Beziehung ist Quelle und Ozean... und der Weg von da nach dort.

Einsamkeit

An der Funktion interessiert sein, die der Andere für mich erfüllen soll.

Begegnung

An dem interessiert sein, der beiläufig Funktionen erfüllt.


Die Gesundheit einer Beziehung beruht nicht auf der Reibungs­losigkeit ihrer Abläufe. Sie beruht auf der Bereitschaft, sich und den Anderen wahrzunehmen und so zu belassen, wie er und man selbst ist.

Als ich bin ich so, wie ich bin. Als Du bin ich so, wie Du bist.

Beziehung


  1. Definition
  2. Formen
    1. 2.1. Mittelbare Beziehungen
      1. 2.1.1. Vermittelt durch Fakten
      2. 2.1.2. Vermittelt durch Personen
    2. 2.2. Unmittelbare Beziehungen
      1. 2.2.1. Typische Formen
        1. 2.2.1.1. Paarbeziehungen
        2. 2.2.1.2. Eltern-Kind-Beziehungen
        3. 2.2.1.3. Geschwister-Beziehungen
        4. 2.2.1.4. Freundschaften
        5. 2.2.1.5. Berufliche Beziehungen
        6. 2.2.1.6. Zweckgebundene Episoden
      2. 2.2.2. Besondere Themen
        1. 2.2.2.1. Übertragungsbeziehungen
        2. 2.2.2.2. Feindschaft
        3. 2.2.2.3. Mischungen
  3. Störungen
    1. 3.1. Störungen der Symmetrie
      1. 3.1.1. Paarbeziehungen
      2. 3.1.2. Eltern-Kind-Beziehungen
      3. 3.1.3. Geschwister-Beziehungen
      4. 3.1.4. Freundschaften
      5. 3.1.5. Berufliche Beziehungen
      6. 3.1.6. Zweckgebundene Episoden
    2. 3.2. Rollenzuweisung
  4. Beziehung und Persönlichkeit
  5. Klärungen
    1. 5.1. Selbstwahrnehmung
    2. 5.2. Beachtung des Anderen

1. Definition

Der Begriff beziehen besteht aus zwei Teilen: be- und ziehen. Wie alle Vorsilben so hat auch be- ein bestimmtes Bedeutungsfenster. Zum einen beschreibt es eine räumliche Ausrichtung...

Durch jede Beziehung wird man aus seiner Mitte gezogen. So bietet jede Beziehung die Chance, die eigene Mitte neu zu bestimmen. Da man sich erst durch die Rückkehr zur Mitte finden kann, braucht man Beziehungen, um zu sich zu kommen.

Zum anderen besagt be-, dass auf eine spezifische Weise auf etwas eingewirkt und als Resultat der Einwirkung etwas zugefügt oder beigeordnet wird.

Bei der Be-ziehung wirken Zugkräfte auf die beteiligten Personen. Es kommt zu einer wechselseitigen Beeinflussung von Handlungsabläufen, Sicht- und Erlebnisweisen. Beziehung ist aber mehr als eine sekundäre Interaktion. Bezogen zu sein, ist ein zentrales Element der menschlichen Existenz. Beziehungen bestehen nicht nur zwischen den Personen. Sie ragen in sie hinein. Im Bezogensein verästelt und verwurzelt man sich unauflösbar in die Außenwelt.

2. Formen

Zunächst sind zwei grundsätzliche Formen menschlicher Beziehungen zu unter­scheiden: Man kann unmittelbar oder mittelbar aufeinander bezogen sein.

Bei der unmittelbaren Beziehung erfolgt die Einwirkung durch persönlichen Kontakt. Bei der mittelbaren erfolgt sie über Dritte und/oder faktische Ergebnisse jeweils individueller Handlungen.

2.1. Mittelbare Beziehungen

Oberflächlich betrachtet, steht man mit den meisten Menschen in keinerlei Beziehung. Faktisch ist das falsch: Tatsächlich steht man mit jedem in Beziehung; obwohl man bei mittelbaren Beziehungen die jeweils anderen nicht persönlich kennt.

2.1.1. Vermittelt durch Fakten

Je nach Lage der Dinge sind Beziehungen, die durch faktische Handlungsergebnisse verwirklicht werden, in hohem Grade spürbar:

Beziehungswirkungen durch die Ergebnisse faktischen Handelns nicht persönlich bekannter Personen gibt es nicht nur bei politischem Machtgefälle. In geringem Ausmaß bestehen sie zwischen allen Menschen. In der Summe haben sie oft großen EinflussZum Beispiel bei Wahlergebnissen oder wenn man im Stau steht, weil alle gleichzeitig in Urlaub fahren..

Auch einzelne Personen stehen, je nachdem wie das Schicksal es will, in enger Beziehung zu Unbekannten; selbst dann, wenn der eine schon tot war, als der andere zur Welt kam.

Das Schicksal von Menschen, ja sogar ihre Existenz, hängt von Entscheidungen Unbekannter ab. Dadurch sind alle in ein Beziehungsnetzwerk verwoben. Je nach Lebensspanne und Handlungszeitpunkt ist eine Beziehung durch Faktenwirkung asymmetrisch oder wechselseitig.

