Gott ist nur Gott, wenn er den Menschen befreit. Wenn er ihn beugt, ist er nicht Gott, sondern Irrtum.

Leben ist Pilgerfahrt. Alles ist unterwegs ins heilige Geheimnis.

Religion sucht das Wahre in jeder Form. Sie ist die Wissenschaft vom Endgültigen.

Das Absolute offenbart sich im Wirklichen. Es wird wahrgenommen und erkannt, nicht ausgedacht.

Viele glauben, sie reden über das Höch­ste, wenn sie entsprechende Begriffe verwen­den. Da nichts über dem Höchsten sein kann, erst Recht keine Rede, tun sie es tatsächlich nicht. So wie die Ehe bereits Vertrag ist, ist der Begriff Gott bereits Gottesbild. Deshalb redet Theologie immer nur über Gottesbilder. Nur wer weiß, dass der Gott, von dem er redet, nicht das Höchste ist, sondern ein Bild davon, geht beim Einsatz des Begriffs nicht in die Irre. Die Verwechslung des Höchsten mit den Bildern, die man sich davon macht, ist ein Käfig des Geistes.

Das Heilige durchdringt jeden Teil seiner selbst, sodass kein Teil ihm näher kommt als ein anderer. Es gibt nur Gott. Alles andere ist seine Erscheinung.

Gottesbilder


  1. Begriffe
    1. 1.1. Gott oder das Göttliche
    2. 1.2. Das Heilige
    3. 1.3. Das Absolute
    4. 1.4. Der Himmel
    5. 1.5. Allmacht
    6. 1.6. Leere
    7. 1.7. Endgültigkeit
    8. 1.8. Theologie
  2. Psychologische Grundlagen
    1. 2.1. Selbstbild, Weltbild, Gottesbild
    2. 2.2. Zugehörigkeit und Selbstbestimmung
    3. 2.3. Angst
  3. Unterschiede

1. Begriffe

Begriffe zur Benennung abstrakter Aspekte der Wirklichkeit sind unzu­länglich. Während das Wort Tasse für jeden, der schon einmal daraus getrunken hat, verständlich mitteilt, was der Sprecher damit meint, sind Begriffe wie Liebe, Sinn, Seele oder Gerechtigkeit vieldeutig. Man kann darunter sehr Verschiedenes verstehen. Die Vorstellungen, die sich Menschen davon machen, sind nicht selten sogar gegensätzlich.

Noch schwieriger ist es, eine passende Benennung dessen zu finden, was die Ebene des Wahrnehmbaren grundsätzlich übersteigt. Dazu gehört, was das Kernthema des religiösen Interesses bestimmt: das, was jenseits der physikalisch beschreibbaren Realität liegt.

Metaphysik
Ursprünglich benannte der Begriff Metaphysik nur eine Reihenfolge in Aristoteles' Schriften. Im Inhaltsverzeichnis der Erstausgabe waren metaphysische Themen der Beschreibung der physikalischen Welt nachgeordnet. Die Metaphysik kam meta ta physika (μετα τα φυσικα), also hinter der Physik. Längst ist der Begriff auf die existenzielle Topographie übertragen. Was liegt hinter dem, was sinnlich erkennbar ist? Was liegt dem Wechselspiel sinnlicher Erfahrungen zugrunde? Wohin führt es, wenn man den Horizont der sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit überschreitet? Liegt da überhaupt etwas?

Um dem Problem um ein Bruchteil abzuhelfen, mag es daher zweckdienlich sein, sich ein paar einschlägige Begriffe anzusehen.

1.1. Gott oder das Göttliche

Der zentrale Begriff des Abendlands zur Benennung des Transzendenten (lateinisch transcendere = über­schreiten) ist Gott. Der Begriff steht für das Grundlegende und unbedingt Bedeutende schlechthin, dessen Wirkung erahnt, gespürt, erhofft, gefürch­tet oder vermutet werden kann. Die abrahamitischen Kulturen und ihre antiken Vorgänger haben unter Gott eine Gottesperson verstanden, die der Menschenwelt gegenüber eigene Interessen verfolgt.

Gott und die Wirklichkeit
Betrachtet man die Grundlage der Wirklichkeit als Gottesperson, die der Welt gegenübersteht, dann ist sie nicht umfassend, sondern nur ein Teil der Wirklichkeit; es sei denn, man spricht der Welt ab, dass sie wirklich ist. Wären die Welt und die göttliche Person wirklich und zugleich voneinander getrennt, würde die Wirklichkeit Gott umfassen, Gott aber nicht die Wirklichkeit. Das Bild eines Gottes, der der Welt gegenübersteht, schreibt ihm eine untergeordnete Position zu. In einem solchen Bild übersteigt etwas Gott. Gott als Ursache aufzufassen, die in ihrer Folge fehlt, geht an dem vorbei, was als höchste Instanz konzipiert werden kann.

