Für andere alles zu machen, macht andere schuldig. Ist das ein guter Dienst?

Man ist erwachsen, wenn man niemandem mehr gefallen will.

Das Überflüssige muss weg, damit man das Wesentliche sieht.

Sensationen sind reizvoll, wenn sie selten sind. Zwei am Tag sind eine schiere Plage.

Gut und böse sind nicht immer unterschiedlich. Zuweilen sind sie ein und dasselbe.

Die Neigung, sich selbst zu entwerten, ist oft ein IntrojektLateinisch: das Hineingeworfene. Als Introjektion bezeichnet man die unüberlegte Übernahme fester Denk- und Bewertungsmuster aus dem Umfeld. abwertender Botschaften aus dem Umfeld.

Abwehrmechanismen


  1. Angst und Weltbild
  2. Wichtige Abwehrmechanismen
    1. 2.1. Abwertung
    2. 2.2. Affektisolierung
    3. 2.3. Altruistische Abtretung
    4. 2.4. Antizipation
    5. 2.5. Autoaggression
    6. 2.6. Des-Identifikation vom Selbst
    7. 2.7. Dramatisierung
    8. 2.8. Fixierung
    9. 2.9. Idealisierung
      1. 2.9.1. Unterwerfung
      2. 2.9.2. Identifikation mit dem Aggressor
    10. 2.10. Intellektualisierung
      1. 2.10.1. Pathologisierung
    11. 2.11. Introjektion
    12. 2.12. Konfluenz
    13. 2.13. Konversion / Dissoziation
    14. 2.14. Projektion
    15. 2.15. Projektive Identifikation
      1. 2.15.1. Projektive Des-Identifikation
    16. 2.16. Rationalisierung
    17. 2.17. Reaktionsbildung
    18. 2.18. Rechtfertigung
    19. 2.19. Regression
      1. 2.19.1. Abtretung des Aggressionsausdrucks
    20. 2.20. Somatisierung
    21. 2.21. Spaltung
    22. 2.22. Sublimation
    23. 2.23. Ungeschehenmachen
    24. 2.24. Verdrängung / Verleugnung
    25. 2.25. Verschiebung
  3. Abwehr oder Symptom
  4. Reife und unreife Abwehr
  5. Mystische Identifikation

Grundprinzip

Durch die Verengung des Weltbilds auf einen kontrollierten Ausschnitt der Wirklichkeit wird die Angst vor der Weite des Daseins aus dem Bewusstsein beseitigt. Statt ohne Wenn und Aber in der Welt zu stehen, richtet sich das Ego in einem Ausschnitt persönlicher Sichtweisen ein. Dort kann es glauben, dass es nicht mehr an sich zweifeln muss. Aus gefühlter Angst ist eine Illusion der Sicherheit geworden.

1. Angst und Weltbild

Weder die Außenwelt noch die Dynamik unserer Seele ist uns geheuer. Beide Elemente der Wirklichkeit erschrecken uns durch ein bedrohliches Netzwerk an Kräften. Deren Übermacht fühlen wir uns ausgeliefert. Darauf reagieren wir mit Angst.

Der AngstAbgeleitet von indogermanisch: angh = eng. folgt der Impuls, in eine schützende Enge zu flüch­ten. Um die Angst zu mindern, versucht unser Ego, ein beruhigendes Weltbild zu schaffen. Beruhigend wirkt ein Weltbild, wenn wir es überblicken können; und wenn es uns im Glauben lässt, wir könnten die Wirklichkeit so kontrollieren, dass es keinen Grund zum Fürchten gibt. Dazu benutzt das Ego Werkzeuge: Abwehrmechanismen.

Coping-Strategie oder Abwehrmechanismus

Zwischen CopingVon englisch to cope = bewältigen.-Strategien und Abwehr­mechanismen gibt es Ähnlichkeiten und Unterschiede. Beide dienen der Bewältigung unerwünschter Erlebnisqualitäten.

Während der Abwehrmechanismus ein Grundmuster im Umgang mit alltäglichen Widrigkeiten darstellt, kommt die Coping-Strategie bei konkret-belastenden Einzelerlebnissen zum Einsatz. Dabei greift sie oft gleichzeitig auf verschiedene Abwehrmechanismen zurück.

Abwehrmechanismen sind psychische Manöver, durch die wir ein überschaubares Weltbild aufrechterhalten. Was ein überschau­bares Weltbild stören könnte, blenden wir aus. Dazu gehören Fakten, die wir nicht wahrhaben wollen, ebenso wie Gefühle und Handlungsimpulse, vor denen wir uns fürchten.

