Je mehr ich frage, was ich bin statt was ich habe, desto geringer ist die Gefahr, dass das Glück sich bei mir langweilt.

Glücklich ist, wer nichts mehr haben will. Glück zu wollen, kann ihm im Wege stehen.

Ich bin zufrieden, wenn ich meinen Frieden damit mache, dass mein Wunsch nach mehr nicht in Erfüllung geht. Ich bin glücklich, wenn ich einen solchen Wunsch nicht habe.

Es gibt zweierlei Glück: bedingtes und unbedingtes. Das bedingte kann gemacht werden. Das unbedingte wird entdeckt. Das bedingte ist flüchtig, das unbedingte zeitlos.

Unbedingtes Glück kann nicht erobert und erbeutet werden. Es kommt, wenn man versteht, wodurch man es vertreibt. Nichts stört sein Kommen mehr, als dass man ständig nach Vergnügen sucht.

Unbedingtes Glück ist nicht machbar, weil Machen auf Bedingungen einwirkt, die Glück bewirken sollen.

Glück


  1. Begriffe
    1. 1.1. Glück
    2. 1.2. Heil
    3. 1.3. Seligkeit
    4. 1.4. Genuss und Vergnügen
  2. Erscheinungsformen
    1. 2.1. Glückliche Fügung
    2. 2.2. Machbares Glück
    3. 2.3. Glückseligkeit
  3. Zufriedenheit
  4. Ebenen des Erlebens
    1. 4.1. Ego
    2. 4.2. Selbst
  5. Wegbereitungen
    1. 5.1. Beteiligung
    2. 5.2. Tatkraft
    3. 5.3. Gelassenheit
    4. 5.4. Achtsamkeit

1. Begriffe

Bei der Erforschung des Glücks tauchen drei Begriffe auf: Glück, Heil und Glückseligkeit. Wie Satelliten um ihre Sonne kreisen zwei weitere: Genuss und Vergnügen.

1.1. Glück

Erst im 12. Jahrhundert sprach man im deutschen Sprachraum vom Glück. Mittelhoch­deutsch hieß ein günstiges Schicksal, ein erfreulicher Zufall gelücke. Woher der Begriff kam, ist unklar. Er ist mit keiner anderen germanischen Wortgruppe verwandt. Bemerkenswert ist, dass der Begriff jene Variante des Glücks in den Vordergrund stellt, die den Beglückten, ohne eigenes Zutun, von außen erreicht. Vielleicht lag das an den Bedingungen der Zeit. Vielleicht vertraute der Mensch im Mittelalter so wenig der eigenen Kraft, dass er Glück nur als Ereignis deuten konnte, das ihn als erlösende Willkür von außen trifft.

Was mir zu meinem Glück noch fehlt...
... ist das, wovon ich glaube, dass das Glück daraus besteht, es zu haben. Der Satz verweist auf die Bedingung, die das Wort Heil bei der Bezeichnung des Glücks benannte: Man erlebt Glück, wenn eine Unvollständigkeit durch das Fehlende ergänzt wird. Ist das Fehlende da, ist die Welt heil.
1.2. Heil

Bevor der Begriff Glück aufkam, war das, was er benannte, nicht unbekannt. Es wurde aber durch einen Wortstamm bezeichnet, der keinen möglichen Ursprung, sondern die innere Beschaffenheit des Glücks benennt. Abgeleitet von der germanischen Wurzel hailiz findet man in verschiedenen Sprachen Abkömmlinge, die um die Idee des Heilseins kreisen:

Mit Heil verwandt sind heilig, heil und Heilung. Sie verweisen darauf, dass man beim Glück, als es noch Heil hieß, an Ganzheit, Ganzwerdung oder Unversehrtsein dachte; und an das Heilige, das als Ganzes unantastbar über allem steht.

1.3. Seligkeit

Die Dritte im Bunde ist Seligkeit, die im Begriff Glückseligkeit zum Gipfel der Sehnsucht gesteigert ist. Das Wort entwickelte sich aus dem althochdeutschen salig = gut, glücklich, gesegnet. Glückseligkeit ist so besonders, dass sie der Sprachgebrauch mit der Idee des Segnens verband. Segnen entstammt dem lateinischen signare = mit einem Zeichen versehen. Glückseligkeit trägt das Zeichen des höchsten Ziels, das eine Menschenseele erreichen kann. Glückselig ist, wer das Heilige erfährt.