Die Beschreibung des Absoluten als Gottesperson, die einem Teilbereich der Wirklichkeit gegenübersteht und von diesem etwas fordert, beschreibt sie jedoch als etwas Begrenztes. Zwischen der Gottesperson und ihren Geschöpfen gibt es keinen Übergang, sondern eine Grenze. Gott steht über diese Grenze hinweg mit dem, was ihn begrenzt, in einer wechsel­seitigen Beziehung. Daher ist das Konzept einer Gottes­person zur Beschreibung der höchsten Ebene der Wirklichkeit problematisch. Es geht an dem vorbei, was das Höchste sein kann... und hat, weil es bei einer fundamentalen Frage des Denkens in die Irre führt, die eigentlich einende Funktion des Glaubens gestört und schwere Konflikte verursacht.

Göttlich ist umfassende Zugehörigkeit und vollständige Selbstbestimmung in einem. Gott ist verbindende Entbun­denheit.

Das Bild eines eifernden bzw. eifer­süchtigen Gottes, wie es 2 Moses 20, 5 beschreibt, weist dem Endgültigen eine Eigenschaft zu, die es von Entschei­dungen anderer abhängig macht. Das kann nicht endgültig sein.

Die Ursache des Wirklichen ist, was aus dem Möglichen wählt. Was wählt, ist frei. Freies ist frei, weil es niemandem gehört.

Besser als von Gott ist die Rede vom Göttlichen. Während Person ist, was anderem begegnet und darauf eigensinnig reagiert, benennt das Göttliche etwas Umfassendes. Der Begriff spricht von der Essenz des Diesseits; nicht von seinem Gegenüber. Er stellt die Idee zurück, dass es sich beim Absoluten um einen Jemand handelt, der von den Taten anderer abhängt, weil er Wert auf deren Gehorsam legt, sodass seine Stimmungen vom Verhalten Unterwürfiger, Eilfertiger, Strauchelnder, Unbotmäßiger, Widerständiger und Hinfälliger bestimmt werden. Er weist stattdessen auf etwas hin, dessen nähere Unbestimmbarkeit respektvoll anerkannt wird und das für niemandes Zwecke zu vereinnahmen ist.

Wie sehr das Bild von Gott als Gottesperson das Göttliche auf persön­liche Interessenshorizonte reduziert, wird bei Ezechiel offensichtlich. Als Joshua den hebräischen Stämmen nach der Eroberung Kanaans Beute zuteilt, heißt es:

Ezechiel 44, 28-30:*
Einen Erbbesitz dürfen sie [die Leviten] nicht haben, denn ihr Erbbesitz bin ich [Gott]. Auch sollt ihr ihnen kein Eigentum zuteilen in Israel, denn ihr Eigentum bin ich...

Bilder mögen Eigentum ihrer Schöpfer sein, die Wirklichkeit, die sie abbilden, ist es nicht. Die konzeptuelle Verkürzung des Gottesbilds auf eine Gottesperson spiegelt das Selbstbild derer wieder, die Gott als Person konzipieren. Der im egozentrischen Selbst­bild gefangene Mensch hält Gott für eine Person; und sich selbst gelegentlich für Gott oder gar dessen Eigentümer. Der Mystiker anerkennt Gott in sich selbst. Das Ego wäre gerne Gott und projiziert ein Selbstbild in den Himmel, dem alles zu dienen hat.

rot und grün
Ohne entscheiden zu können, was sie ist, liegt es nahe, die Ursache der Wirklich­keit als göttlich aufzufassen. Wenn diese Ursache aber fähig ist, sich selbst zu verwirklichen, wie sollte sie dann daran scheitern, rot von grün zu unterscheiden, während wir es können. Rot und grün voneinander unterscheiden zu können, be­darf der Fähigkeit, etwas zu erkennen. Die Fähigkeit, etwas zu erkennen, ent­spricht dem Wesen der Subjektivität. Dass die Ursache der Wirklichkeit erkennen kann, was sie verwirklicht hat, deutet darauf hin, dass sie sich als Subjekt zum Ausdruck bringt.
1.2. Das Heilige

Verwobenheit

Elemente der Wirklichkeit sind profan, soweit sie in die Besorgung profaner Belange eingebunden sind. Sie sind zugleich Ausdruck des Heiligen, weil jedes Element der Wirk­lichkeit vom Heiligen eingefasst wird. Heilig und profan sind keine getrennten Wel­ten. Es sind unterschiedliche Betrachtungs­ebenen derselben Wirklichkeit. Während die Profanität eines Elements vorübergeht, nämlich dann, wenn es aus profaner Geschäftigkeit entlassen wird, ist seine Zugehörigkeit zum Heiligen zeitlos. Heiligkeit ist der ursprüngliche Zustand, Profanität ein Spiel, als das sie erscheinen kann.

Der Idee des Göttlichen ist die Vorstellung des Heiligen zuge­ordnet. Auch der Begriff heilig scheint ein geringeres Risiko als Gott zu enthalten, sich bei der Verwendung der Begriffe zu vergreifen. Das Heilige fasst das Absolute als Ganzheit auf, ohne ihm vorrangig Eigenschaften zuzuordnen, die der personalen Existenzform des Menschen nachgezeichnet sind. Es wird als Wirklichkeitsbereich empfunden, dem ein höherer Wahrheits- und Wertgehalt als dem Profanen zukommt.

