Für den Liebenden ist der Wert des Geliebten unabhängig von dem, was er tut. Für den Eifersüchtigen hängt er von der Hoffnung ab, geliebt zu werden.

Je größer der Gewinn ist, den man im Vergleich zu dem, was man an sich selber hat, zu machen glaubt, desto größer ist die Angst, zu ihn verlieren.
Eifersucht

  1. Begriffsbestimmung
  2. Biologische Grundlagen
  3. Psychologie
  4. Täter und Opfer
    1. 4.1. Täter
    2. 4.2. Opfer
  5. Was man tun und lassen kann

1. Begriffsbestimmung

Der Begriff Eifersucht setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Eifer und Sucht.

Obwohl Sucht so klingt, als stünde das Motiv der SucheThematisch haben Süchte durchaus mit Suche zu tun: Der Süchtige sucht nach der Erfüllung von Sehnsüchten, deren Erfüllung er von seinem Suchtmittel erhofft. im Vordergrund, entstammt es tatsächlich dem Verb siechen. Im Streben nach dem, was er für unentbehrlich hält, siecht der Süchtige dahin.

Bittere Mühen

Unter Eifer versteht man ein intensives Bemühen. SprachgeschichtlichSiehe: Heinrich Tischner, http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/2wo/wort/idg/deutsch/e/eifer1.htm geht das Wort auf althochdeutsch eifar = bitter, scharf, schmerzlich zurück. Den bitteren Beigeschmack, der den Eifer begleitet, bekommen Täter und Opfer schmerzlich zu spüren.

Die Begriffe zur Bezeichnung der klassischen Süchte nennen das Suchtmittel in der Regel vorweg: Alkoholsucht, Drogensucht, Spielsucht, Magersucht. Bei der Eifersucht ist es ähnlich. Der Eifersüchtige erhofft sich die Erfüllung seiner Sehnsucht vom Eifer, mit dem er das Objekt seines Begehrens bewacht. Der Eifersüchtige ist süchtig danach, alles zu tun, was die Person, deren Zuwendung er für unentbehrlich hält, daran hindern könnte, sich von ihm abzuwenden.

2. Biologische Grundlagen

Eifersucht ist mit der biologischen Struktur des Daseins verwoben. Ein Blick in die Natur belegt, dass sie nicht nur Menschen umtreibt. Sie taucht auf, wo Fortpflanzung geschlechtlich erfolgt. Spatzen sind eifersüchtig, Frösche, Geckos und Hirsche erst recht. Zumindest verhalten sie sich so.

Im Tierreich ist Eifersucht vor allem eine männliche Funktion. Das ist logisch. Es verweist darauf, dass Eifersucht nicht nur ein Laster, sondern ein Werkzeug der Schöpfung ist.

Biologische Funktionen von Rivalität und Eifersucht

Je wichtiger die männliche Rolle bei der Brutpflege wird, desto größer wird das weibliche Interesse, nicht nur seine Gene zu bekommen, sondern den ganzen Mann. Da die Aufzucht der Kinder beim Menschen sehr aufwändig ist, haben auch Frauen einen biologischen Grund dazu, eifersüchtig zu sein.

3. Psychologie

Zur biologischen Funktion der Eifersucht kommt beim Menschen eine psychologische Dimension dazu. Partnerschaft ist bei uns nicht nur Basis der Vermehrung. Kaum einer wünscht sich mit siebzehn eigene Kinder. Fast jeder hätte aber gerne einen Menschen, für den er etwas ganz besonderes ist. Dafür gibt es zwei Gründe.

Psychologische Grundlagen der Eifersucht

4. Täter und Opfer

Niemand überschätzt die Liebe, die er gibt, mehr als der Eifersüchtige.
4.1. Täter

Der Hunger nach Bestätigung des eigenen Werts führt dazu, dass man in Sachen Eifersucht schnell zum Täter wird. Besonders leicht ereifern sich in Liebesdingen junge Leute. Das hat Gründe:

Da das Bedürfnis nach Bestätigung mit wachsender Reife nachlässt, besteht auch bei unerträglichen Tyrannen die Chance, dass sie einst vernünftig werden. Dazu ist eine Entwicklung erforderlich, die nicht jedem gelingt.

Wer liebt, gibt. Der Eifersüchtige fordert. Geben und Fordern ist nicht dasselbe.

Entweder...

...man sammelt so viel Bestätigung von außen durch Erfolge und Eroberung, dass man glaubt, man hätte genug davon...

oder...