2.1.2. Vermittelt durch Personen

Starke Beziehungswirkungen werden durch Dritte vermittelt:

Dergestalt ist die Menschheit ein Netzwerk wechselseitiger Beziehungen, in dem über kurz oder lang jeder auf jeden einwirkt. Wenn dem Bauern Hua Dong in Szechuan ein Sack Reis umfällt, betrifftSelbst dann, wenn die Wirkung der vielen Säcke, die in China umfallen mögen, niemals als unterscheidbare Ursache konkreter Auswirkungen erkennbar wird. mich das letztendlich doch.

2.2. Unmittelbare Beziehungen

Unmittelbar ist jede Beziehung, bei der sich zwei Menschen persönlich begegnen und durch die Begegnung aufeinander reagieren.

2.2.1. Typische Formen

Eigentlich ist jede Beziehung einzigartig. Trotzdem können bestimmte Formen definiert werden, für die typenspezifische Bedingungen gelten:

2.2.1.1. Paarbeziehungen

Paarbeziehungen werden durch zwei Themen bestimmt:

Erwartung, Begrenzung und Verzicht

Das Besondere an der Paarbeziehung ist die Ausschließlichkeit. Meistens geht man in solchen Beziehungen stillschweigend davon aus, dass man von einem Partner besonders viel erwarten kann. Parallel dazu akzeptiert man Begrenzung und Verzicht. Man verpflichtet sich, das Besondere, was man vom Partner erwartet nicht anderswo zu suchen.


Asymmetrische Paarbeziehungen sind meist durch Muster der Eltern-Kind-Beziehung überlagert.

Nichts stört das Liebenkönnen mehr als das Geliebtwerdenwollen.

Es gibt Leute, die sich ununterbrochen für andere aufopfern. Scheinbar! In Wirklichkeit opfern sie sich für die Rolle, die sie spielen; oder ihr Opfer ist gar keins, sondern eine Investition in Dankbarkeit. Wenn Sie von Ihren Kindern Dankbarkeit erwarten, könnte es sein, dass Sie nicht erwachsen sind.

Die Gewichtung der Themen ist variabel und veränderlich. So gibt es Paarbeziehungen, die sich von vornherein aufs Pragmatische konzentrieren und solche, die vollständig von psychologischen Bedürfnissen beherrscht werden.

Meist stehen psychologische Bedürfnisse zu Beginn einer Liebesbeziehung im Vordergrund. Oft sind die Erwartungen aneinander unrealistisch und werden im Laufe der Zeit teilweise enttäuscht. Gelingt es dem Paar, Enttäuschungen gemeinsam zu überstehen, erwächst aus Verliebtheit eine liebevolleMehr oder weniger... Partnerschaft, bei der pragmatische ThemenWer steht heute Nacht auf, wenn das Baby schreit? Kannst Du die Leberwurst von Aldi besorgen? mehr Gewicht bekommen.

Eine vollgültige Paarbeziehung ist symmetrischDie Praxis der asymmetrischen Paarbeziehung, die vielerorts als Kulturgut gepflegt wird, ist Ausdruck und Ursache gestörter Persönlichkeitsentwicklung zugleich.. Beide Partner haben grundsätzlich den gleichen Rang. Erst durch die Symmetrie wird ein Kommunikationsklima möglich, in dem sich das volle Potenzial wechselseitiger Förderung entfalten kann. Symmetrisch heißt dabei nicht, dass beide die gleiche Rolle spielen, sondern dass jeder die Rolle des Anderen als gleichwertig anerkennt. Symmetrisch heißt auch, dass jeder die Rolle, die er spielt, frei wählen oder aufgeben kann.

2.2.1.2. Eltern-Kind-Beziehungen

Eltern-Kind-Beziehungen sind asymmetrisch, verpflichtend und von großer Tragweite. Die Asymmetrie ist anfangs vollständig. Sie nimmt im Laufe der Zeit ab. Genauso ist es mit der Verpflichtung, die Eltern durch die Zeugung des Kindes eingehen.

In der Regel bindet die Eltern-Kind-Beziehung die Beteiligten für mindestens 20 Jahre aneinander. Und in der Regel sind die gewachsenen Bindungen auch danach so eng, dass Eltern-Kind-Beziehungen - im Guten wie im Bösen - bis zum Lebensende der Eltern ein wesentliches Element der Lebensgestaltung der Beteiligten bleiben. Mit anderen Worten: Die Eltern-Kind-Beziehung ist ein grundlegendes Element des menschlichen Lebens überhaupt.

Durch die Schutzbedürftigkeit des Kindes und die umfangreichen kindlichen Bedürfnisse, die von den Eltern zu erfüllen sind, bedarf gelungene Elternschaft hoher psycholo­gischer Reife und großer Opferbereitschaft. Wer die Vater- oder Mutterrolle erfolgreich spielen will, muss in der Lage sein, eigene Bedürfnisse über lange Zeit zurückzustellen.