Profan setzt sich aus zwei lateinischen Wörtern zusam­men: pro und fanaticus. Fanaticus spricht von vollstän­diger Begeisterung und Ergriffenheit durch das Göttliche. Das Profane ist der Bereich der Wirklichkeit, der vor (= pro) dieser Ergriffenheit liegt; ihn also nicht erreicht. Profan ist das, womit der Mensch bei der Besorgung persönlicher Belange beschäftigt ist. Eigentlich ist Profanität aber keine Eigenschaft des Betrachteten, sondern ein Modus der Betrachtungs­weise. Eine Betrachtungsweise ist profan, solange sie im Separaten das Umfassende übersieht.

Man kann einen stillen See im Morgendunst als Angelrevier betrachten. Diese Betrachtungsweise ist profan. Oder man erkennt seine Schönheit als Ausdruck des Heiligen. Dann ist die Betrachtungsweise religiös. Der See ist dabei derselbe.

Propheten und ihre Schriften sind Ausdruck des Heiligen. Aber nicht mehr als Wasser und Sand. Würden sie das Heilige besser verstehen, wüssten sie das.

Während bei profaner Betrachtungs­weise der Wirklichkeit ein teils widersprüch­liches Neben- und Gegeneinander unver­bundener Teile vorzuherr­schen scheint, was seine Insassen abwechselnd in Angst und Schrecken versetzt oder mit Zuversicht und Begierde erfüllt, wird das Heilige nicht nur als Bereich höheren Wertes und höherer Wirklichkeit gedacht, sondern als widerspruchs­freies Aufeinanderbezogensein sämtlicher Elemente.

Die Idee des sinnvoll Aufeinanderbezogenseins gipfelt in der Vorstellung einer trans­personalen Präsenz, die jegliches Personsein übersteigt, und alle Elemente der Wirklichkeit in eine unverlierbare Zusammengehörigkeit vereint.

Etymologisch geht heilig auf heil zurück. Heil im profanen Sinn ist ein unver­sehrt Vollständiges, das seine Teile zur Ganzheit seiner selbst verbindet. Eine Hummel ist ganz, wenn alle notwendigen Organe vorhanden und so aufeinander abgestimmt sind, dass ein heiles Hummelsein verwirklicht ist.

Heiliges Land

Wer Gegenständliches oder Begriffliches heiligspricht, schätzt das Heilige gering.

Das Heilige ist nicht das, was nicht angetastet werden sollte. Es ist das, was nicht angetastet werden kann.

Das Heilige im theologischen Sinn ist dementsprechend jenes Vollständige, das den Inhalt jedweder Dimension in eine Unversehrtheit zusammenfasst, dem kein Teil als unein­gebundenes Etwas widerspricht, ohne dass der Widerspruch Ausdruck des Ganzen bleibt. Das Heilige am Heiligen liegt in seiner Fähigkeit, alle für einen parteiischen Betrachter aufscheinenden Widersprüche der Wirklichkeit so aufeinander zu beziehen, dass kein Teil als wertlos verlorengeht oder abgespalten bleibt.

Heilige Schriften

Die Geschichte belegt es wie die Gegenwart: Gläubige Leser sogenannt heiliger Schriften laufen Gefahr, sich im vermeintlichen Auftrag des Gelesenen wechselseitig umzubringen. Protestanten und Katholiken taten es, Sunniten und Schiiten tun es weiterhin. Auch Textstellen, die nicht unmittelbar zu Mord und Totschlag anhalten, vermitteln kein einheitliches Verständnis, wie ein gottgefälliges Leben zu gestalten ist. Damit stiften sie Zwietracht.

Gesetzt Bibel und Koran offenbaren beide göttlichen Willen, dann ist die Zwietracht durch zwei mögliche Umstände zu erklären: Entweder Gott war nicht in der Lage, sich verständlich auszudrücken, oder er unterließ es absichtlich. Wer trotzdem glaubt, die Texte seien offenbart und nicht von Menschen erdacht, zeigt eine merkwürdige Einschätzung des Himmels. Er hält ihn entweder für unfähig oder für irreführend. Aber warum glaubt er dann?

Heilige Väter

Matthäus 23, 9:*
Auch als Vater sollt ihr niemand von euch anreden auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel.

Heiliger Stuhl

Wie unerschrocken Offenbarungsglaube das Heilige verkennt, zeigt der Begriff des Heiligen Stuhls. Wenn ein Priester dem Sitzmöbel, auf das er seinen Hintern drückt, dieselbe Eigenschaft zuschreibt, wie dem Gott, zu dem er betet, muss ein merkwürdiges Konzept des Heiligen am Werke sein. Falls ein läuterndes Erschrecken vor der verräterischen Wortwahl noch kommen sollte, könnte ein Ach du heiliger Bimbam das Erschrecken des Stuhlbesitzers stilkonform zum Ausdruck bringen.

1.3. Das Absolute

Absolut kommt von lateinisch absolvere, also loslösen, ablösen. Das Losgelöste steht begrifflich im Gegensatz zum Relativen. Relativ geht auf lateinisch relativus zurück, das seinerseits relatus, also dem Partizip Perfekt des Verbs referre = zurücktragen, vortragen, berichten entspringt.

Das Relative ist das Sichbeziehende. Sein Bezogensein liegt darin, dass es dem Absoluten sein Sosein vorträgt. Das Relative ist das Wissen des Absoluten über das, was es als wahr bestimmt hat. Das Relative berichtet dem Absoluten vom Resultat seiner Bestimmung. Oder besser: Das Relative bringt das Resultat seiner Bestimmtheit durch das Absolute zum Ausdruck.