...man entwickelt ein eigenständiges Selbstwertgefühl, das auf die Bestätigung von außen nicht mehr angewiesen ist.

Der Vorteil der ersten Variante liegt darin, dass der Kampf um Erfolg und Eroberung zu Erfahrungen führt, die die Persönlichkeitsentwicklung fördern. Der Nachteil ist, dass man bei alleinigem Verlass auf die Erfolge von der Bestätigung durch andere abhängig bleibt. Ganz erwachsen wird man dadurch nicht.

4.2. Opfer

Genauso schnell wie man zum Täter der Eifersucht wird, wird man zu ihrem Opfer. Ein bisschen Eifersucht mag die Lust an der Leidenschaft beleben. Wird man von seinem Partner aber dazu auserkoren, sämtliche Zweifel, die er an sich hegt, ratzekahl und für immer zu beseitigen, kann sich das Liebesglück in einen Alptraum verwandeln.

Riskantes Spiel

Eifersucht wird nicht nur vom Opfer erlitten und vom Täter in Kauf genommen. Eifersucht wird auch bewusst provoziert. Wem die Aufmerksamkeit, die der Partner schenkt, zu wenig ist, kommt womöglich auf die Idee, Verlustängste gezielt zu schüren. Was in kleinen Dosen eine Neckerei unter Liebenden ist, wird leichtsinnig angewandt zu einer fatalen Erpressung, die eine große Liebe zerstören kann.

Manchmal ist das Opfer reines Opfer. Manchmal hat es einfach Pech gehabt. Der Partner, der anfangs reif erschien, entpuppt sich als Zweifler ohne echtes Selbstvertrauen und fordert als Heilmittel seiner inneren Wunde ständig neue Beweise dafür, dass keiner seiner Zweifel berechtigt ist.

Oft ist man aber nicht so schuldlos, wie es scheint. Wer sich seiner selbst nicht sicher ist, sucht sich eher einen Partner, der ihm Schutz verspricht. Vom Beschützer zum Gefängniswärter ist es oft nicht weit; und manchmal kann sich eine Frau vor ihrem Beschützer nur noch schützen, wenn sie einen Gerichts­beschluss erwirkt.

5. Was man tun und lassen kann

Eifersucht zeigt einen Mangel an Selbstwertgefühl. Da der Eifersüchtige seinen Blick nach außen richtet, zur Beute, die er bewacht und den Rivalen, die er fürchtet, bleibt ihm wenig Achtsamkeit nach innen, wo er den Wert entdecken könnte, von dem er wenig weiß. So düngt Eifersucht ihr eigenes Feld.

Um der Plage zu entrinnen, gilt es, den Prozess umzukehren. Es gilt zu unterlassen, was den Blick nach außen richtet und zu üben, wie man sich selbst (an-)erkennt.

Wie geht das?

Was man besser unterlässt Was Sie tun können
  • Erklärungen fordern, wo der Partner gewesen ist.
  • An seinem Handy kontrollieren, mit wem er telefoniert hat.
  • Am PC überprüfen, welche Seiten er besucht.
  • Seine Taschen durchsuchen.
  • Nach fremden Haaren und verdächtigen Duftspuren fahnden.
  • Mal anrufen, wenn man einen Zettel mit einer Telefonnummer gefunden hat.
  • Dem Partner verbieten, Freunde zu treffen (auch nicht wenn sie gegengeschlechtlich sind).
  • Alles übrige, was dazu dient, einschlägige Informationen zu sammeln.
  • Eifersucht aktiv zu schüren, damit der Partner sich mehr Mühe gibt.
  • Drohen und Betteln, wenn der Partner untreu ist.
  • Sich klar machen, dass Eifersucht Ihre Reaktion auf äußere Umstände ist. Sie ist ein Teil von Ihnen; kein Teil des Umstands.
  • Das Gefühl annehmen; nichts tun, um es zu beseitigen. Keine Sicherheit suchen durch Kontrolle.
  • Das Gefühl eingehend beachten und erforschen.
  • Verstehen, was Ihre Eifersucht mit Ihrem Mangel an Selbstvertrauen zu tun hat.
  • Darauf vertrauen, dass es sowieso das Beste für Sie ist, wenn ein Partner geht, dem die Partnerschaft mit Ihnen zu wenig ist.
  • Nicht glauben, dass Ihr Wert vom Verhalten eines anderen abhängt.
  • Den Partner verlassen, wenn seine Treue Ihrem Anspruch nicht genügt.