Kaum eine Psychotherapie vergeht, ohne dass die Beziehung von Eltern und Kind zum Thema wurde.

Für das Kind ist das familiäre Klima das prägendste Erfahrungsfeld des Lebens. Es ist den Eltern in hohem Maße ausgeliefert. Wenn alles gut geht, wächst es aus der Abhängigkeit in ein selbständiges Leben hinein, ohne durch schwerverdauliche Erfahrungs­episoden ausgebremst zu werden. Wenn es nicht gut geht, können Fehlentwicklungen einer problematischen Kindheit ein ganzes Leben überschatten.

Konflikt und Loyalität
Gemeinhin wird erwartet, dass zwischen Geschwistern eine besondere Loyalität besteht. Zugleich sind viele geschwisterliche Beziehungen zerstritten. Wahrscheinlich hat das eine mit dem anderen zu tun. Hohe Erwartungen begründen Ansprüche. Ansprüche schränken Freiheiten ein; die Freiheit dessen, dem gegenüber der Anspruch erhoben wird. Wird der Bogen überspannt, kann er brechen.
2.2.1.3. Geschwister-Beziehungen

Abgesehen von den Effekten, die Altersunterschiede nach sich ziehen, sind Geschwister-Beziehungen zunächst symmetrisch. Während die Asymmetrie der Rollen bei der Eltern-Kind-Beziehung biologisch festliegtZumindest solange die Kinder Kinder sind und die Eltern gewillt, Eltern zu sein., sind Geschwister vom genea­logischen Rang her gleich. Durch Vorlieben der Eltern, Zuweisung eigentlich elterlicher Aufgaben an bestimmte Kinder und die Rivalität der Kinder untereinander entsteht in der Geschwisterschaft jedoch meist ein Netzwerk von Beziehungen, in das mehr oder weniger deutlich hierarchischeNoch deutlicher sind Hierarchien, wenn weltanschauliche Vorgaben am Werke sind. Dann werden älteren Kindern, vorwiegend männlichen, ausdrücklich Führungspositionen zugeordnet. Muster eingewoben sind.

Ein besonderes Merkmal von Geschwisterschaften ist der gemeinsame Erfahrungsschatz aus einer gemeinsam erlebten Vergangenheit. Es gibt eine Menge Erinnerungen, die man nur mit seinen Geschwistern teilt.

Besonders ist auch die geringe Ausweichmöglichkeit in der Familie und der daraus resultierende Zwang, sich miteinander zu befassen. Während man sich jenseits der Familie Freunde heranziehen und Feinden aus dem Weg gehen kann, ist man Freund und Feind in der Geschwisterschaft ausgeliefert. Oft entstehen daraus emotional aufgeladene Beziehungsfelder, deren Tragweite für das weitere Leben ebenso bedeutend sein kann, wie die Beziehung zu den Eltern.

Parallelen und Unterschiede

Zwischen der Paarbeziehung und der Freundschaft gibt es Parallelen und Unterschiede. Beide verbinden Personen, die nicht miteinander verwandt sind und das Wesen beider Beziehungen liegt in wechselseitiger Unterstützung, Stärkung und Bestätigung. Im Unterschied zur Paarbeziehung, ist die Freundschaft aber nicht ausschließlich. Wenn man ehrlich ist, kann man nur einen Partner haben; aber mehrere FreundeVereinbart man sexuelle Freiheit, führt man eigentlich keine Paarbeziehung mehr, sondern mehrere sexualisierte Freundschaften..

2.2.1.4. Freundschaften

Freunde kann man sich aussuchen, Geschwister nicht. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied. Wie die Geschwister-Beziehung ist die Freundschaft im Grundsatz symmetrisch. Während man Geschwister aber vorgesetzt bekommt, kann man Freunde wählen. Deshalb haben Freunde meist ähnliche Interessen, Neigungen und Ansichten über das Leben an sich.

Selbst wenn sie im Streit den Kontakt zueinander abbrechen, bleiben Geschwister auf Dauer füreinander Bruder und Schwester. Freundschaften sind im Gegensatz dazu Bündnisse auf Zeit. Gewiss, auch sie können ein Leben lang halten, wenn sie aber beendet sind, ist die besondere Bindung, die Freundschaften ausmacht, tatsächlich vorbei.

2.2.1.5. Berufliche Beziehungen

Berufliche Beziehungen sind aufs Pragmatische zentriert. Es geht darum, gemeinsam Autos zu bauen, Kranke zu pflegen, Kunden zu bedienen oder abzuzocken, Schülern das Einmaleins beizubringen oder Verwaltungstätigkeiten abzuwickeln; und es gilt abzusprechen, wie man die Fähigkeiten der Kollegen miteinander verzahnt. Man könnte berufliche Beziehungen also den zweckgebundenen Episoden zuordnen.

Berufliche Beziehungsfelder ähneln aber auch Familien. Es gibt Vorgesetzte... also "Eltern"..., Kollegen... "Geschwister"... und Untergebene.... und "Kinder". Da berufliche Beziehungen über Jahre und Jahrzehnte bestehen und man mit Kollegen oft mehr Zeit verbringt, als mit der eigenen Familie, wächst beruflichen Beziehungen eine Bedeutung zu, die sie von zweckgebundenen Episoden unterscheiden.