Eine lichte Stelle der Bibel bezeichnet Gott als den, der er selbst ist.

2 Moses 3, 14:*
"Ich bin, der ich bin!"

Davon ausgehend kann man sagen:

  1. Nur Gott ist er selbst.
  2. Was es selbst ist, ist Gott.
  3. Wer nicht Gott ist, ist nicht er selbst.
  4. Es gibt nur Gott. Alles andere ist Illusion.

Die Abgelöstheit des Absoluten ist keine Verbindungslosigkeit. Ab­gelöst ist das Absolute insofern, dass es nicht durch Relatives, also Bedingtes, fremdbestimmt wird. Das Absolute ist reine Selbst­bestimmtheit, die alles Seiende erkennend durchdringt. Selbstbe­stimmtheit, die im Relativen auftaucht, ist stets wesensgleich mit dem Absoluten selbst. Zwei absolute Selbstbestimmtheiten neben­einander gibt es nicht, weil die eine die andere dann fremdbestim­men würde.

1.4. Der Himmel

Ein bildhafter Begriff zur Bezeichnung des Göttlichen ist der Himmel. Der Himmel hat den Vorteil, nicht genau bestimmt zu sein. Er vermeidet die voreilige Festlegung auf konkrete Eigenschaften. Das einzige, was der Begriff bereits anerkennt, ist der Umstand, dass man erst dann etwas von ihm sieht, wenn man den Blick von den Details der irdischen Belange löst. Zudem geht man davon aus, dass der Himmel etwas anzuzeigen hat und es daher klug ist, ihn nicht zu übersehen.

Prinzip oder Pantheon
Sobald der Mensch eingehender über das Jenseits nachdachte als bis dahin seine heidnischen Vorfahren, stieß er auf eine wesentliche Frage: Ist das Jenseits Vielfalt oder Einheit? Wird das Absolute durch ein Prinzip bestimmt oder ist es eine Gesellschaft unterscheidbarer Kräfte, die wechselseitig miteinander in Verbindung stehen? Von da ab wurde zwischen Mono- und Polytheismus unterschieden.

Während das polytheistische Bild eine Dynamik konkurrierender Kräfte vermutet, die man je nach Anliegen und persönlicher Neigung um Hilfe bitten kann, geht das monotheistische Konzept davon aus, dass alles auf ein absolut Wahres bezogen ist. Es begreift den Kosmos als verbundene Einheit in der es nichts gibt, was nicht der Einheit angehört und in der sämtliche Teile sinnvoll miteinander in Beziehung stehen:

  1. weil die Zugehörigkeit zur heiligen Einheit nicht unsinnig sein kann.
  2. weil zumindest sein jeweiliges Bezogensein zur Einheit jeden Teil mit jedem anderen verbindet.
Prinzip geht auf die lateinischen Begriffe principium und princeps im Sinne von erstrangig, fürstlich, grundlegend zurück.

Monotheismus

Gemeint ist damit mystischer Monotheismus, nicht dualistisch-konfes­sioneller. Dualistischer "Monotheismus" spricht zwar von einem Gott, meint dabei aber kein einigendes, sondern ein spaltendes Prinzip, das Gläubige von Ungläu­bigen kategorisch unterscheidet. Dualis­tischen "Monotheismus" nennt man besser Monopoltheologie. Monopol geht auf das griechische monopolion (μονοπωλιων) = alleiniges Handelsrecht zurück. Monopol­theologien sprechen sich selbst ein Exklusiv­recht bei Legitimierung und Vollzug religiöser Praktiken zu. Ein solcher Anspruch einigt nicht. Er entzweit.

Gott wird dabei als hervorbringendes, handelndes, wissendes und bejahendes Prinzip begriffen, dessen Existenz die Einbeziehung aller Teile garantiert und das jedem Teil im Ganzen einen eindeutigen Platz zuordnet.

Da Monotheismus alle Teile sinnvoll auf ein absolut Wahres bezogen sieht, misst er jedem einen Wert bei, dessen Verneinung dem absolut Wahren widerspricht.

1.5. Allmacht

Allmacht ist ein Attribut, das dem Göttlichen regelmäßig zuge­schrieben wird. Gott, der Allmächtige... ist eine feststehende Redensart.

Unter Allmacht kann man Verschiedenes verstehen:

Möglich, dass A und B auf den ersten Blick dasselbe bedeuten. Bei genauerer Betrach­tung scheinen sie aber nicht identisch zu sein. So mag es eine Allmacht geben, die festlegt, dass Wasser nass ist und Feuer raucht. Es ist aber nicht klar, ob sie in der Lage wäre, nasses Feuer zu erzeugen. Bei physikalischen Phänomenen wäre Derartiges durch den Erlass abweichender Naturgesetze in Paralleluniversen immerhin möglich.

Könnte es aber eine Allmacht geben, die dergestalt zu unbegrenzter Willkür fähig wäre, dass sie gleichzeitig liebt und dem Geliebten Übles will? Wir können uns das nicht vorstellen und die These sei in den Raum gestellt, dass das nicht nur daran liegt, dass wir zu blöde dazu sind, sondern daran, dass das selbst für eine Allmacht unmöglich ist. Allmacht kann keine Freiheit zu unbegrenzter Willkür sein. Allmacht ist ihrem Wesen treu oder sie zerbricht an sich.