Die Palette der Abwehrmechanismen ist breit gefächert. Zum Teil gehen sie ineinander über. Oder sie überlappen sich. Obwohl jeder bestimmte Muster bevorzugt, gibt es niemanden, der sich nicht verschiedener bedient.

Abwehr oder Problemlösung

Die Grenzen zwischen Abwehr und Problemlösung sind fließ­end. Nehmen wir an, Sie langweilen sich. Sie entschließen sich, ins Netz zu gehen und herumzusurfen. Ist das nun eine kreative Lösung des Problems oder wehren Sie durch Ablenkung gefürchtete Impulse ab, die hinter der Lange­weile auf Sie warten?

Ob ein Verhalten Abwehr oder kreative Gestaltung ist, ist objektiv kaum zu beurteilen. Das gleiche Verhalten kann mal das eine, mal das andere sein. Entscheiden kann man nur, wenn man die Details der jeweiligen Situation beachtet.

2. Wichtige Abwehrmechanismen

Die Definition der Abwehrmechanismen gehört zu den Konzepten der Psychoanalyse. Den Grundstein legten Sigmund Freud und seine Tochter Anna. Spätere Vertreter der analytischen und tiefenpsychologischen Schulen haben die ursprünglichen Konzepte ausgebaut. Neben der folgenden Liste kann alles als Abwehrmechanismus benannt werden, was der Stabilisierung des Welt- und Selbstbildes bei der Konfrontation mit der Wirklichkeit dient. Als Beispiel sei die Betäubung durch Suchtmittel genannt. Süchtiger Substanzkonsum kann aber auch als chemisch unterstützte Variante der Verdrängung aufgefasst werden.

2.1. Abwertung

Selbstabwertung

Ein verbreitetes Übel ist die Selbstabwertung. Abwertende Urteile über sich selbst können verschiedene Funktionen haben:

  • Sie bremsen expansive Impulse aus, um gefürchtete RivalitätenEine graue Maus wie ich hat auf der Party nichts zu suchen. und KonflikteInes behandelt mich herablassend, weil ich mal wieder was Blödes gesagt habe. Da kann ich nicht verlangen, dass sie anderes mit mir umgeht. zu vermeiden.
  • Sie dienen dazu, sich als Reaktion auf die Abwertung mehr ins ZeugIch Idiot habe den dritten Satz vermasselt. zu legen.

Eine nützliche Übung

Wer andere abwertet, macht es unbewusst auch mit sich selbst. Achten Sie darauf, wann und warum Sie abwerten. Formulieren Sie statt­dessen kreative Kritik; oder erkennen Sie, wodurch Sie sich selbst entwertet fühlen.

Abwertung spielt als Abwehrmechanismus eine herausragende Rolle. Dabei werden As­pekte der Realität als bedeutungslos oder unwert betrachtet um das bestehende Welt- und Selbstbild gegen eine Infragestellung durch die abgewerteten Elemente abzu­schirmen. In der Fabel vom Fuchs, der die Trauben, die zu hoch für ihn hängen, für sauer erklärt, ist der Mechanismus bildhaft dargestellt.

Abwertung kann sich gegen sämtliche Wirklichkeitsaspekte rich­ten, durch die man sich verunsichert fühlt.

Besonders problematisch ist der Mechanismus, wenn er sich gegen Personen oder Menschengruppen wendet.

Die Abwertung von Bezugspersonen kann im Stillen vollzogen werden. Dann dient sie vorrangig dem eigenen Selbstwertgefühl. Sie ist ein pathologischer Heilungsversuch narzisstischer Zweifel.

Wird Abwertung offensiv ausgetragen, entsteht, was man neudeutsch als Mobbing bezeichnet. Dann dient sie zusätzlich sozialer Konkurrenz.

2.2. Affektisolierung

Bei der Affektisolierung wird die emotionale Reaktion auf ein Ereignis ausgeblendetMan könnte auch sagen: Das Gefühl wird in Quarantäne geschickt.. Somit vermeidet man, sich die emotionale Komponente eigener Handlungsmotive einzu­gestehen. Man erlebt sich als ausführendes Organ einer nüchternen Notwendig­keit. Man handelt so, als habe man mit den eigenen Gefühlen nichts zu tun.

Von Gefühlen, die man nicht bewusst durchlebt, wird man besessen.

