt, nimmt er es nicht persönlich. Es ist Irgendwem in der Unendlichkeit passiert. Für die Wirklichkeit ist jeder nur ein Irgendwer.

Die eigentliche Befreiung des Geistes ist durch Einheitserfahrungen in der Mediation noch nicht erreicht. Die Befreiung ist Resultat einer Übertragung meditativ erworbener Erkenntnisse in die Routinen des Alltags. Erst wer sich, ermutigt von der Einheitserfahrung, im Alltag mit dem Leben in Einklang bringt, hat erreicht, was er erreichen kann.

Jenseits der Angst
Ziel der spirituellen Meditation ist es, mit der Wirklichkeit übereinzustimmen. Wer übereinstimmt, hat weniger Angst. Er kann sich der Wirklichkeit öffnen, ohne dabei von Ängste beengt zu sein, die seinem vordem falschen Selbstbild entsprangen.

Ängste, die entfallen können

5.2. Tugend

Die Befreiung des Geistes ist nicht nur ein operationelles Problem, das allein durch geeignete Meditationstechniken zu erreichen wäre. Die Freiheit bedarf auch einer ethischen Reife, die sich im praktischen Umgang mit dem Leben niederschlägt. Wer frei sein will, muss andere frei lassen. Eine Untersuchung der Dynamik des Bösen verdeutlicht das.

Böse Taten sind Versuche, sich auf Kosten anderer zu befreien. Das Motiv ist klar: Wie alle, wollen sich auch böse Menschen vom Leid befreien. Macht über andere erscheint ihnen dazu als geeignetes Mittel. Die Methode ist im Abschluss aber untauglich, weil jeder Versuch, die Freiheit eines Anderen zu beschränken, zu einer Fokussierung auf dessen Person führt. Mehr noch: Böse Menschen sind aggressiv. Sie messen der Beherrschung anderer so viel Bedeutung bei, dass sie an sie herantreten (lateinisch adgredi = herantreten) und somit den Raum verengen, in dem sie die eigene Freiheit verwirklichen könnten. Alles Böse zu unterlassen, ist ein daher unverzichtbarer Schritt auf dem Weg in die Freiheit. Ein brauchbares Mittel dazu ist die Pflege der Tugend.

Tugenden sind Verhaltensweisen, die im Alltag dazu tauglich sind, so mit der Wirklichkeit übereinzustimmen, dass man sich darin wohlfühlt. Die Schulung grundlegender Tugenden ist ein unverzichtbarer Baustein, um die Ergebnisse der Meditation fruchtbar zu machen.

6. Problemfelder

Über Meditation wird viel Gutes berichtet. Zu Recht! Die menschliche Psyche wäre aber ein simples Konstrukt, wenn es im Fahrwasser der Meditation nicht auch Problemfelder gäbe.

6.1. Meditationshaltung als Fixierung
Meditation ist nicht raumgreifend. Im Gegenteil! In gewissem Sinne ist sie sogar selbstbeschränkend.

Wer meditiert, sitzt still - wie ein braves Kind, das nicht stört. Wer ein braves Kind gewesen ist, kann sich fragen, ob sein Interesse an der Meditation nicht kindlichen Mustern entspricht, die er nie überwunden hat. Wie das brave Kind erwartet der Meditierende einen Lohn für den Verzicht auf die Ausführung seiner Impulse. Beim Kind mag das die Zuneigung der Eltern sein. Beim Meditierenden ist es der Zugang zu "höherer" Erkenntnis; oder gar ein glückseliges Aufgehen im Absoluten.

Findet die Psyche während der Meditation keine Ruhe, kann das ein unbewusster Widerstand sein, sich in die Rolle eines braven Kindes zu fügen. Ähnliches gilt für hartnäckige Schmerzen, die das Stillsitzen gegebenenfalls unerträglich machen.

Andererseits mag das brave Kind, das sich bereitwillig fügt, erst recht nach Höherem streben und so viel Geduld beim Stillsitzen aufbringen, bis sich das Höhere öffnet. So kann die frühkindliche Prägung dem Erfolg spiritueller Bemühungen ebenso im Wege stehen wie Vorschub leisten. Und sie kann eine Wiederholung kindlicher Muster sein, die biographische Reifungsprozesse durch Fixierung blockiert.

Konfliktvermeidung und Konkurrenzverzicht
Meist findet Meditation im Sitzen statt. Klassisch ist der Lotussitz. Weniger gelenkigen Leuten dient ein Bänkchen, das ihnen eine knieende Haltung erleichtert.