Parallel zur Familie gilt im Beruf, dass man sich die Menschen, mit denen man zu tun hat, nicht beliebig...wie zum Beispiel bei Freundschaften. aussuchen kann. Deshalb wiederholen sich an vielen Arbeitsplätzen psychologische Muster, die auch die Binnenstruktur von Familien bestimmen.

2.2.1.6. Zweckgebundene Episoden

Zweckgebundene Beziehungsepisoden können flüchtig sein oder aber über lange Zeit bestehen und tiefe Bindungen bewirken.

Flüchtige Beziehungsepisoden sind am wenigsten störanfällig. Da sie im Grundsatz thematisch klar begrenzt und vorübergehend sind, besteht nur ein oberflächlicher Bedarf, sich miteinander abzustimmen.

Flüchtige zweckgebundene Beziehungsepisoden

Solche Episoden sind aber nur für den unproblematisch, der hinreichend im eigenen Wesen ruht. Für Menschen mit seelischen Konflikten und sozialen Ängsten kann selbst das Eingehen solcher Beziehungen unüberwindliche Hürde sein.

Zweckgebundene Beziehungsepisoden können auch zu intensivem Austausch führen oder Bindungen schaffen, denen eine tiefergehende emotionale Dimension zuwächst.

Intensive zweckgebundene Beziehungsfelder

Wenn innerhalb zweckgebundener Beziehungsfelder tiefgehende persönliche Bindungen entstehen, wachsen Muster heran, die man auch in privaten Beziehungen findet.

2.2.2. Besondere Themen

Beziehungsübertragung

Eingeführt ist der Begriff Übertragungs­beziehung. Er klingt jedoch so, als stünde eine solche Form der Beziehung anderen als eigene Kategorie gegenüber. Das ist irreführend; denn die Übertragung als psychodynamisches Phänomen kommt quasi überall vor.

Eigentlich müsste man also nicht von einer Übertragungsbeziehung sprechen, sondern von Beziehungsübertragung.

2.2.2.1. Übertragungsbeziehungen

Der Begriff Übertragung stammt aus der Psychoanalyse. Er benennt den Umstand, dass sich der Patient dem Therapeuten gegenüber so verhält, als sei dieser sein Vater oder seine Mutter... die streng, widersprüchlich, unzuverlässig, ungerecht, übergriffig, unglücklich, hilflos, missbräuchlich oder sonst wie waren.... Man sagt, der Patient überträgt Verhaltensmuster aus früheren Beziehungen in neue.

Tatsächlich sind solche Vorgänge aber nicht auf die therapeutische Beziehung beschränkt.Und dort sind sie wohlgemerkt wechselseitig. Übertragungen finden in fast jeder Beziehung statt. Nur wenn es gelingt, einem Menschen ohne jedes VorurteilDarüber wie er angeblich ist oder wie er sein sollte... zu begegnen, ist die neue Beziehung frei von Übertragungen aus früheren Erfahrungsfeldern. Dazu bedarf es eines hohen Maßes an Selbsterkenntnis und der Fähigkeit, einen anderen so zu sehen, wie er ist; ohne ein bestimmtes Sosein aus Furcht oder Anspruch von ihm zu erwarten.

Übertragungen kommen innerhalb der typischen Beziehungsformen vor oder aber sie überspringen die Grenzen.

Übertragene Erwartungen

In der gleichen Form Formüberspringend
  • Vom ersten Partner auf den nächsten
  • Vom erstgeborenen Bruder auf die übrigen
  • Von den Kollegen des ersten Arbeitsplatzes auf die Kollegen des zweiten
  • Von den Eltern auf den Partner
  • Vom Vater auf den Chef
  • Von Geschwistern auf Kollegen

Tatsächlich beeinflusst jede Beziehungserfahrung das spezifische Muster der Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen, mit denen man auf den nächsten Beziehungspartner zugeht.

2.2.2.2. Feindschaft

Feindschaft ist eine besondere Beziehungsqualität. Außer in der Freundschaft und der echten Liebe kann sie in jeder Beziehungsform vorkommen. Selbst einem Kellner gegenüber kann man sich feindselig verhalten, wenn man ihn verdächtigt, dass er vergifteten Kaffee bringt.

Feindschaft ist an die Vorstellung gebunden, dass einem die Begegnung mit dem Anderen schaden wird. Deshalb entsteht sie vor allem dort, wo man sich nicht aus einer Beziehung löstOder aus der man sich nicht (so einfach) lösen kann: Zum Beispiel aus einer unglücklichen Ehe, aus der Beziehung zu einem Elternteil, einem Geschwisterkind, rücksichtslosen Arbeitskollegen oder einem Nachbarn, der zweimal die Woche lärmende Feste feiert., die man als schädlich empfindet.

Feindschaft hat zwei Ursachen:

  1. Reale Interessenskonflikte

    Ich will in der Sonne sitzen. Der Nachbar pflanzt einen Mammutbaum.