1.4. Genuss und Vergnügen
Viele halten das Glück für die Summe zahlreicher Vergnügen. Damit liegen sie falsch. Je mehr Vergnügen sie zu sammeln versuchen, desto mehr entrückt das Glück. Wer nur sein Vergnügen sucht, muss sich damit begnügen, nur das zu finden, was zur Erfüllung momentaner Bedürfnisse genügt. Das Glück wird ihm entgehen; denn wer mit Summen zufrieden ist, gibt das Ganze preis. Wahres Glück ist mehr als genug. Es ist der schiere Überfluss.

Genuss und genießen gehen auf die indogermanische Wurzel neud- = fangen, ergreifen zurück. Auch die Begriffe benutzen und nützlich gehören ins gleiche Vorstellungsfeld. Die Verbindung des Nützlichen und des Genusses mit der Tätigkeit des Fangens lässt vermuten, dass die Sprachbildung aus der Zeit der Jäger und Sammler stammt.

Vergnügen geht auf das mittelhochdeutsche Adjektiv genouc = hinreichend, befriedigend zurück, dem auch das heutige genug entspringt. Vergnügen bereitet, was ein Bedürfnis erfüllt, und folglich dazu genügt. Damit sind Genuss und Vergnügen miteinander verwandt. Auch der Jäger der Steinzeit wird versucht haben, genau das zu ergreifen, was ihm zur Erfüllung unmittelbarer Bedürfnisse nützlich erschient. Fing er genug, hat er seinen Fang vergnügt genossen; und war so lange guter Dinge, bis der Hunger wieder kam.

Seitenspezifische Sprachregelung

Im vorliegenden Text werden verschiedene Begriffe synonym verwendet:

Wird aus dem Zusammenhang ersichtlich, dass unbedingtes Glück gemeint ist, steht Glück auch allein.

Auch mit dem Glück sind Genuss und Vergnügen verbunden. Während reines Glück aber eine Sonne ist, die von innen heraus strahlt, ist vergnügter Genuss nur eine Erscheinung, die von Bedingungen abhängig ist. Beim einen passt alles, bei den anderen nur Teil zu Teil.

2. Erscheinungsformen

Die beschriebenen Begriffe zeigen die Spannweite des Glücks und seiner Satelliten auf. Glück, wie wir es heute verstehen, beginnt beim erfreulichen Zufall und endet bei einem Zustand, der allen Zu- und Wechselfällen enthoben ist. Beide Pole des Glücks, der Zufall und das Ende aller Zu-, Wechsel- und Hinfälligkeit, erscheinen uns begehrenswert. Dazwischen liegen die Stufengrade des machbaren Glücks, das zwischen Triumph, Zufriedenheit und flüchtiger Ahnung möglicher Glückseligkeit variieren kann.

Während Vergnügen kommen und gehen, hat das Glück nie begonnen und wird niemals zu Ende sein.

Romanische Entsprechung

Le bonheur: So heißt das Glück auf französisch. So mancher Franzose - nennen wir einen davon Bertrand - wird beim Verständnis des Glücks durch den Klang des Wortes dazu verführt worden sein, unter dem Glück eine gute Stunde (französisch: une bonne heure) zu verstehen und es daher für eine genüssliche Zeitspanne zu halten. Genau das ist wahres Glück nicht.

Sobald man von verschiedenen Erscheinungsformen des Glücks spricht oder von den unterschiedlichen umgangssprachlichen Verwendungen des Begriffs, macht es Sinn, Bertrands unglücklicher Deutung auf den Grund zu gehen. Das wird Licht auf etwas Wesentliches werfen: auf die Zeitlosigkeit des wahren Glücks und den Unterschied zum bloßen Vergnügen.

Etymologisch hat bonheur nichts mit der Stunde zu tun, die Bertrand vergnüglich mit Beatrice verbringen mag, sondern mit dem lateinischen Verb augurare = vorhersagen, orakeln. Bonheur geht auf bonum augurium = günstiges Vorzeichen zurück. Es besagt, dass ein Vorhaben glücken wird; weil es nämlich zu einer vorgebenen Struktur des Universums passt, die der Augur, also der Orakelnde, je nach persönlicher Meinung aus den Sternen, dem Vogelflug oder den Eingeweiden einer Ziege abzulesen glaubt.

Uns Heutigen ist unklar, wie die Stare am Himmel Roms flatternd den Zeitpunkt benannten, der für Livias Lieferung einer Galeere Amphoren nach Lugdunum günstig war. Trotzdem hatten die Auguren damit Recht, im Konsens mit dem germanischen Heilsgedanken das Glück als eine Übereinstimmung zu deuten; nämlich die des Amphorenhandels mit einer universalen Vorgabe, die sich im Vogelflug bemerkbar macht.