Jemanden aus dem Lotussitz heraus anzugreifen ist ohne umständliche Entflechtung der Beine nicht möglich; was einem potenziellen Gegner signalisiert, dass man keine Gefahr für ihn ist. Darüber hinaus entspricht die knieende Haltung des Bänkchenbenutzers einer Demutsgeste, die seit Menschengedenken eine asymmetrische Beziehung definiert, in der der Demütige keine direkten Ansprüche erhebt.

Daraus kann man schließen: Menschen, die sich meditative Ziele setzen, sind eher solche, die Konflikten und der Konkurrenz um irdische Güter aus dem Wege gehen. Das passt zur Rolle des braven Kindes. Dessen Strategie rechnet damit, dass es besser ist, sich die Gunst anderer nicht zu verscherzen, statt mit ihnen um Positionen zu kämpfen.

6.2. Problematische Des-Identifikation

In der spirituellen Praxis ist die Des-Identifikation von Körper und Ego ein gängiges Mittel um das Selbstbild über den Horizont der Person hinaus zu erweitern.

Der Des-Identifikation kann aber auch ein neurotischer Abwehrmechanismus zugrunde liegen, der das Selbstbild nicht ins Heilsame erweitert, sondern durch Spaltung beschädigt.

Die Des-Identifikation von der Person ist im guten Fall nicht durch ablehnende Affekte gegen sich selbst motiviert; zum Beispiel Verachtung oder Wut. Sie wird vielmehr von einem Wohlwollen begleitet, das die Schwächen der Person weise akzeptiert. Spirituelle Techniken, als deren Resultat der Körper nicht mehr wertgeschätzt wird, als vor ihrer Anwendung, sind verdächtig. Wer Körper und Person abwertet, spaltet, statt sich zu etwas Ganzem zu vereinen.

6.3. Verdeckte Autoaggression

Meditation hat nicht nur heilsame Effekte. Sie kann auch seelische Turbulenzen auslösen (z.B.: Willoughby Britton). Die introspektive Konfrontation mit seelischen Konflikten kann Ängste, Schlafstörungen und Depressionen triggern; gegebenenfalls sogar eine Psychose.

Wird Meditation mit sehr viel Ehrgeiz betrieben, um endlich die verheißene Erleuchtung zu erlangen, kann sie zur Belastung werden; vor allem, wenn die Des-Identifikation von Körper und Person mit autoaggressiver Vehemenz erfolgt. Denkbar ist, dass sie dann autoimmune Reaktionen verstärkt; oder sogar anstößt.

6.4. Bewusstsein und Gewahrsein

Der vorliegende Text beschreibt eine Methode, um sich dem absoluten Selbst zuzuwenden. Das Absolute ist aber nichts, was vom Relativen aus erkannt werden kann. Jede Methodenbeschreibung verwendet daher Konzepte über das Wesen der Wirklichkeit, die sich zu Bewusstseinsinhalten verdichtet haben.

Betrachten wir den Begriff Bewusstsein und seine englische Entsprechung consciousness.

Beide Sprachen verweisen darauf, dass das Bewusstsein kein ungetrübtes Werkzeug der Wahrheitsfindung ist, sondern tatsächlich oder vermeintlich Gewusstes zu dem hinzufügt, was der erkennende Geist als Wirklichkeit betrachtet. Gewusstes kann als Bild dargestellt werden oder als Gedanke verbalisiert. Hält das Bewusstsein nun Ausschau nach dem Absoluten, fügt es seinem Wesen gemäß allem, was in seinem Blickfeld auftaucht, das hinzu, was es darüber zu wissen glaubt. Im Alltag mag das sehr sinnvoll sein. Da sein Wissen über das Absolute aber bloß auf Mutmaßungen beruht, ist die Gefahr groß, dass das meiste hier weitgehend falsch ist und in die Irre führt.

Sich dessen in der Meditation gewahr zu sein, ist ein Schutz vor dem Irrtum. Gewahrsein und Bewusstsein sind nicht dasselbe. Gewahrsein begnügt sich mit tatsächlich Wahrnehmbarem. Es verzichtet darauf, es durch kognitive Konzepte auszudeuten. Um zwischen Bewusstsein und Gewahrsein zu unterscheiden, bedarf es geübten Gewahrseins, damit sich das Bewusstsein nicht in den Vordergrund drängt. Üben Sie zu sehen, ohne zu wissen.