  2. Psychologische Bedürfnisse

    Einen Feind zu haben, kann wichtige psychologische Funktionen erfüllen:

    • Dank meines Feindes habe ich eine Erklärung dafür, warum die Dinge nicht so laufen, wie ich es für richtig halte.
    • Gleichzeitig bin ich der Verantwortung entbunden, denn an den Missständen ist der Feind schuld.
    • Ein Feind vermittelt mir das beruhigende Gefühl, dass es einen einfachen Weg zur Glückseligkeit gibt: den Feind zu beseitigen.
    • Ein Feind dient als Zielscheibe meiner Aggression. Ihm darf ich mit gutem Gewissen schaden; schließlich ist er schlecht. Erlaubte Bosheit macht dem Ego Spaß.
    • Äußere Feinde festigen falsche Harmonien: Indem die Mitglieder einer Gemeinschaft die wechselseitige Wut auf den äußeren Feind lenken, gehen sie gefürchteten Klärungen innerhalb der Gruppe aus dem Weg.

Wie man sieht, gibt es eine Menge guter Gründe, sich einen Feind zu suchen. Die Mehrzahl ideologischer Gemeinschaften mit politischem Vorsatz oder konfessionellem Selbstverständnis bräche ohne Feinde ziellos auseinander.

2.2.2.3. Mischungen

Beziehungen sind komplexe Angelegenheiten. Selbst innerhalb einer klar definierten Beziehungsform kann es schwierig sein, dauerhaft harmonisch miteinander zu kommunizieren. Probleme entstehen erst recht, wenn Beziehungsformen miteinander vermischt werden. Dann kommt es verstärkt zu Rollenkonflikten.

Mischungen mit erhöhtem Konfliktpotenzial

Eine besonders problematische Form vermischter Beziehungsebenen entsteht beim Inzest. Eltern, die die Beziehung zu ihren Kindern sexualisieren, lösen damit schwere seelische Probleme aus; regelhaft umso schwerwiegender, je jünger die Kinder beim Missbrauch sind oder je mehr Gewalt dabei im Spiel ist.

Unterhalb der Schwelle zum faktisch sexuellen Missbrauch gibt es zwischen Eltern und Kindern weitere problematische Verstrickungen: wenn Eltern Kinder zu Ersatzpartnern machen oder ihnen die eigentlich elterliche Rolle zuschieben.

3. Störungen

Grundregel

Je größer die Erwartungen sind, die ich an einen Beziehungspartner richte, desto weniger interessiere ich mich dafür, wie er wirklich ist. Je weniger ich mich für den Anderen interessiere, desto größer ist die Gefahr, dass die Beziehung Schaden nimmt.

Beziehungsstörung sind häufig. Die Ursache der meisten Probleme liegt in den Erwartungen, die man an den jeweils anderen richtet.

Erwartungen sind Vorgaben, die der Andere erfüllen soll. Die Ursache des Erwartens liegt regelhaft im eigenen Ungenügen. Wer sich selbst nicht genügt, erwartet von seinem Gegenüber, dass er das Fehlende ergänzt.

Je klarer das Erwartete definiert und je einfacher eine Erwartung zu erfüllen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Beziehung spannungsfrei verläuft. Noch nie habe ich mit Bäckereiverkäuferinnen gestritten, mit Frauen, von denen ich den Himmel auf Erden erwartete, aber stundenlang.

3.1. Störungen der Symmetrie

Merkmale typischer Beziehungsformen sind Symmetrie bzw. Asymmetrie. Beziehungs­störungen lassen sich besser verstehen, wenn man danach Ausschau hält, ob das jeweils angemessene Merkmal darin berücksichtigt wird. Beziehungen, die ihrem Wesen nach asymmetrisch sind, leiden unter fehlplatzierter Symmetrie. Eigentlich symmetrische Beziehungen entgleisen schneller, wenn man ihre Symmetrie missachtet.

(A)-Symmetrien

Form Symmetrisch? Störungen
Paarbeziehung + Kulturell bedingte Asymmetrien
Psychologisch bedingte Asymmetrien
Eltern-Kind-Beziehung - Parentifikation
Missbrauch
Geschwister-Beziehung + Aschenputtel-Thema, Hackordnungen
Freundschaft + Symbiosen
Berufliche Beziehungen + oder - Unklare Rollenverteilungen
Zweckgebundene Episode + oder - Unspezifisch je nach Art der Beziehung

3.1.1. Paarbeziehung
Rangordnungen
In der asymmetrischen Paarbeziehung steht der dominante Partner nicht nur über dem regressiven, er steht auch über sich selbst. Sein Selbst steht unter der Rolle, die er spielt.

Eigentlich sind Paarbeziehungen symmetrisch. Symmetrie bietet Partnern... und deren potenziellen Kindern... den best­möglichen Rahmen zu vertiefter Kommunikation. Sind Paarbeziehungen asymmetrisch, wird die Souveränität beider Partner abgewertet: die des Rangniederen offensichtlich, die des Ranghöheren verdeckt, weil dessen Wert in der Asymmetrie nicht in seiner existenziellen Mitte ruht, sondern von der Unterwerfung des Anderen abhängt; und somit an eine soziale Rolle gebunden bleibt.