Daher hat das bonheur zwar etymologisch nichts mit der bonne heure zu tun, die Beatrice und Bertrand in der Gartenlaube turteln, ontologisch aber doch; denn das Vergnügen unserer Turteltauben hängt von der Übereinstimmung ab, die der Begegnung ihrer Leiber und Begierden zugrunde liegt.

Während beim bloßen Vergnügen eine vorübergehende Übereinstimmung von persönlichem Bedürfnis und Situation zustandekommt, die regelhaft verloren geht und im Verlust erneutes Leid nach sich zieht, ist die Übereinstimmung des Glücklichen mit dem Glück jedoch zeitlos. Der Glückliche stimmt nicht nur als Person mit einem flüchtigen Moment überein, sondern als er selbst mit der umfassenden Struktur der Wirklichkeit.

Falls Beatrice ihr Schicksal daher nicht aufhält und Bertrand in ihren Augen erkennt, dass er nicht nur für einen vergänglichen Augenblick ihrem Leib, sondern durch diesen Leib dem ewigen Geheimnis begegnet ist, hat er mit Beatrice nicht nur ein Vergnügen erlebt, sondern in ihrem Schoß das Glück berührt.

2.1. Glückliche Fügung

Die unzuverlässigste Form des Glücks ist der reine Zufall. Solcherart Glück begegnet dem einen häufig, dem anderen selten; wie der Zufall es seinem Wesen gemäß fügt.

Wenn man den Zufall auch nicht berechnen kann, so ist es immerhin möglich, ihm Chancen einzuräumen.

2.2. Machbares Glück

Wären wir bei der Erfüllung offener Wünsche auf den blanken Zufall angewiesen, sähe es trübe aus. Zum Glück ist es anders. Zum Glück kann man für das Glück etwas tun. Man kann erkennen, was zur Ganzheit fehlt und sich darum bemühen, dass Fehlendes erworben und verwirklicht wird; damit etwas vom Glanz des Glücks die Erde trifft.

Die Machbarkeit des Glücks bestimmt einen großen Teil unseres Tuns. Auf tausenderlei Art sind wir damit beschäftigt, Bedingungen zu schaffen, damit unsere Zukunft glücklich wird. Wir streben an, was uns zu fehlen scheint. Die Machbarkeit des Glücks hat aber einen Haken. Genau genommen sind es zwei:

  1. Das eigentliche Glücksgefühl, das gemachtem Glück entspringt, ist flüchtig.Schnell hat Carolins Glücksgefühl der Sorge um die Beschaffung einer Studentenbude Platz gemacht. Dass sie das Abitur in der Tasche hat, verblasst zu einem schlichten Faktum. Das flüchtige Erfülltsein verweist auf einen neuen Mangel. Was länger bleibt, ist kein Glücksgefühl, sondern bestenfalls Zufriedenheit.

  2. Dauerhaftes Glück entzieht sich der Machbarkeit, weil Machbarkeit auf Elemente der Welt zugreift, die ständigem Wandel unterworfen sind. Gemachtes oder zufälliges Glück trägt den Keim des Verlustes in sich. Glück, das gemacht ist oder Zufällen entspringt, droht, indem es aufkommt, bereits mit seinem Gegenteil.

    Wahres Glück schließt Unglück mit ein, weil es das Unglück nicht in der Hoffnung, zu siegen, bekämpft, sondern sich als Siegerin weiß.

    Wer nach Glück jagt, verjagt es. Machen Sie sich nicht das Glück zum Ziel, sondern die Weisheit, es vom Sieg zu unterschei­den. Wer sieht, sieht auch, dass ihm zum Glück meist nicht mehr fehlt als die Kunst, es nicht zu übersehen.

    Warum will der Mensch glücklich sein? Weil Glück seinem Wesen entspricht. Glücklich ist, wer er selbst ist.
  3. Gemachtes Glück verdankt seine Verwirklichung Bedingungen, die man durch Tüchtigkeit bewirken kann. In der Regel sind solche Bedingungen Elemente der Außenwelt. Da die Außenwelt unaufhörlich in Bewegung ist, steht jede Bedingung, die gemachtem Glück zugrunde liegt, auf tönernen Füßen.Kaum hatte Melanie ihren Hofladen eingerichtet, trat die EU-Verordnung 32 zur Infrastrukturverbesserung der Landwirtschaft in Kraft. Die Verordnung schreibt vor, dass Hofläden mit Gemüseverkauf nur dann betrieben werden dürfen, wenn das Gemüse durch Kühlaggregate frisch gehalten wird, deren Energieversorgung auf einer Windkraftanlage beruht, deren Baugenehmigung vor dem 1.7. 2013 erteilt wurde. Melanies Biogasanlage gilt nicht als angemessener Ersatz.

Machbarkeit

Onkel Alfred hat in Amerika sein Glück gemacht. So heißt es. Gemeint ist, dass der vermeintlich Glückliche erfolgreich war und nun zufrieden auf die Früchte seiner Arbeit blickt. Zufriedenheit ist eine Grundlage des Glücks; oder dessen bescheidene Verwandte. Aber nicht mehr.

Verlässliches Glück entzieht sich der blanken Machbarkeit. Es liegt zu sehr in der Erkenntnis umfassender Zusammenhänge, als dass es ein Macher im Eifer für sein Produkt nicht übersähe. Was der Macher leicht mit Glück verwechselt, ist ein Triumphgefühl, das aufkommt, wenn er Ziele, trotz aller Widerstände, erreicht. Gemachtes Glück überwindet ein Gegen, unbedingtes hat kein Gegen mehr.

2.3. Glückseligkeit

Glückseligkeit ist so sehr Gipfel des Glücks, dass man sie als das einzig wahre Glück bezeichnen könnte. Glückseligkeit ist ein Glückszustand, der durch keine äußere BedingungUnabhängig von Bedingungen heißt: unabhängig von allem Dinglichen. Zum Dinglichen gehören nicht nur materielle Sachen, sondern auch jeder virtuelle Gegenstand, der im Geiste verhandelt werden kann; zum Beispiel der überhängende Ast der Zierkirsche auf das Nachbargrundstück und das gebrochene Versprechen Rolands, in Zukunft langsamer zu fahren. zu beeinträchtigen ist. Da er keiner Bedingung bedarf, genügt sich dieser Zustand selbst. Er wünscht nichts, begehrt nichts, greift nicht aus und dient keinem höheren Ziel. Er hängt von keinem Ereignis ab, das verursacht oder verhindert werden kann. Glückselig­keit ist der Gipfel des Glücks, weil sie die Erkenntnis enthält, unbedingt und somit unverlierbar zu sein. Es sind nicht die Dinge der Welt, die Glückseligkeit bewirken. Es ist die Erkenntnis, von den Dingen der Welt entbunden zu sein.

Die Person ist Teil der Welt. Der Zufriedene hat sie erfolgreich ergänzt, der Glückliche hat sie überschritten.

Pole

Bedingtes Glück Unbedingtes Glück
Bedingtes Glück entsteht, wenn Bedingungen erfüllt sind, die das Erleben eines Heilseins ermöglichen. Unbedingtes Glück liegt in der Erkenntnis, jenseits des Bedingten heil zu sein.
Da Bedingungen stetem Wandel unterliegen, ist bedingtes Glück nicht zuverlässig. Ist unbedingtes Glück erreicht, kann es nicht verloren gehen.

Zweierlei Glück

  1. Erfolg in der Welt
  2. Ablösung vom Erfolg in der Welt

Das erste hängt von wechselnden äußeren Bedingungen ab, das zweite von einer inneren: dass man das Selbst für das Eigentliche hält.

3. Zufriedenheit

Der Übergang des gemachten Glücks in Zufriedenheit legt nahe, deren Wesen zu betrachten. Wo von Zufriedenheit die Rede ist, ist auch an Krieg zu denken; denn das gemachte Glück besteht daraus, von erstrebenswerten Gütern etwas abzukriegen.

Vom Habenwollen und Zerbrechen
Etwas bekommen heißt etwas zuzuordnen. Zugeordnet werden dabei Teile einem Teil. Beim Zugeordneten handelt es sich um einen Teil, der in Besitz übergeht. Aber auch der, dem zugeord­net wird, ist nicht das Ganze, sondern ein Stück davon. Leicht geht das Heil beim Habenwollen in die Brüche. Wer immer nur haben will statt zu sein, wird an seinem Vorsatz scheitern.

Etwas kriegen heißt etwas bekommen. Das umgangssprach­liche Verb gibt Aufschluss über das Wesen der Zufriedenheit und die mangelnde Machbarkeit des unbedingten Glücks. Kriegen meinte im Mittelhochdeutschen, sich durch Zank und Krieg darum bemühen, etwas zu bekommen.

Obwohl das Verb kriegen unmittelbar mit Krieg verwandt ist, denken wir uns nichts Böses beim Versuch, vom Kuchen etwas abzukriegen. Unsere Existenz in einer Raum­zeit, in der die Natur Lebensrechte auch durch Konkurrenz bestimmt, erfordert es, eine Reihe sich öffnender Bedürfnisse durch ausgreifendes Handeln zu erfüllen. Machbares Glück entsteht im Streit mit einer Wirklichkeit, deren Wechselhaftigkeit gemachtes Glück in Frage stellt.

Ein Grundmuster der menschlichen Psychologie ist zudem die Schaffung eines optimierten Bildes von sich selbst, zu dessen Verwirklichung es oft gewaltiger oder sogar gewalttätiger Anstrengungen bedarf. Zum alltäglichen Seelenzustand des Menschen gehört es daher, dass er etwas haben, kriegen und bekommen will.

Definitionen

Krieg Frieden
Krieg ist das Bemühen um einen Wert, bei dem die Beschädigung anderer Werte aktiv betrieben wird. Regelhaft wird dabei auch die Zerstörung solcher Werte in Kauf genommen, die dem Kriegsziel zufällig im Wege stehen. Frieden ist sprachgeschichtlich mit frei verwandt. Friedlich ist, was weder sein Gegenüber noch sich selbst einem Zwang unterwirft.

Das Mittel des Krieges ist Zwang. Kriegerisch ist die Anwendung von Zwang, um etwas zu vernichten, zu unterwerfen oder zu verformen.

Frieden ist das Freilassen dessen, was ist. Frieden, der durch Zwang erzwungen wird, ist kalter Krieg.


Zum Glück gehört die Erkenntnis, dass zwischen meinem Wohl und dem anderer kein grundsätzlicher Widerspruch besteht.

Zum Glück kann man bei der Erfüllung vieler Bedürfnisse mit anderen zwar zusammen­wirken, beim Wettstreit um Güter sowie beim Kampf um Rechte und Positionen entstehen jedoch Konflikte. Dann wird aus dem Bemühen formal gesehen Krieg.

Wie aber soll umfassende Übereinstimmung entstehen, wenn ein Kampf zu führen ist? Der Weg zum unbedingten Glück wird durch die Gesetzmäßigkeiten des machbaren Glücks erschwert.

Unglück

Ein Nährboden des Unglücks ist, dass man Vorübergehendes zu wichtig nimmt. Je mehr man meint, ein vergänglicher Zustand sollte nicht so sein, wie er ist und je mehr man glaubt, dass man seinen Ablauf verändern sollte, ohne die Möglichkeit dazu zu haben, desto unglücklicher wird man. Unbedingtes Glück ist Ruhen in reiner Betrachtung. Unglück ist Wollen ohne die Macht, das Gewollte zu erreichen.Schließlich hatte der Zufall es geschafft, Roland und Carolin zusammenzubringen. Sie trafen sich bei Saturn an der Kasse, als Carolin die neue CD von Julienne Bisette (Satin et désire) erwarb und Roland... Need for Speed™ Hot Pursuit No. 7. Roland wollte Carolin aber ständig für sein Autorennspiel begeistern und sie wollte ihn dazu bringen, nur noch 2 x 2 Stunden die Woche zu daddeln. Es dauerte nicht lange bis die Beziehung im Streit zerbrach. Hätten sich die Beiden besser mal so angenommen, wie sie wirklich sind.

4. Ebenen des Erlebens

Obwohl bedingtes und unbedingtes Glück miteinander verwandt sind, sind sie nicht dasselbe. Der Unterschied liegt im jeweiligen Pol der Existenz, aus dem heraus man entweder das eine oder das andere erlebt. Diese beiden Pole sind das Ego und das Selbst.

Pole der Existenz

Ego Selbst
Das Ego definiert sich als abgetrennte Einheit, die der Welt als Partei und Person gegenübersteht. Das Selbst entspricht der Gesamtheit aller Faktoren, als deren Ausdruck die Person in Erscheinung tritt.

In der Identifikation mit dem Ego kann das Ich kein wahres Glück empfinden, weil Glück ein Gewahrsein von Ganzheit ist und sich das Ego als separate Instanz grundsätzlich als unganz beschreibt.Ich bin nicht das Ganze. Ich bin ein Teil, der dem Rest begegnet. Glückselig ist das Ganze, das überMan sollte das Wort über nur als sprachliche Konvention betrachten. Es verweist auf Wirkliches ohne es abzubilden; denn über bedeutet eine Aufteilung in über und unter... und widerspricht damit dem Prinzip der Glückseligkeit. Vielleicht könnte man sagen: Glückselig ist, was alles Geteilte zu sich vereint. allem Geteilten steht.