Die Affektisolierung geht oft mit einer RationalisierungZum Beispiel Marthas Argument, Prügel führten Kinder auf den rechten Weg. der eigenen Motive einher. Sie führt jedoch nicht zu einer Befreiung des Verhaltens vom störenden Ein­fluss ungesteuerter Emotionen. Vielmehr wird man erst recht durch den ausgeblendeten Affekt bestimmt. So steckt hinter Svens Schweigen womöglich der Impuls, Petra durch scheinbare Gleichgültigkeit zu treffen und Richter Besenrein weiß nichts von seinem Neid auf jene, die es sich im Gegensatz zu ihm erlauben, Regeln bei Bedarf zu übertreten.

2.3. Altruistische Abtretung

Dem Anderen nützt nicht nur, dass man ihn mit Kuchen füttert. Es nützt ihm auch, dass man eine Grenze hat. Einem selbst nützt das ebenfalls.


Hinter einer Abtretung steckt oft die Erwartung besonderer Dankbarkeit. Altruismus und Egoismus bilden dann ein unübersichtliches Gemenge, das eine Beziehung regelrecht vergiften kann.


Aus einem Ich tue das doch gerne für Dich wird ein Ich habe doch so viel für Dich getan.


Der pathologische Altruist versucht, sein Ego aufzuwerten, indem er es abwertet.

Bei der altruistischen Abtretung werden eigene Interessen verleugnet. Stattdessen gilt aller Einsatz ähnlichen Interessen anderer, für die sich der Altruist dann um so hemmungsloser einsetzt.

Typische Vertreter

Die altruistische Abtretung bietet psychologische Vorteile.

Die altruistische Abtretung ist zum Teil ein sozial nützlicher Abwehrmechanismus. Ihr übermäßiger Einsatz birgt aber Risiken: für Geber und Empfänger. Dem Geber drohen Helfer- und Burn-out-Syndrom, die Bereitschaft des Empfängers, eigene Tatkraft zu entwickeln, wird korrumpiert. Für den, der sich für andere einsetzt, mag es daher sinnvoll sein, eigene Interessen besser zu beachten.

2.4. Antizipation

Antizipation, also die planende Vorwegnahme kommender Probleme, gilt als reifer Abwehrmechanismus. Bei der Antizipation werden zukünftige Schwierigkeiten im Voraus bedacht und vorbeugende Maßnahmen ergriffen, um die Gefahr zu entschärfen, die dem Selbstbild durch ein Scheitern an den Problemen droht.

Auch Antizipation kann schaden: wenn man sie übertreibt. Ist man zu sehr mit der Zukunft beschäftigt, verpasst man womöglich die besten Chancen in der Gegenwart.

Abwehrmuster oder zielführendes Handeln
Planende Vorwegnahme ist nicht immer Abwehrmuster. Streng genommen ist sie nur soweit ein psychologisches Manöver, wie sie dem Schutz des Selbstbilds dient. Dient sie - ungeachtet aller Sorge um das Selbstbild - der Gestaltung einer Zukunft, ist sie Komponente zielführenden Handelns.
2.5. Autoaggression

Aggressive Impulse sind ein Risiko für den Bestand zwischenmenschlicher Beziehungen...und damit der Rolle, die man als Beziehungspartner inne hat.. Ihr Ausdruck wird oft gefürchtet. Bei der Autoaggression werden solche Impulse vom Gegenüber weg und auf sich selbst gelenkt. So verhindert man, sich unbeliebt zu machen. Gegebenenfalls erntet man sogar Zuwendung und Aufmerksamkeit.

Zuweilen vermengen sich auto­aggressives und passiv-aggressives Verhalten oder wechseln einander ab. Bei beiden Mustern wird der offene Konflikt vermieden.

Im autoaggressiven Akt schimmert die Aggression gegen Bezugspersonen durch. Durch die Folgen der Autoaggression werden sie vereinnahmt, angeklagt oder ins Unglück gestürzt; denn der Schutz einer BeziehungVorrangig wird wohlgemerkt nicht die Beziehung geschützt, sondern die Rolle, die man darin spielt... und mit der Rolle das Bild, das man von sich selber hat. durch Wendung der Aggression gegen sich selbst kann tödlich sein.

2.6. Des-Identifikation vom Selbst

Es gibt Menschen, die das, was sie für sich selbst halten, so radikal ablehnen, dass sie die Erscheinungsformen ihrer selbst nicht mehr als Ausdrucksweisen ihrer selbst erkennen. Sie des-identifizieren sich von sich selbst. Meist stecken schwere Selbstwertzweifel und entsprechende Schamgefühle dahinter, deren Erleben durch den Mechanismus abgewehrt wird.

Vor der Des-Identifikation vom Handlungspotenzial des Selbst

Ich bin es, der...

danach

Mir geschieht...


Wie könnte ich Verursacher meines Erlebens sein, wenn ich kein Selbst habe, das Ursache sein könnte?