Jedes Beziehungssystem, das Entwertung enthält, zieht Kommunikationsstörungen nach sich. Kommunikation geht nur ungestört vonstatten, wenn das Offenbarte nicht zum Risiko erneuter Abwertung werden kann. In asymmetrischen Paarbeziehungen wird Kommunikation durch taktische Überlegungen eingeschränkt.

Je mehr eine Kultur das Göttliche zur entrückten Person erklärt, desto mehr macht sie den Menschen zum Objekt.... und je eher sie Menschen als Objekte betrachtet, desto unbedenklicher erscheint es ihr, sie in asymmetrische Rangstrukturen zu verbauen.
Kulturell bedingte Asymmetrie

Typisch sind Asymmetrien in Paarbeziehungen, deren Regeln von archaischen Wertvorstellungen bestimmt sind, die den Geschlechtern von vornherein unterschiedliche Ränge zuweisen. Ursache solcher Wertvorstellungen sind regelhaft konkretistische Gottesbilder, die durch vermeintlich göttliche Offenbarungen vermittelt wurden und einen Priesterstand begründen, der die Religion professionalisiert...der die Erfüllung seiner eigenen wirtschaftlichen Interessen also an die Vorstellung knüpft, zum Kontakt zwischen Gott und dem Menschen bedürfe es privilegierter Vermittler, die von ihrer Vermittlertätigkeit leben. Die Bibel teilt den Priestern Gott dafür gar als Besitz und Eigentum zu.

Ezechiel 44, 28-30:
"... denn ihr Erbbesitz bin ich. Auch sollt ihr ihnen kein Eigentum zuteilen in Israel, denn ihr Eigentum bin ich. Das Speise-, Sünd- und Schuldopfer sollen sie essen;... Das Vorzüglichste von allen Erstlingen... und alle Weihegaben jeder Art... sollen den Priestern gehören...

Ähnlich missbräuchlich ist das hinduistische Kastensystem. Unter dem Vorwand, religiöse Vermittler zu sein, räumt es der obersten Kaste der Brahmanen gesellschaftliche Privilegien ein.
.

Psychologisch bedingte Asymmetrie

Eine weitere Ursache asymmetrischer Paarbeziehungen liegt in der individuellen Unreife der Partner. Wenn der eine Partner einen Beschützer zu brauchen glaubt und der andere einen Bewunderer, der seine Selbstwertzweifel mit Lobgesang erstickt, wird aus der Symmetrie eine Symbiose, in der die Ichs den Anspruch fahren lassen, psychologisch autonom zu sein.

Symbiosen

Es gibt zwei Formen der Symbiose: die technische und die psychologische.

Biologisch betrachtet ist die heterosexuelle Paarbeziehung eine technische Symbiose. Der Mann beherrscht die Technik des Befruchtens, die Frau die des Austragens. Ohne dass man sich zusammentut und sich zu einem Paar ergänzt, geht das Leben nicht weiter.

Technisch symbiotisch kommt es zur Aufteilung weiterer Aufgaben.

Die technische Symbiose ist fester Bestandteil der Paarbeziehung... und an sich nicht weiter problematisch.

Problematisch kann es werden, wenn das Paar eine psychologische Symbiose eingeht... und zwar ohne den Vorsatz, sich von dort aus weiterzuentwickeln.. Psychologische Symbiosen sind solche, bei denen man dem anderen keine technische Aufgabe überlässt, sondern dessen psychologische Fähigkeiten dazu missbraucht, auf die Entwicklung eigener zu verzichten.

3.1.2. Eltern-Kind-Beziehungen

Eltern-Kind-Beziehungen sind asymmetrisch. Die Hilfsbedürf­tigkeit des Kindes und sein Unvermögen, selbst für seine Sicherheit zu sorgen, machen Asymmetrie notwendig.

Oft wird die angemessene Asymmetrie aber nicht respektiert. Ursache ist meist eine psychologische Unreife der Eltern, die zur Vermischung unterschiedlicher Beziehungsarten führt (siehe oben). Bei derartigen Vermischungen wird aus der angemessenen Asymmetrie eine unpassende Symmetrie oder eine unangemessene Asymmetrie.

Unpassende Symmetrien in der Eltern-Kind-Beziehung

Umkehr der Asymmetrie

Wird die angemessene Asymmetrie der Eltern-Kind-Beziehung missachtet, kann das zu schwerwiegenden Folgen führen.

Unpassende Asymmetrien

In der Eltern-Kind-Beziehung gibt es nicht nur unpassende Symmetrien. Es gibt auch unpassende Asymmetrien. Diese hängen damit zusammen, dass die Asymmetrie dieser Beziehungsform nur auf Zeit sinnvoll ist und folglich aufgelöst werden muss. Die Auflösung der Asymmetrie vollzieht sich parallel zur Entwicklung des Kindes. Sie beinhaltet zwei spektakuläre Schübe:


3.1.3. Geschwister-Beziehungen

Die grundsätzliche Symmetrie der Geschwister-Beziehung ist durch verschiedene Faktoren gefährdet.