4.1. Ego

Das Ego ist eine Rechenmaschine. Es ist dazu verurteilt, für den Vorteil der Person zu streiten. Wenn der Körper hungert, überlegt das Ego, ob es besser ist, für zwei Äpfel fünf Kilometer zu laufen oder für einen bloß drei. Da das Ego parteiisch ist, gerät es mit dem Rest der Welt in Streit. Es ist von der Idee beseelt, sich auf Kosten der Welt zu bereichern. Aus seiner Sicht ist mehr fast immer besser. Deshalb kann es sich zwar zufrieden... eine Zeit lang... geben, es kann aber kein unbedingtes Glück empfin­den. Was es dafür hält, ist Genuss oder Triumph.

Gold und Katzengold

Glück und Triumph werden oft verwechselt. Triumph ist ein narzisstisches Erlebnis. Im Triumph erlebt das Ego eine Übereinstimmung mit dem Anspruch an sich selbst. Es ist so geworden, wie es sich haben will. Es fühlt einen Sieg... und wäre fast glücklich; wenn es die Ahnung nicht gäbe, dass jeder Triumphator vom Thron gestürzt werden wird.

Glück ist ein mystisches Erlebnis. Im Glück erlebt das Selbst Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Durch deren umfassende Bejahung wird die Angst des Ego unbedeutend.

4.2. Selbst

Das absolute Selbst ist der Urgrund dessen, was die Person ins Dasein bringt. Als dieser Urgrund bringt es nicht nur die eigene Person ins Dasein, sondern auch jede Erscheinung, die der Person im Dasein begegnet. Für das Selbst ist die Wirklichkeit kein Entweder-oder. Sie ist ein Sowohl-als-auch. Das Selbst kann unbedingtes Glück erleben, sobald es das Zusammentreffen der Widersprüche als Spiel einer übergeord­neten Ganzheit versteht. Man kann glücklich sein und gleichzeitig leiden, aber man kann nicht glücklich sein, ohne das eigene Leid zu bejahen.


Erlebnisse...
Bedingtes Glück / Zufriedenheit Unbedingtes Glück

Mein Ego ist zufrieden, wenn es seinen Frieden mit dem macht, was es durch seinen Kampf mit der Welt erreichen konnte. Es macht Frieden, wenn es meint, dass sich das Kämpfen nicht mehr lohnt.

Es sagt: Im Rahmen dessen, was mir möglich war, habe ich genug erreicht. Wenn aber etwas anderes möglich wäre, dann....

Sobald das Ich sein Selbst erkennt, erkennt es Glück als Glückseligkeit.

Es sagt: Was ich jemals bin und habe, ist das, was ich sein und haben will. Was ich gewinnen könnte, ist die Erkenntnis dessen, was ich bin. Es erlebt reines Glück, indem es erkennt, dass es nicht verloren gehen kann.

...und Bedingungen

Zufriedenheit wird im Konflikt erlebt; wenn man seinen Frieden mit dem macht, was man im Konflikt erreichen konnte. Um zufrieden zu sein, ist die Wert­schätzung des GegnersAls Gegner wird hier nicht nur eine Person definiert, die mir leibhaftig mit gegnerischer Absicht entgegentritt. Im Alltag besteht der Gegner meist aus Umweltbedingungen und misslichen Ereignissen, die meine Pläne durchkreuzen. nicht nötig.

Unbedingtes Glück wird als konfliktfrei erlebt. Zum ihm gehört die Erkenntnis, dass Widerstände für das eigene Wesen notwendig sind.

Bedingtes Glück macht Unterschiede. Es schätzt das eine und lehnt anderes ab. Im unbedingten Glück wird alles anerkannt.

Unbedingtes Glück ist mehr als persönliches Wohlbefinden. Mit der Person liegt deren Wohlbefinden in der Zeit. Ein Wohlbefinden der Person kann stets neu erreicht werden, es geht jedoch immer wieder verloren. Glück geht ekstatisch über persönliches Wohlbefinden hinaus. Da wahres Glück zeitlos ist, kennt es keinen Zeitpunkt, an dem persönliches Wohlbefinden unentbehrlich wäre.

Genuss ist nicht nur kein reines Glück. Es kann es grundsätzlich nicht werden.

Bedürfnis als Bedingung

Das persönliche Wohlbefinden ist stets davon bedroht, im Unerfülltsein sich öffnender Bedürfnisse verloren zu gehen. Unterschreitet der Zuckerspiegel im Blut eine untere Grenze, ist es mit dem Wohlbefinden vorbei. Es durch eine Mahlzeit wiederherzustellen ist in der Folge Genuss. Essen ist aber nur solange Genuss, bis der Hunger gestillt ist. Dann ebbt der Genuss wieder ab und ist nur zu wiederholen, wenn das Wohlbefinden erneut verlorengeht.