Macht kann über willenlose Dinge oder über eigenwillige Organismen ausgeübt werden. Willenlose Dinge sind reine Objekte. Ihr jeweiliges Sosein wird vollständig durch Vorgab­en bestimmt. Eigenwilligen Organismen kommt eine Freiheit zu, die sie von reinen Objekten unterscheidet. Hätten sie diese Freiheit nicht, wären auch sie reine Objekte.

Macht über willensfähige Organismen ist die Fähigkeit, sie zu etwas zu zwingen; entweder etwas zu tun, was sie nicht wollen, oder sie davon abzuhalten, etwas zu tun, was sie tun möchten.

Man kann glauben, dass eine liebende Allmacht eigenwillige Organismen mit der Freiheit ausstattet, diese Freiheit auszuüben, ihnen zugleich aber jeden Wert abspricht, wenn sie es tun. Ist das der göttliche Wille, dann erschafft Gott Subjekte, verlangt aber von ihnen, sich freiwillig wie Objekte zu verhalten. Man kann das glauben, man muss es aber nicht.

Religiöser Dualismus glaubt an die Existenz vieler Subjekte. Unterworfene stehen einem Allmächtigen gegenüber, der ihnen Ver- und Gebote erteilt. Sinn das Daseins ist es, das Gebotene zu vollstrecken.

Religiöser Monismus sieht neben Gott kein zweites Subjekt, das von dort aus ange­sprochen werden müsste. Gott hat seine Ausdrucksformen mit der Freiheit ausge­stattet, die er durch sie verwirklichen will.

Eine Alternative tut sich auf, wenn man göttliche Allmacht nicht als Freiheit zu unbegrenzter Willkür begreift, sondern als vollstän­dige Selbstbestimmung. Das primäre Attribut der Allmacht wäre dann nicht, dass sie andere zu Beliebigem zwingen kann oder zu etwas Bestimmtem zwingen will. Das eigentlich göttliche Attribut wäre vollständige Freiheit von Fremdbestimmung. Primär ist Gott nicht allmächtig, sondern allfrei. Er begegnet keinen Geschöpfen als Oberbefehlshaber, sondern verwirklicht Freiheit, indem er seinen Ausdrucksformen die Freiheit verleiht, die er tatsächlich angewen­det sehen will. Mit der Freiheit übergibt er die Verantwortung, mit ihr umzugehen. Mehr noch: Freiheit ist die Verantwortung, mit ihr umzugehen.

1.6. Leere

Dem Heiligen wird Ganzheit unterstellt, dem Absoluten, abgelöst zu sein und dem Himmel, dass er über dem Irdischen steht. Keiner der Begriffe überwindet die Dualität, die Sprache und Denken stets innewohnt. Auch Leere tut es nicht. Sie steht logisch der Fülle oder dem Inhalt gegenüber. Logisch, wohlgemerkt, nicht wirklich; denn Leere ist das, was jeden Inhalt umfasst, nicht, was ihm gegenüber zum Stehen kommt.

Obwohl auch der Begriff der Leere das Wesen des Benannten verfehlt, scheint er ihm doch näher zu kommen, als die drei Erstgenannten. Sein größter Vorzug liegt darin, dass er die Vorstellung einer Gottesperson konsequent umgeht und somit die Gefahr, das Benannte auf die Stufe des Anthropomorphen herabzusetzen.

Leere (Sanskrit शून्यता = Shunyata) ist ein Begriff, den der Buddhismus zur Benennung jener Erfahrung verwendet, auf die mystisch-religiöses Streben abzielt. Er bezeichnet einen Zustand der Ich-Losigkeit. Ein anderer Begriff ist Nirvana. Das Nirvana ist ein Nirgendwer, Nirgendwo, Nirgendwann und Nirgendwie. Der Begriff geht auf Sanskrit nirvanam (निर्वाणम्) = erlöschen zurück. Gemeint ist eine alles erhellende Erfahrung, die aufkommt, sobald jede Bindung des Geistes an einen besonderen Inhalt erlischt.

Ich erlebe Leere als Leere, weil ich in ihrer Weite so wenig bin. Ich erlebe Leere als Gegenwart, weil ich mich als ihre Fülle weiß.

Die Ablösung kann durch achtsame Wahrnehmung aller Inhalte, die im Bewusstsein auftauchen sowie durch die konsequente Vergegenwärtigung der Vergänglichkeit aller Aspekte der Person entsprechend der ⇗Satipatthana Sutta erfolgen.

Leere benennt das ultimativ Erstrebenswerte, das jedes eigene Gewinnstreben hinter sich gelassen hat, weil es die Identität mit sich selbst vollständig erfüllt. Das Selbst ist es selbst, weil ihm nichts hinzugefügt und nichts entnommen werden kann.

1.7. Endgültigkeit
Was für den Menschen Ges­tern, Heute und Morgen ist, ist im Absoluten Erinnerung. Erinnerung ist keine Vergang­enheit, sondern Auftauchen im Jetzt.