Aschenputtels Lösungen der Asymmetrie

Das Märchen vom Aschenputtel berichtet von einer krassen Asymmetrie. Zugleich zeigt es zwei Lösungen auf, die ein zurückgesetztes Kind versuchen kann:

Asymmetrische Geschwister-Beziehungen sind oft Störfaktoren harmonischer Entwicklungen. Sie können aber auch als Antrieb biographischer Prozesse dienen, die der Asymmetrie im Nachhinein Funktion und Wert zuweisen: zum Beispiel beim Aschenputtel-Syndrom.

Schwere Zerwürfnisse zwischen Geschwistern entstehen, wenn im Erbfall symmetrische Absprachen über den Umgang mit einem gemeinsamen Erbe nicht zu finden sind, weil einzelne oder mehrere Erben asymmetrische Bestimmungsrechte für sich in Anspruch nehmen.

3.1.4. Freundschaften

Grundsätzlich sind Freundschaften symmetrisch. Freunde sind vom Grundsatz her ebenbürtige Vertraute. Nur bei großen Altersunterschieden...der väterliche Freund... können Asymmetrien angemessen sein, die aber im Gegensatz zur Asymmetrie der Eltern-Kind-Beziehung nicht als verbindlich empfunden werden.

Kann Ebenbürtigkeit aus psychologischen Gründen nicht ausgelebt werden, kommt es zu symbiotischen Asymmetrien, bei denen sich ein Freund um die Gunst des Anderen bemüht, während der Umworbene die Bemühungen des Werbenden als Bestätigung seines Selbstwerts für sich in Anspruch nimmt.

Taucht Eifersucht in Freundschaften auf, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie durch symbiotische Asymmetrien verzerrt sind.

Während der Selbstwert des Einen davon abhängt, umworben zu sein, stabilisiert sich der Andere durch die Phantasie, einen großartigen Freund zu haben, dessen Glanz auf ihn zurückfällt. Es liegt auf der Hand: Solche Asymmetrien gefährden die Kommunikation, weil auch hier taktische Manöver in den Vordergrund treten.

Bestehen freundschaftliche Beziehungsgefüge aus mehr als zwei Personen, entstehen Asymmetrien durch Kräfte der Gruppendynamik. Führungsansprüche einzelner oder Eifersucht untereinander können aus ebenbürtig Vertrauten, Rivalen machen.

3.1.5. Berufliche Beziehungen

Berufliche Beziehungen sind entweder symmetrisch (zwischen Kollegen) oder asymmetrisch (zwischen Hierarchieebenen).

Störende Asymmetrien zwischen Kollegen haben ähnliche Ursachen wie Asymmetrien in Geschwister-Beziehungen oder Freundschaften. Sie können zu schweren Konflikten führen (z.B. Mobbing).

Vom Du an falscher Stelle

Die herausgehobene Position des Vorgesetzten erfordert einen Verzicht auf Zugehörigkeit. Ist das Zugehörigkeitsbedürfnis eines Vorgesetzten überwertig, kann es sein, dass er es per Du über Hierarchiegrenzen hinweg erfüllen will.

Ein falsches Du wird von Führungskräften eingefordert, deren Motiv kein eigenes Zugehörigkeitsbedürfnis ist, sondern die Absicht, Mitarbeiter durch Vorspiegelung einer trügerischen Gemein­samkeit zu einer Opferbereitschaft zu verführen, die nur in einem familiären Kontext stimmig wäre.

Die Geschäftsphilosophie globaler Konzerne hat das trügerische Du ebenfalls für sich entdeckt: als Werkzeug zur Einflussnahme auf naive Kunden. Allerorten wird Kunden per Du suggeriert, beim Angebot gehe es nicht ums Geschäft, sondern um die Begründung einer solidarischen Gemeinschaft.

Problematisch kann es auch sein, wenn die Ordnung zwischen den hierarchischen Ebenen der Arbeitsorganisation infrage gestellt wird. Fehlt einem Vorgesetzten der Mut, seine exponierte Position wahrzunehmen, untergräbt das die Funktionsfähigkeit des gesamten Teams.

Unklare Ordnungen

3.1.6. Zweckgebundene Episoden

Die Mehrzahl zweckgebundener Episoden ist symmetrisch. Symmetrisch heißt: Die Beteiligten suchen einander freiwillig aus, um die entsprechenden Zwecke abzuwickeln.

Asymmetrien treten auf, wenn keine freie Wahl besteht:

Problematisch werden asymmetrische Episoden, wenn dem eigentlichen Zweck persönliche Bedürfnisse beigemischt werden. Meist wird es dabei um Fragen des Selbstwerts gehen oder Übertragungseffekte führen zu unbewussten Verstrickungen.