Das verdeutlicht das bisher Gesagte: Genuss als bedingtes Glück ist auf Leid angewiesen. Es bedarf des Wechselspiels von Freude und Leid im Laufe der Zeit. Es bedarf grundsätzlich der Bedürftigkeit und kann daher niemals wahrem Glück entsprechen.

5. Wegbereitungen

Absicht und Hinsicht
Sorge ist Blick in die Zukunft. Glück heißt, absichtsfrei in der Gegenwart zu sein. Sie können sich nicht vornehmen, absichtsfrei zu sein, weil das selbst eine Absicht wäre. Statt sich das Ziel zu setzen, absichtsfrei zu sein, nehmen Sie wahr, welcher Absicht Sie jeweils unterliegen. Jede Wahrnehmung ist Hinsicht. Jede Hinsicht mindert Absicht. Sie führt Sie näher an das Ziel heran, absichtsfrei im Jetzt zu sein. Dort liegt Glück.

Wir haben gesehen: Verlässliches Glück ist nicht machbar; jedenfalls nicht so wie die Besteigung der Zugspitze oder der Erwerb einer Zweitsprache. Trotzdem ist es falsch, dem Glück gegenüber untätig zu sein. Es gibt einiges zu tun, um es anzulocken. Man kann...

5.1. Beteiligung

Das wenige, was man für den glücklichen Zufall tun kann, ist es, ihm Gelegenheit zu geben, einzutreffen... und ein gewisses Maß an Geistesgegenwart, um die Gelegenheit beim Schopf zu packen.

Wenn Sie von der Welt etwas wollen, dann ziehen Sie sich nicht von ihr zurück. Nehmen Sie teil. Halten Sie die Augen auf. Jede Gefahr zu vermeiden, ist die beste Methode, auch Chancen aus dem Weg zu gehen. Wie schnell ist was passiert! Mag sein. Noch schneller ist aber nichts passiert.

5.2. Tatkraft
Im Erleben, tatkräftig zu sein, klingt Glück bereits an. Reines Glück hängt nicht von äußeren Bedingungen ab. Wer selbst etwas tun kann, um sich ihm zu nähern, hat es von einer äußeren Bedingung befreit. Deshalb ist selbst gemachtes Glück oft reiner als solches, das man geschenkt bekommt. Würden Bertrand Beatricen zufallen wie Regen dem Land, empfände er bei hundert weniger, als bei einer einzigen, die er aus eigener Kraft erobert hat.

Beim machbaren Glück zählt, was man macht. Nicht dass es dann verlässlich zu berechnen wäre, bekanntlich hilft es aber dem, der tüchtig ist. Scheinbar mag es keine Leute, die ihm alle Mühe überlassen. Es zieht solche vor, die selbst am Karren ziehen.

Seien Sie fleißig und diszipliniert. Lassen Sie sich von Hindernissen nicht aufhalten. Über kurz oder lang wird man dafür fast immer belohnt.

Erscheinungsformen des Glücks im Überblick

Glückliche Fügung Machbares Glück Glückseligkeit
Grundprinzip Zufall Tüchtigkeit Erkenntnis
Quelle Außenwelt Person / Ego Selbst
Erreichbar durch... Zulassen
Kann empfangen werden.
Zupacken
Kann bewirkt werden.
Loslassen
Kann entdeckt werden.
Dauer flüchtig verlierbar unverlierbar
Modus bekommen, beschenkt werden haben, erreichen, bewirken sein, betrachten, erleben
Gerechtigkeit unverdient verdient unverdienbar
Was können Sie tun? Geben Sie Gelegenheit. Geben Sie sich Mühe. Geben Sie sich hin.

5.3. Gelassenheit
Vergnügen macht mir, was mich bestätigt. Freude erlebe ich, wenn ich nichts mehr zur Bestätigung brauche. Glückselig bin ich, wenn ich mir gleichgültig bin.

Glückseligkeit ist nicht von dieser Welt. Nur wenn man so viel Abstand zur eigenen Person zustandebringt, dass man deren Leid und Freud erkennt, ohne davon bestimmt zu sein, ist sie zu erreichen. Da das kaum je gelingt, wird man vom unbedingten Glück meist nur einen Blick erhaschen; ohne darin aufzugehen.

Unentbehrlich für das unbedingte Glück ist die Erkenntnis, dass es in eine Wirklichkeit verwoben ist, in der es letztendlich mit rechten Dingen zugeht. In der Glückseligkeit schwindet die Sorge, dass man tatsächlich Schaden nehmen könnte... und deshalb ständig auf der Hut sein muss.

Obwohl man unbedingtes Glück nicht machen kann, kann man ihm den Weg bereiten. Wenn man vermeidet, was das Glück vertreibt, verbessert man die Chance, dass es kommt. Glück ist ein Erleben ungebrochener Stimmigkeit. Um das zu fühlen, muss man unterlassen, was das Glück verstimmt.

Wenn man etwas für sein Glück tun will, muss man etwas für das Glück tun. Man kann für sein Glück etwas tun, aber man kann es nicht erbeuten. Das Glück mag es nicht, wenn man es privatisieren will. Es gefällt ihm mehr, wenn man es verbreitet.


Der Preis des Glücks ist zu verschenken, was man am liebsten selbst bekommt.

Störfaktoren, die von außen kommen, sind nur zum Teil vermeidbar. Menschliche Gesellschaften sind von wechsel­seitiger Missachtung durchsetzt. Leute, denen wir begegnen, sind wie wir selbst zur Abwertung anderer bereit. In einem solchen Klima ist man Opfer und Täter zugleich.

Als Täter kann man darauf achten, dass man das Umfeld nicht unter seinen Willen beugt; und es so verstimmt. Als Opfer gilt es, den Übergriff des Umfelds abzuwehren; damit die Überein­stimmung mit sich selbst nicht leidet.

Was dem Glück gefällt

Außen Innen
Vereinnahmen Sie niemanden für Ihr "Glück". Es gibt kein Glück, das etwas für sich selbst missbraucht. Versuchen Sie, keinem Bild zu entsprechen. Will man einem Bild entsprechen, bekämpft man, was tatsächlich ist.
Finden Sie den Mut, sich abzuschirmen. Wer sich für die Harmonie mit anderen verleugnet, verliert die Harmonie mit sich. Nehmen Sie wahr, was in Ihnen vor sich geht. Versuchen Sie es nicht zu ändern.
Wehren Sie Übergriffe des Umfelds behutsam, effektiv und unbefangen ab. Unterwerfen Sie sich keinem Bild, das für Unterwerfung Glück verspricht.
Das Glück ist wie ein Vogel. Wer ihm die Freiheit nehmen will davonzufliegen, schlägt es in die Flucht.

Hören Sie auf, etwas sein zu wollen. Sein wollen kann man nur weniger, als man ist.

Der wichtigste Störfaktor, der im Inneren liegt, ist der Glaube an die grundsätzliche Bedingtheit des Glücks. Da Glück meist nur kurz empfunden wird und es zugleich begehrenswert erscheint, versucht man Bedingungen zu orten, deren Erfüllung dauerhaftes Glück verspricht. Da Bedingungen aber nur durch Mühe - oder gar nicht - aufrechtzuerhalten sind, ist bedingtem Glück ein ständiger Kampf gegen Verlust beigemischt, der ihm die Reinheit raubt. Nur wer sich des Glaubens an jedes Haben und Sein entledigt, kann Glück empfinden, dessen Verlust er nicht mehr fürchten muss.

Sat Chit Ananda
Wenn es ein Volk gibt, das eine Begabung für religiöse Themen hat, dann sind es die Inder. Kluge Köpfe haben dort die Denkschule des Advaita-Vedanta begründet. Ein zentraler Begriff des Advaita (der Nicht-Zweiheit) ist Sat-Chit-Ananda. Dabei benennt Sat das Sein, Chit das Bewusstsein und Ananda die Glückseligkeit. Der Begriff bezeichnet Sein, Bewusstheit und Glückseligkeit als die drei Attribute einer zeitlosen Wirklichkeit.

Störfaktoren, die im Inneren liegen, bieten Möglichkeiten, etwas für das Glück zu tun. Versuchen Sie nichts aus sich zu machen, was Ihrem Wesen nicht entspricht. Lösen Sie sich von der Vorstellung, dass etwas, was Sie gewinnen könnten, in der Lage wäre, Sie auf Dauer zu beglücken. Beachten Sie stattdessen, was Sie in diesem oder jenem Augenblick erleben. Lernen Sie, dazu zu stehen. Lösen Sie sich vom Glauben, dass der Inhalt irgendeines Augenblicks Ihr eigentliches Wesen ausmacht.

5.4. Achtsamkeit

Da wahres Glück zeitlos ist, kann es keinen Zeitpunkt geben, an dem es verwirklicht wird. Es muss vorgegeben sein und liegt zur Entdeckung bereit. Von unentdecktem Glück spürt der Mensch jedoch wenig; egal, wie viel davon bereitliegen mag. Glück ist stets ein Glücksempfinden. Zur Empfindung gehört Achtsamkeit. Wer dem Glück nicht dankt, indem er dessen Spuren im Alltag anerkennt, kann den Spuren nicht zu deren Quelle folgen.