Aus Sicht endlicher Kreaturen scheint auch der Begriff Endgültigkeit geeignet, auf das zu verweisen, was das Dasein der Erscheinungsformen einfasst. Das Wort Ende in Endgültigkeit ist dabei nicht als zeitliches Ende aufzufassen, sondern als Unumstöß­lichkeit. Endgültig in diesem Sinne ist nicht das Ende der Zeit. Es ist das Ende der Zeitlichkeit. Das Endgültige ist nicht von langer Dauer, sondern zeitlos. Es ist der Vergänglichkeit enthoben. Religion glaubt daran, dass es etwas Unumstößliches gibt. Der religiöse Mensch versucht, sein Leben darauf auszurichten.

1.8. Theologie

Theologie, der Begriff zur Bezeichnung der Wissenschaft vom Göttlichen, ist ein Lehn­wort. Er geht auf das griechische theologia (Θεολογια) zurück und heißt übersetzt Götterlehre. Der Begriff Logos (λογος) = die Lehre, die Kunde wurzelt seinerseits im Verb legein (λεγειν) = reden. Theologie redet über das, was als göttlich aufgefasst wird.

Katholische Theologie

Die Geologie befasst sich wissenschaftlich mit der physikalischen Struktur der Erde. Die Etymologie befasst sich mit der Herkunft der Wörter und die Archäologie mit alten Kulturen.

Gibt es eine christliche Geologie, eine jüdische Etymologie und eine islamische Archäologie? Das gibt es nicht. Wissenschaft ist nur solange Wissenschaft, wie sie sich vorurteilsfrei Wissen beschafft. Das gilt auch für Geisteswissen­schaften.

Theologie befasst sich mit dem Wesen des Göttlichen. Ihre Aussagen haben nur dann wissenschaftlichen Wert, wenn sie nicht im Vorhinein sagt: Was für wahr zu halten ist, wird nicht erkannt, sondern von mir verkündet.

Deshalb gibt es weder eine christliche, noch eine jüdische und auch keine isla­mische Theologie. Was man so bezeichnet, ist selektive Mythenpflege.

Die Pflege selektiver Mythen dient weder Wissen noch Wahrheit. Im Gegen­teil: Psychologisch gesehen ist sie Abwehr unerwünschter Einsicht.

Jemand, dessen Selbstwertgefühl auf die Illusion zurückgreift, Mitglied einer hervorgehobenen Gruppe zu sein, mag sich in Ermangelung unbedingter Selbstachtung so sehr vor besserer Einsicht fürchten, dass er sie zeitlebens verleugnet und sich die Verleugnung obendrein als besondere Tugend anrechnet, die Zweifel am Wert seines Tuns umso mehr als überflüssig erscheinen lässt.

Es mag sein, dass ein vermeintlich Hervorgehobener den Mut hat, seinen Illusionen entgegen jeder Missgunst seines Umfelds treu zu bleiben. Den Mut, er selbst und nur er selbst zu sein, hat er damit nicht.

Politisch festigt Mythenpflege Macht. Sie schränkt Gläubige bei der Ausschau nach Wahrheit ein und liefert sie den Ansprüchen derer aus, die auf den Mythos pochen. Theologisch betrachtet ist Mythenpflege unreligiös. Wahrhaft religiöser Glaube eint. Mythen entzweien.


2. Psychologische Grundlagen

Es gibt mehrere Glaubensbekenntnisse, die ohne Beweis behaupten, mit unwider­sprechbarer Gewiss­heit als einzig legitime Form religiöser Praxis vom Himmel selbst gestiftet zu sein. Dass es mehrere sind, die einander seit Menschengedenken bekämpfen ohne dass der Himmel je ein Zeichen sandte, um den Irrtum der Irrenden aufzuklären, ist ein Indiz dafür, dass man in religiösen Dingen niemanden ernst zu nehmen braucht, der behauptet, er wisse, welches der wetteifernden Bekenntnisse das richtige ist.

Jedes Gottesbild ist eine Vermutung. Es wird von den Absichten dessen bestimmt, der es begründet. Sein Wert liegt in dem, was es bewirkt. Ein Glaube, aus dessen Logik heraus ein Einziger erschlagen wurde, ist als verbindlicher Glaube für alle ausgeschieden.

Wer sich dazu entscheidet, den Glauben an den göttlichen Auftrag der Propheten hinter sich zu lassen, stößt bei der Frage nach der Struktur der Gottesbilder auf die Psyche derer, die sie entwerfen.

2.1. Selbstbild, Weltbild, Gottesbild

Die wesentliche Weiche bei der Wahl des Gottesbildes wird durch das Selbstbild gestellt. Das Wesen dessen, wofür sich der Gläubige hält, bestimmt das Bild, das er sich vom Göttlichen macht.

Dabei sind zwei Pole festzustellen. Man kann sich mit dem Selbst identifizieren oder mit der Person, als die man anderen auf der Bühne des Daseins begegnet. Der erste Ansatz ist monistisch, der zweite dualistisch. Das Ego, das sich ausschließlich als Person betrachtet, sieht sich als geschlossene Einheit, die der übrigen Wirklichkeit konfliktbereit gegenübertritt.

Tatsächlich gibt es kein persönliches Ich, das abgetrennt von dem, dem es begegnet, existiert. Gäbe es ein solches Ich, müsste es außerhalb der Wirklichkeit existenzfähig sein und erst in einem zweiten Schritt aus der Unwirklichkeit in die Wirklichkeit treten, um dieser zu begegnen. Tatsächlich kann das persönliche Ich nur unauflösbar in die Wirklichkeit verwoben sein. Das Selbst jeden Ichs ist Ausdruck der Wirklichkeit und diese ist die Bedingung, ohne die kein Ich in Erscheinung treten kann.

Pole der Identifikation

Selbst Person / Ego
Ich bin das, was ich jenseits aller Rollen und Vorstellungen meiner selbst tatsächlich bin. Ich bin die Person, als die ich mich selbst begreife und als die ich anderen gegenübertrete.
Ich bin mir unbegreiflich. Ich weiß nicht, was ich bin. Ich weiß, wer ich bin.
Ich gehe aus der Wirklichkeit hervor und in ihr auf. Ich und die Welt sind zwei Katego­rien. Ich stehe der Welt gegenüber.

Ob man sich als Selbst auffasst oder als Person, entscheidet maßgeblich über das Welt- und das Gottesbild. Der Polarität der Identifikations­möglichkeiten entsprechen die Polarität dazugehöriger Vorstellungen vom Transzendenten und das, was man als angemessene Religiosität betrachtet.

Polare Gottesbilder

Monistisch Dualistisch
Die Wirklichkeit ist Ausdruck des Heiligen. Die Wirklichkeit ist das Werk eines Gottes. Er hat sie jenseits von sich selbst ins Nichts gestellt.
In sich selbst geht der Mensch ins Göttliche über. Wer sich selbst treu ist, ist dem Heiligen treu. Der Mensch erhält Weisungen vom entrückten Gott. Da der Mensch nur Machwerk ist, findet er Wert und Wirklichkeit nur, wenn er sich von sich lossagt. Wer Gott treu sein will, muss sich selbst verleugnen.
Man entspricht dem Heiligen, soweit man ihm ähnelt. Man erfreut den Heiligen, soweit man ihm dient.

Himmel, Hölle, Gottesbild

Monistisch Dualistisch
Wenn Du mich gefunden hast, ist alles gut. Mir zu begegnen, könnte schrecklich für dich sein.

Die Polarität des Selbstbilds und der entsprechenden Welt- und Gottesbilder bestimmt die Grundmuster der Reaktion des Menschen auf die Wirklichkeit.

Leitlinien

Mystisch Konfessionell
Erkenne Dich selbst. Mach' dir die Erde untertan.
Bekenne Dich zu dem, was Du in Dir findest. Bekenne dich als Anhänger der Übermacht. Werde Soldat der siegreichen Armee.

Monotheismus ist nicht der Glaube an eine parteiische, also entzweiende Gottesperson. Es ist der Einklang des Ich mit dem, was ihm zugrunde liegt.

2.2. Zugehörigkeit und Selbstbestimmung

Zugehörigkeit und Selbstbestimmung sind Motive, die die Menschenwelt in Atem halten. Ihr Widerstreit durchdringt jede soziale Interaktion. Bei allem, was man gemeinsam mit anderen tut, stellen sich zwei Fragen.

Die gleichen Fragen tauchen mit Wucht bei der religiösen Entscheidung auf.

Die konfessionelle Religionsauffassung geht davon aus, dass Zugehörigkeit zu etwas wahrhaft Gutem nur durch ein Bekenntnis erworben werden kann. Dazu muss sich der Gläubige einer äußeren Macht überlassen, die über ihn bestimmt.

Johannes 15, 2:*
... mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, nimmt er weg...

Eine Lösung des Zugehörig­keits-Selbstbestimmungs-Konflikts ist in der konfessionellen Religion nicht möglich. Der Mensch muss in ihr zerrissen sein. Das eine Bedürfnis kann er nur erfüllen, wenn er das andere preisgibt.

Die mystische Religionsauffassung geht davon aus, dass die Zugehörigkeit aller zum Ganzen von je her unverbrüchlich ist. Schieres Sein ist Bund mit Gott. Da Zugehörigkeit nicht verlorengehen kann, ist der Mensch frei, sich selbst zu bestimmen. Eine Lösung des Zugehörigkeits-Selbstbestimmungs-Konflikts ist in der mystischen Religion möglich. In ihr kann der Mensch mit der Wirklichkeit eins sein.

2.3. Angst

Ohne Angst gäbe es vermutlich keine Religion. Religion entspringt der Sehnsucht nach einer Welt, in der es keine Angst gibt. Dem entsprechen die gängigen Vorstellungen vom Paradies.

Die Hoffnung wendet sich im dualistischen Weltbild an eine Gottesperson, die Schutz gewährt. Dazu muss sich der verängstigte Insasse des Diesseits gottgefällig verhalten; und was Gott gefällt, teilen ihm vorgesetzte Mitinsassen mit. Ob das verordnete Verhalten tat­sächlich gottgefällig ist, spielt dabei keine Rolle. Wer glaubt, dass er das Erforderliche tut, wird vom Glauben entängstigt. Auch das dualistische Gottesbild kann Ängste binden und erfüllt - in Grenzen - seinen Zweck.

Institutionen, die Gehorsam verlangen, haben ein Interesse daran, dass der Mensch seine Angst behält.

Die Grundangst des Menschen, die der Illusion entspringt, als Ego vom Rest der Wirk­lichkeit getrennt zu sein, ist durch ein dualistisches Gottesbild aber nicht zu beheben. Zum Wesen des entrückten Gottes gehört nicht nur die Macht, zu schützen. Er könnte sich dem Gläubigen auch verweigern; und die Drohung, dass er genau das tun wird, falls sich das Individuum nicht beugt, ruft die eben noch verscheuchte Angst erneut herbei.

Dualistische Gottesbilder binden nicht nur Angst. Sie schüren sie im gleichen Zuge. Ihre Glaubensformen überleben, weil ihre Wirkung widersprüchlich ist.

3. Unterschiede

Konfessionelle Glaubensbekenntnisse sind von ihrem Selbstverständnis her mono­theistisch. Im Unterschied zum echten Monotheismus gehen sie aber davon aus, dass die Welt gespalten ist. Am Grundprinzip des echten Monotheismus gehen sie damit vorbei.

Monotheismus und seine Trugbilder

Monistischer Monotheismus Dualistische Monotheismen
Verbundenheit mit der Wirklichkeit ist unauflösbar. Verbundenheit entsteht, indem man ein vorgegebenes Vorstellungsbild für wahr erklärt.
Verbundenheit ist als Geschenk vergeben. Das Sein selbst ist bereits Verbundenheit mit dem, was Sein an sich begründet. Verbundenheit wird durch Gehorsam verdient. Sie wird als Denkakt vollzogen und muss durch Glaubensrituale bekräftigt werden.
Echter Monotheismus nimmt Wahres als Wahres wahr. Dualistische Monotheismen urteilen über Gut und Böse.
Glaubt, dass sich alles Sein in ein jenseitiges Prinzip vereint. Glauben, dass sich alle Macht in einer jenseitigen Person zentriert.

Im echten Monotheismus ist die Eins das Wesen der Wirklichkeit. Dass man dem entrückten Gott im dualistischen Monotheismus die Zahl Eins zuordnet, ist ein intel­lektuelles Hilfsmittel. Es ist das Echo eines Machtanspruchs, der beim Untertanmachen keine Vielfalt dulden will, die ihn beschränken könnte. Im dualistischen Mono­theismus benennt die Eins nicht den Charakter des Heiligen, sondern den Alleinanspruch einer Macht. Im echten Monotheismus liegt die Eins im Wesen Gottes. In seinem Trugbild ist die Eins bloß seine Zahl.

Gott ist der Einzige seiner Art. Er ist das Prinzip der Indivi­dualität. Im Respekt vor der Einzig­artigkeit des Einzelnen wird Religion human.

Wer die Einzigartigkeit des Einzelnen bei der Wahl seines Weges nicht respektiert, hat das Ziel bereits aus den Augen verloren.

Es gibt eine Religion und tausend Sekten. Die eine Religion kennt weder Führer noch Propheten.

Wahrheit ist die Herrschaft des Rechtmäßigen. Alles andere hat sich seine Macht nur angemaßt.

Der dualistische Monotheismus der konfessionellen Religionsauffassung ist ein Pseudomonotheismus. In ihm steht das Wirkliche nicht in heiliger Einheit zusam­men. Es zerfällt in heilig und profan. Pseudomonotheismen erklären, dass sich im Jenseits alle Macht in einer Person zentriert. Sie übersehen dabei, dass das Wesen des Einsseins grenzenlos ist.

Ihrem gespaltenen Bild entsprechend sehen sich die Glaubensführer konfessio­neller Religionen von Gott beauftragt, den als missraten beurteilten Teil der Schöpfung aus der Welt zu schaffen. Dafür erwarten sie himmelhohen Lohn.

Konfessionelle Religionen sind parteiisch, hierarchisch und gewaltbereit. Was sie für monotheistisch halten, wird besser als monopol­theologisch bezeichnet. Monopoltheologen definieren den eigenen Glauben als gut. Alles andere gilt als böse.

Matthäus 12, 30:*
Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich...

Monopoltheologie dient der Konkurrenz um irdische und transzendente Güter. Ihr Fundament sind prophetische Personen und Lehrsätze, durch die sie Macht für sich verlangen. Als Endlösung befürworten sie Völkermord. Dabei wird der als wertlos aufgefasste Teil der Schöpfung zu Gunsten der eigenen Partei gemeinsam mit Gott oder einem messianischen Vollstrecker vernichtet.

Maleachi 3, 19-21:*
"... der Tag kommt brennend wie ein Ofen; da werden alle Übermütigen und Frevler zu Stoppeln. Und der kommende Tag wird sie verbrennen", spricht der Herr der Heerscharen, "daß ihnen weder Wurzel noch Zweig verbleibt... Die Frevler werdet ihr niedertreten; ja, sie werden zu Asche unter den Sohlen eurer Füße an jenem Tage, den ich herbeiführe"...

Mystische Gottesbilder kennen keine Vernichtung. Mystische Gottesbilder kennen nur Einigkeit.


* Die Heilige Schrift / Familienbibel / Altes und Neues Testament, Verlag des Borromäusvereins Bonn von 1966.