Erst recht problematisch kann es werden, wenn die Bewährungshelferin mit ihrem Probanden...oder der Therapeut mit seiner Patientin... ins Bett geht. Dann wird eine Symmetrie erzeugt, die mit der ursprünglichen Beziehung nicht vereinbar ist. Oder es ist eine Form des Missbrauchs; wenn die Helferin nicht aus erotischem Interesse am Probanden handelt, sondern ihr der Erfolg bei dessen Läuterung zum guten Menschen so wichtig ist, dass ihr kein Einsatz dabei zu hoch erscheint.

3.2. Rollenzuweisung
Nichts macht es dem Anderen schwerer, mir zum Glück zu verhelfen, als wenn ich darauf poche, dass er es tut.

Das normale Beziehungsgefüge ist von Erwartungen durchsetzt. Ob bewusst oder unbewusst, fast jeder hat Erwartungen, wie der jeweils Andere sich verhalten sollte. Damit weist man dem Anderen eine Rolle zu.

Was beim Bäcker funktioniert, die Zuweisung und Übernahme von Rollen, wird bei komplexen Beziehungen zum Problem. Das hat Gründe: Beim Bäcker sind die Rollen klar definiert und bewusst akzeptiert. In komplexen Beziehungen ist das anders.

Verdeckte Rollenzuweisungen werden zum Ausdruck fehlplatzierter Beziehungs­asymmetrien, wenn versucht wird, sie gegen den Widerstand des Anderen durchzusetzen. Vor allem in Beziehungen, deren Wesen eigentlich symmetrisch ist, schafft das Probleme.Wenn du Tarzan spielen willst, schneide ich dir die Liane ab.

4. Beziehung und Persönlichkeit

Persönlichkeitsvarianten sind auch an spezifische Mustern ihres Beziehungsverhaltens erkennbar. Markante Eckpunkte sind dabei ihr Umgang...

Manche Persönlichkeitsvarianten haben eindeutige Vorlieben, bei anderen ist das Muster uneinheitlich. Folgende Tabelle gibt einen Überblick.

Persönlichkeitsvariante und Beziehung

Variante Symmetrie Nähe / Distanz
Ängstlich-vermeidende Persönlichkeit regressiv Nähe
Abhängige Persönlichkeit regressiv Nähe
Narzisstische Persönlichkeit dominant Distanz, toleriert Nähe, wenn er bestätigt wird
Emotional-instabile Persönlichkeit uneinheitlich totale Nähe oder totale Distanz
Histrionische Persönlichkeit uneinheitlich Nähe
Zwanghafte Persönlichkeit uneinheitlich uneinheitlich
Dysthymie / Depressive Persönlichkeit regressiv Nähe
Passiv-aggressive Persönlichkeit vorgeblich regressiv äußerlich Nähe, innerlich Distanz
Dissoziale Persönlichkeit dominant innerlich Distanz, äußerlich opportunistisch
Multiple Persönlichkeit uneinheitlich je nach Rolle
Paranoide Persönlichkeit uneinheitlich misstrauische Distanz
Schizoide Persönlichkeit neutral vorsichtige Distanz
Schizotype Persönlichkeit neutral befremdliche Distanz

5. Klärungen

Der sicherste Weg zur Klärung von Beziehungsproblemen ist verbesserte Wahrnehmung. Zwei Dinge gilt es wahrzunehmen: sich selbst und den Anderen. Die Mittel dazu sind...

5.1. Selbstwahrnehmung

Je mehr Selbstbewusstsein ich habe, je mehr ich mir also dessen bewusst bin, was mich ausmacht und mit welchen Wünschen, Gefühlen, Ansprüchen und Erwartungen ich an mein Gegenüber herantrete, desto weniger wird mein Verhalten von Motiven gesteuert, die ich selbst nicht verstehe.

Selbstwahrnehmung setzt die Ausrichtung der Achtsamkeit auf innerseelische Ereignisse voraus. Grundbedingung klarer Sichtverhältnisse ist dabei eine bedingungslos akzeptierende Einstellung sich selbst gegenüber. Man sieht nur, was man nicht verändern will. Will man etwas verändern, hat man statt der Wirklichkeit das Resultat im Auge, das man anstrebt.

Verstand ist die Fähigkeit, den Standpunkt zu wechseln, von dem aus man die Welt betrachtet.

Spiegel

Gewiss: Der Andere ist auch ein Spiegel, an dessen Verhalten ich etwas über mich ablesen kann. Ein Anderer ist aber kaum je ein so unparteiischer Spiegel, wie der, der in der Garderobe hängt. Was der Andere mir "spiegelt" bin nicht immer ich. Oft ist es er.

Ein tragfähiges Selbstbewusstsein kommt nicht durch vereinzelte Akte der Selbst­wahrnehmung zustande. In jedem Jetzt tauchen Aspekte des Selbst in der Lichtung des Bewusstseins auf. Erst wenn viele Aspekte erkannt sind, entsteht ein klares Bild von dem, was meine Person und den inneren Raum jenseits von ihr ausmacht.

5.2. Beachtung des Anderen

Während man sich selbst erkennt, indem man nach innen schaut, gibt es drei Mittel zur Erkenntnis des Anderen: