Nicht: Wer ist schuld. Sondern: Was ist schuld.

Jede Schuld ist beglichen, wenn man vollständig in der Wirklichkeit lebt.

Alles was ist, ist in Ordnung. Es ist in der Ordnung dessen, was ist. Zur Ordnung dessen, was ist, gehört, dass man das, was ist, nicht immer akzeptieren kann.

Trifft man einen Schuldigen, lohnt die Frage, ob die eigene Unschuld nicht Zufall ist.

Schuld


  1. Schuld und Verantwortung
    1. 1.1. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
    2. 1.2. Das Leben an sich und die anderen
  2. Schuld und psychologischer Grundkonflikt
    1. 2.1. Schuld oder Angst
  3. Schuldgefühl und Krankheit
      1. 3.1. Begleichung
      2. 3.2. Verwechslung
      3. 3.3. Verdrängung
      4. 3.4. Zuschreibung
  4. Schuld und biblisches Weltbild
  5. Existenzielle Grundschuld
    1. 5.1. Schuldfreiheit

1. Schuld und Verantwortung

1.1. Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Begriffe Schuld und Verantwortung befassen sich mit Störungen der Gerechtigkeit. Schuld ist unerfüllte Verantwortung. Wer seiner Verantwortung nicht nachkommt, macht sich schuldig. Das Wort Schuld kommt von sollen. Der Schuldige soll eine Pflicht erfüllen, damit die Gerechtigkeit wiederhergestellt wird.

Im Begriff Verantwortung findet man die Vorsilbe ver- und das Verb antworten. Die Vorsilbe weist auf eine Veränderung hin.

Die Wahl zwischen den Begriffen hat Folgen. Während die Frage nach Verantwortung nach demjenigen sucht, der die Antwort auf ein Problem zu geben hat, fragt Schuld im moralischen Sinn nach dem, der zu bestrafen ist.

Die Zuweisung der Verantwortung ist konstruktiv. Sie sieht ein Problem, das gelöst werden soll. Sie wertet auf, da sie dem Verantwortlichen mit der Pflicht die Fähigkeit zuschreibt, Gutes zu tun. Wer aber Gutes tun kann, ist wertvoll. Verantwortliche haben einen Rang.

Die Zuweisung von Schuld ist destruktiv. Dem Schuldigen wird kein Wert zugeschrie­ben. Er wird ihm aberkannt. Beim Blick auf den Schuldigen denkt man nicht an das Gute, das er geben kann, sondern an den Schaden, den man ihm zur Strafe seines Unwerts zufügt. Schuldige werden herabgestuft.

Bei Störungen der Gerechtigkeit
fragt man nach...
Schuld oderIm alltäglichen Sprachgebrauch ist die Grenze zwischen den Begriffen durchlässig. So sagt man nach einem Verkehrsunfall: Ich war schuld. Dabei denkt man kaum an Strafe, sondern daran, dass man für die Wiedergutmachung des Schadens verantwortlich ist. Wird man bei Gericht allerdings schuldig gesprochen, wird ein Strafmaß festgelegt. Dabei geht es nicht um die Regulierung eines verursachten Schadens, sondern um die verhaltenssteuernde Verursachung eines neuen. Die Verhaltenssteuerung bezieht sich dabei auf den Täter selbst, aber auch auf andere, die von der gleichen Tat abgeschreckt werden sollen. Verantwortung
Schuld spricht davon, dass die Störung bereits eingetroffen ist und der Schaden des Opfers nicht mehr gut gemacht werden kann. Verantwortung geht davon aus, dass der Schaden erst droht oder noch zu beheben ist.
Spricht man von Schuld, will man die Waage ausjustieren, indem man dem Täter durch Strafe etwas nimmt. Spricht man von Verantwortung, will man die Waage ausjustieren, indem der Täter dem Opfer etwas gibt.
Der Täter soll leiden. Das Leid des Opfers soll behoben werden.
1.2. Das Leben an sich und die anderen

Man kann vom Leben zur Verantwortung gezogen werden oder von der Gemeinschaft. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene Kategorien.

Der Wirklichkeit entkommt man nicht

Die Wirklichkeit zieht jeden für das zur Verantwortung, was er entscheidet. Sie mutet ihm die Konsequenzen zu, die seinen Taten folgen. Den Konsequenzen, die das Leben bestimmt, kann keiner entkommen.

Hier und dort kann man sich dazu entscheiden, die Übernahme der Verantwortung zu verweigern. Dann hat man die Verantwortung für die Verweigerung zu tragen.

Gerechtigkeit

Über Gerechtigkeit wird viel gestritten; obwohl sie jeder gutheißt. Das liegt daran, dass der Begriff Gerechtigkeit ein Behälter ist, den jeder nach Gutdünken füllen kann. Da der Mensch meist unter der Herrschaft seines Ego steht, befüllt er den Behälter mit dem, wovon er sich Nutzen verspricht. Das gilt auch dann, wenn der Nutzen bloß aus gutem Gewissen besteht.

Aus dem gleichen Grund hat man den Eindruck, dass die Verantwortung, die das Leben erzwingt, nicht als vollgültig gerecht bewertet werden kann. So viele Mörder, Betrüger und Schinder entkommen dem Zugriff des individuellen Gerechtigkeitssinns; was man nur akzeptieren kann, wenn man Macht und Gerechtigkeit gleichsetzt oder an einen jenseitigen Ausgleich glaubt.

Um über die Gerechtigkeit des Lebens gerecht zu urteilen, müsste man die Wirklichkeit ohne eigenes Streben nach persönlichem Vor- und Nachteil erken­nen. Solange man das nicht kann, bleibt unentschieden, ob es Gerechtigkeit als Faktum oder bloß als menschliche Hoffnung und Anspruch gibt.

2. Schuld und psychologischer Grundkonflikt

Schuldgefühle zeigen einen Verstoß gegen die Zugehörigkeit an. Zugehörigkeit ist kein bloßes Dabeisein. Es ist ein Geben und Nehmen. Sobald wir anderen schuldig bleiben, was ihnen zusteht, spüren wir die Gefahr, unseren Platz in der Gemeinschaft zu verlieren. Schuldige werden aus der Gemeinschaft verstoßen, indem man sie umbringt, verjagt, ignoriert oder einsperrt. Das Schuldgefühl ist eine Form der Angst. Es macht uns auf eine Gefahr aufmerksam. Es ist ein Regulativ unserer persönlichen Entwicklung.

2.1. Schuld oder Angst

Die Regeln, die eine Gemeinschaft festlegt, definieren eine soziale Schuld. Soziale Schuld hängt von Zeitgeist und Kulturkreis ab. Ob eine Person beim Verstoß gegen soziale Regeln Schuld oder Angst empfindet, wird vom Grad ihrer Identifikation mit den Regeln der Gemeinschaft bestimmt... und von der Aggressivität, mit der die Gemeinschaft die Einhaltung ihrer Regeln fordert..

Hat sie die Regeln verinnerlicht, wird sie beim Verstoß Schuld empfinden. Hat sie die Regeln nicht verinnerlicht, hat sie Angst vor Bestrafung, wenn sie nicht sicher ist, ob sie den Verstoß geheim halten kann.

Schuld und Schuldgefühl

Schuld ist eine objektive Größe. Sie liegt jenseits der Person in der Wirklichkeit. Wie groß sie tatsächlich ist, kann vom Individuum nur subjektiv gedeutet werden. Ihr Ausmaß wird nur durch Taten beeinflusst.

Schuldgefühle spiegeln die subjektive Einschätzung der Person bezüglich ihres Seins und Sollens. Sie werden unmittelbar wahrgenommen. Ihr Ausmaß wird durch Taten und Sichtweisen bestimmt.

Existenzielle Schuld ist eine Frage des Gewissens. Das Gewissen ist eine Versammlung des Wissens. Es prüft, ob eine Tat mit dem Wesen des Täters in Übereinstimmung steht. Das Wesen des Täters wird wesentlich von dem mitbestimmt, was er zum Zeitpunkt der Gewissensprüfung weiß oder zu wissen glaubt.

3. Schuldgefühl und Krankheit

Schuldgefühle sind nicht immer nützlich. Oft wird man in ihrer Gegenwart krank. Drei Gründe sind dafür zu nennen:

  1. Man will die Schuld nicht begleichen.
  2. Schuld wird mit Angst vor Selbständigkeit verwechselt.
  3. Schuldgefühle werden verdrängt.
  4. Schuld wird anderen zugeschrieben.
3.1. Begleichung

Schuld ist ein Verstoß gegen die Zugehörigkeit. Bei leichter oder mäßiger Schuld geht es meist um soziale Zugehörigkeit. Wir schulden anderen Personen, was diesen zusteht. Um die Zugehörigkeit zu sichern, reicht es, die Schuld aus dem zu begleichen, was wir haben. Bei sozialer Schuld wird unsere Person als solche nicht infrage gestellt. Sträubt man sich aber, soziale Schuld zu begleichen, kann das zu chronischen Spannungen führen.

Schwere Schuld besteht, sobald wir anderen einen Schaden zugefügt haben, der nicht mehr gutzumachen ist. Hier geht es um existenzielle Zugehörigkeit. Es geht nicht nur um unseren Platz in der Gruppe. Es geht um den Platz in der Schöpfung.

Leichte Schuld kann aus dem beglichen werden, was man hat, schwere Schuld nur aus dem, was man ist.

Während man sich bei der sozialen Schuld nicht grundsätzlich hinterfragen muss, bedarf exis­tenzielle Schuld einer Neubestimmung des Ego. Eine existenzielle Schuld, die nicht beglichen werden könnte, gibt es nicht. Die schwerste Schuld ist jedoch nur zu begleichen, wenn man die Bindung ans Ego aufgibt. Wer bei schwerster Schuld das Ego nicht aufgibt, wird durch das Schuldgefühl nicht geläutert, sondern krank.

3.2. Verwechslung

Krankhafte Schuldgefühle entstehen auch, wenn man Angst vor Selbständigkeit mit Schuld verwechselt. Wer sich vor den Folgen eigenständiger Entscheidungen fürchtet, neigt dazu, jeden Impuls zur Vertretung seiner Interessen schuldhaft zu erleben. Da Schuldgefühle den Anspruch auf Selbstbestimmung schwächen, schützen sie den ängstlichen Menschen vor der eigenen Courage. Die Betonung der Zugehörigkeit durch den missbräuchlichen Gebrauch von Schuldgefühlen kann zu chronischen Depressionen führen.

3.3. Verdrängung

Schuldgefühle sind unangenehm. Schuld wird als Gefahr erlebt. Man geht davon aus, dass das Risiko, Schaden zu nehmen, durch Schuld gesteigert wird. Da man dazu neigt, Schuld und Schuldgefühl gleichzusetzen, neigt man auch dazu, Schuldgefühle zu verdrängen. Man meint, dass man mit dem Schuldgefühl auch die Schuld beseitigen kann. Tatsächlich geht das nicht.

Der Zusammenhang zwischen Schuld und Schuldgefühl ist locker. Die Stärke des Schuldgefühls sagt nur wenig über das objektive Ausmaß einer Schuld. Das objektive Ausmaß einer Schuld ist letztlich unbekannt.

Woran misst man Schuld?

Die Verdrängung von Schuldgefühlen ist eine häufige Ursache seelischer Störungen. Vieles spricht dafür, Schuldgefühle bewusst zu durchleben:

  1. Schuld wird durch die Verdrängung des Gefühls sowieso nicht beseitigt.

  2. Zwischen der Wucht des Gefühls und tatsächlicher Schuld besteht keine objektive Verbindung.

  3. Die Verdrängung des Schuldgefühls kostet Energie, die womöglich nicht mehr zur Verfügung steht, tatsächliche Schuld zu vermeiden.

  4. Schuldgefühle sind Ausdruck der Person, die sie empfindet. Schuldgefühle ungehindert zuzulassen, hat eine reinigende Wirkung. Gefühle ohne Auswahl zu durchleben, ist eine Bejahung des eigenen Selbst. Wer sich bejaht, vermeidet die Schuld, sich zu verleugnen und vermindert die Gefahr, andere zu verneinen.

  5. Durchlebte Schuldgefühle steigern das Bewusstsein für die Gefahr, sich zu verschulden. So verbessert sich die Chance, dass man das, was man selbst für schuldhaft hält, in Zukunft vermeidet.
3.4. Zuschreibung

Die Verdrängung von Schuldgefühlen ist oft von Projektion begleitet. Wer sich die Über­nahme eigener Verantwortung schuldig bleibt, neigt dazu, anderen Schuld zuzu­schreiben. Glaubt man daran, der Andere sei zunächst am Zuge, ein Soll zu erfüllen, fühlt man sich von eigenem Erfüllungsdruck befreit.

Einerseits kann man durch die Zuschreibung erleichtert sein, andererseits lähmt sie die Initiative dessen, der sich ihrer bedient. Dem kurzfristigen Vorteil der Schuldzuweisung stehen langfristig Nachteile gegenüber. Durch die Passivität, die sie fördert, gerät man ins Hintertreffen.Fühlt man sich im Hintertreffen, neigt man dazu, Schuldige dafür zu suchen. Ein Teufelskreis entsteht. Wer dabei unbelehrbar ist, zeigt ein Leben lang vorwurfsvoll nach irgendwo und versäumt, sein Glück auf eigene Faust zu machen.

Schuldzuweisung kann auch narzisstische Motive haben. Zeige ich auf die Schuld ande­rer und damit auf deren Makel, steige ich in der Wertschätzung meiner selbst. Der andere hat Dreck am Stecken. Ich selbst bin so tapfer, darauf hinzuweisen und verbes­sere die Welt.

4. Schuld und biblisches Weltbild

Schuld und Entwertung
Das mosaische Gottesbild ist von Abwertung, Idealisierung und Projektion geprägt. Die Schuld an der eigenen Aggression verleugnet es, indem es alles Böse Andersdenkenden und konkurrie­renden Gruppen zugeschreibt. Um die Zuweisung zu erleichtern, entwertet es Gruppenfremde zu gottverhassten Frevlern, die man im göttlichen Auftrag zu bekämpfen hat.Wir mussten sie umbringen, weil sie so schlecht waren und Gott es nicht anders wollte. Weil die Entwertung anderer der eigenen Ausbreitung dient, schreibt der Glaube Schuld und Verdammnis überragende Bedeutung zu. Das Vorteilsdenken der eigenen Gruppe idealisiert er zeitgleich zum Gottesdienst.

Im europäischen Kulturkreis wurde der Umgang mit Schuld vom mosaischen Weltbild geprägt.Wohlgemerkt:
Auch andere antike Theologien haben mangelnde Konformität als schuldhaft verfolgt, aber nie so programmatisch wie die abrahamitischen. Die Gleichsetzung von sozialer Schuld und existenziellem Unwert und die Einbindung der Gleichsetzung in ein geschlossenes Denksystem, ist ein Werk der Bibel. Sie kam im Koran zu neuer Blüte. Jeder, der sich einem solchen Kult verschreibt, stimmt der Entwertung von Menschen im Kleingedruckten zu. Das ist tragisch; denn die Mehrheit derer, die zustimmen, sucht eigentlich den rechten Weg. Ist es nicht ein Jammer, dass sich so viel Sehnsucht und Redlichkeit im moralischen Wirrwarr selbsternannter Propheten verfängt? Denn welche Moral als die eines schwer kranken Geistes könnte einen Gott lieben, der Menschen glückselig sein lässt, deren Kinder, Brüder, Schwestern und Eltern zeitgleich ewige Qual erleiden, weil sie den Anspruch der Propheten ohne Beweis nicht ernst nahmen?
Der bloßen Zugehörigkeit zum auserwählten Volk, also einer sozialen Zugehö­rigkeit, wurde von der jüdischen Theologie aus politischen Gründen eine existenzielle Bedeutung zugeschrieben. Jedes Abwei­chen von der verordneten Lehre wurde durch Androhung einer vorgeblich gottgewollten Vernichtung der Abweichler eingeschüchtert.

1 Samuel 15, 23:
...Eigensinn ist Sünde wie schuldbarer Götzendienst...*

Psalm 101, 8:
Jeden morgen will ich alle Frevler im Land vernichten...*

Psalm 139, 22:
Mit äußerstem Haß hasse ich sie.*

Das Christentum hat die jüdische Theologie übernommen. Es hat Europa mit deren Fehl­deutung sozialer als existenzielle Schuld überschwemmt. Das hat zu gesellschaftlichen Verhältnissen geführt, aus denen heraus verbogene Menschen Taten begingen, die nach mensch­lichem Ermessen zutiefst schuldhaft sind.

5. Existenzielle Grundschuld

Einerseits ist der Einzelne das, was er in Wirklichkeit ist. Andererseits spielt fast jeder Rollen, durch die er sich bemüht, als etwas zu erscheinen, was er hinter der Maske des Spiels nicht wirklich ist. Darauf fußt eine existenzielle Grundschuld.

Der Einzelne entsteht aus der Wirklichkeit. Sie macht ihn zu dem, was er ist. Als das, was er ist, hat die Wirklichkeit den Einzelnen in sich eingefügt. Zu dem, was der Einzelne wirklich ist, gehört seine Freiheit, so zu tun, als sei er etwas anderes. Im egozentrischen Rollenspiel wird diese Freiheit ausgeübt.

Der Freiheit, von sich abzuweichen, entspricht zugleich die Freiheit, genau das nicht zu tun. Nur wer sich dazu entscheidet, nicht von dem abzuweichen, was er wirklich ist, kann im existenziellen Sinne schuldfrei sein.

5.1. Schuldfreiheit

Etwas sein zu wollen, was man nicht wirklich ist, wird durch Motive bewirkt. Durch ein eigenmächtig festgelegtes Sosein will man etwas erreichen: die Vermehrung persön­licher Vorteile und das Abwenden von Nachteilen. Jedes absichtlichDie meisten Absichten sind dabei nicht bewusst. Erst durch gewissenhafte Selbsterforschung kann man viele Motive, unter deren Einfluss man handelt, überhaupt erkennen. zielgerichtete FestlegenDas gilt vor allem für psychologische Rollen, also solche, die auf eine verdeckte Manipulation des Umfelds ausgerichtet sind. eines persönlichen Soseins droht, die existenzielle Grundschuld zu erhöhen.

Daraus folgt:

Wer so ist, wie er istMan glaube nicht, dass das einfach wäre. Zu sein, was man ist, heißt keineswegs bloß die Person zu sein, deren Rolle man im Leben spielt. Es heißt, man selbst zu sein... und das Selbst ist stets größer, als jede Rolle, die man spielen könnte. Tatsächlich ist man nur dann man selbst, wenn man sich nicht mehr mit seiner Person verwechselt. Dieses Ziel abschließend zu erreichen ist schwerer, als zugleich Chinesisch, Klavier und Klarinette zu erlernen., ohne damit etwas zu bezwecken, ist schuldfreiWarum das zu werden, schwerer ist, als Chinesisch, Klavier und Klarinette zu erlernen, liegt daran, dass Sie nicht schuldfrei werden können, wenn Sie schuldfrei werden wollen. Schuldfrei können Sie nur werden, wenn Sie der Schuld ins Auge sehen, ohne davon etwas zu erhoffen. Und Hand aufs Herz: Wer kann das schon?. Wer sich nämlich so, wie er ist, annimmt ohne sich zweckgerichtet zu verformen, nimmt auch andere an, so wie sie sind. Er wird sie weder abwerten noch ihnen um eines Schadens willen schaden.

Es kann dabei sein, dass ein anderer, bei der Begegnung mit dem, der ist, was er ist, leidet. Die Schuld an diesem Leid liegt dann jedoch bei dem, der leidet. Er schuldet der Wirklichkeit, sich und den anderen so sein zu lassen, wie die Wirklichkeit sie schuf.


* Die Heilige Schrift / Familienbibel / Altes und Neues Testament, Verlag des Borromäusvereins Bonn von 1966.