Wert ist Wandlungspotenzial. Wert ist, was werden kann oder zu einem Werden beiträgt.

Der Wert des einen ist der Wert aller. Der Wert aller ist der Wert des einen. Ohne dass jeder unbedingten Wert hat, hat niemand einen Wert.Wenn man nicht davon ausgeht, dass dem Menschen Wesensgleichheit mit dem Unbedingten inneliegt, kann man ihm auch keinen unbedingten, sondern nur einen relativen Wert beimessen, der seinem Nutzen für jeweilige Zwecke entspricht. Da der Wert des Unbedingten in jedem Ausdruck aber ungeschmälert ist und der absolute Wert stets höher als jeder relative, ist keiner mehr Wert als ein anderer. Der absolute Wert aller ist identisch.

Nehmen Sie sich wahr. Was Sie erkennen ist das, was Ihren Wert bereits ausmacht. Das Selbstwertgefühl beruht auf der Beachtung des eigenen Selbst. Vom Lob anderer hängt man ab, wenn man sich selbst nicht beachtet.

Die Beachtung des Wirklichen und seine Wertschätzung sind eins. Wirkliches zu beachten, heißt seinen Wert zu schätzen. Je genauer man hinsieht, desto mehr Wert wird erkennbar. Nur Bilder können trügerisch sein. Nur Bilder können einen "Wert" haben, der beim Hinsehen in sich zusammenfällt.

Sofern er nicht verblendet ist, erkennt der Mensch den höchsten Wert in seinen Kindern; weil im Kind das größte Potenzial des Werdenkönnens steckt.

Wertschätzung


  1. Wert und Werden
    1. 1.1. Seinswert und Gebrauchswert
  2. Wert und Preis
  3. Bewertung und Wertschätzung
  4. Selbstwertgefühl und Narzissmus
    1. 4.1. Kränkungen des Selbstwertgefühls
    2. 4.2. Heilung des Selbstwertgefühls
  5. Würde
  6. Abwertung

1. Wert und Werden

Die EtymologieDer Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern etymos (ετυμος) = wahr und logos (λογος) = Wort zusammen. Etymologie ist die Lehre vom wahren Sinngehalt der Wörter. Der wahre Sinngehalt eines Wortes ergibt sich aus seiner Herkunft und aus dem Werdegang der Begriffsbedeutungen. ist sich nicht sicher, ob wert sprachgeschichtlich zur Wortgruppe um werden gehört*. Geht man aber davon aus, gewinnt man Einblicke in das Wesen des Wertes.

Das Zeitwort werden ist mit dem lateinischen vertere = drehen, sich wenden verwandt. Werden ist Wandel von einem Zustand zum nächsten.

Dementsprechend hängt der Wert, der einem Ding oder einem Wesen inneliegt, mit seinem Wandlungspotenzial zusammen. Dabei können zwei Aspekte unterschieden werden:

  1. Das, was aus dem Wesen selbst werden kann.

    • Das Kind ist wertvoll, weil es das Potenzial hat, sich weiterzuentwickeln.

    • Die SaatkartoffelDer Wert der Nahrung liegt nicht darin, dass sie eine Form erhält, sondern dass sie den lebendigen Prozess befeuert, der ein ständiges Werden ist. Nur was wird, braucht überhaupt etwas zu essen. ist wertvoll, weil aus ihr eine fruchtbare PflanzeDie Früchte der Pflanze wiederum können zu Kartoffelsalat verarbeitet werden. Dabei ist auf eine schmackhafte Zubereitung zu achten, die keineswegs durch Remouladensauce aus dem Supermarkt gewährleistet wird. Als geeignete Zutat gilt eine fein gehackte Zwiebel, die in etwas Gemüsebrühe unter Beigabe eines Lorbeerblatts und eines Stengels Rosmarin glasig gekocht wird. Dazu kommt ein halber Teelöffel scharfer Senf, etwas Zucker, Salz, weißer Pfeffer, ein bis zwei Esslöffel Balsamico-Essig und zum Schluss Olivenöl nach persönlichem Geschmack. entstehen kann.

  2. Das, zu dessen Wandel das Wesen oder die Sache beitragen kann.

    • Der Schraubenzieher zeigt seinen Wert bei der Reparatur des Rasenmähers. Er trägt dazu bei, dass aus dem defekten Mäher ein funktionstüchtiger wird.

    • Wachstumshormon sorgt dafür, dass aus Knaben Männer werden.

Wert ist nicht statisch. Der Wert der Dinge liegt nicht allein in dem, was sie faktisch sind, sondern in dem, was werden könnte. Wert ist dynamisch. Da Wert nicht statisch ist, ist er durch nichts aufzuwiegen, was ihm gegenübersteht.

1.1. Seinswert und Gebrauchswert

Zwei Werte

Seinswert Funktionswert
unbedingt bedingt
Liegt im Sein selbst. Zeigt sich im Bezug zur Sache, der er dient.
Etwas kann sich selbst entwickeln. Etwas trägt zur Entwicklung von anderem bei.

Je nachdem ob Wert darauf beruht, dass etwas aus sich selbst heraus werden kann, oder dass etwas geeignet ist, zu einem Wandel beizutragen, ist zwischen zwei Wertkategorien zu unterscheiden:

  1. Seinswert
  2. Gebrauchswert bzw. Funktionswert

Lebenden Subjekten, zu deren Wesen das Potenzial gehört, sich fortzu­entwickeln, kommt sowohl SeinswertJedes Lebewesen ist sowohl ein manifestes Werden als auch ein Werdenkönnen. Der entsprechende Seinswert hängt nicht davon ab, dass es einer weiteren Sache dient. als auch FunktionswertIndem man sich bei der Organisation eines gemeinschaftlichen Projektes engagiert, begründet man einen eigenen Funktionswert. zu. Gebrauchswert kommt Objekten zu, die zu jeweils spezifischen Wand­lungsprozessen beitragen können.

Seinswert ist unbedingt. Gebrauchswert kann erlöschen, wenn die Bedingungen wegfallenDer Gebrauchswert einer Diskette erlischt, wenn es keine passenden Laufwerke mehr gibt., unter denen er sich zeigen kann. Der besondere Wert des Lebendigen gegenüber dem Unbelebten liegt in seinem Wandlungs­potenzial.

2. Wert und Preis

Wertschätzung geht davon aus, dass der Wert der Sache, die zu schätzen ist, der Sache inneliegt. Der Wert wird als Schatz erkannt. Er wird nicht zugeordnet. Er hängt nicht vom Urteil dessen ab, der die Wertschätzung vollzieht. Wertschätzung bejaht Wert um seiner selbst.

Wert hängt nicht von Meinungen ab. Er bleibt auch dann bestehen, wenn niemand ihn erkennt. Ein Preis ist relativ. Er hängt vom Urteil derer ab, die ihn aushandeln.

Beim Festlegen eines Preises werden die Zwecke dessen, der den Preis festlegt, als Maßstab angesetzt. Im Gegensatz zum Wert, ist der Preis relativ. Während Wert durch das Urteil von außen weder gesteigert noch gemindertSolange es Platten gibt, die man darauf abspielen kann, ist der Wert eines Grammophons so hoch wie eh und je. Er verfällt nicht, bloß weil es zwischenzeitlich technische Geräte gibt, mit deren Hilfe man Musik besser wiedergeben kann. Nur der Preis und die Wertschätzung des Grammophons sind gesunken. Vor hundert Jahren legte man dafür ein halbes Monatsgehalt hin. Heute würden das nur Sammler tun, für die sich der tatsächliche Gebrauchswert eines Grammophons nicht aus dem Hörgenuss, sondern aus ihrer Sammelleidenschaft ergibt. werden kann, hängt der Preis gerade davon ab.

Wertschätzung ist Grundlage seelischer Gesundheit. Nur wer den Wert, der ihm unabhängig von äußerer Beurteilung bereits inneliegt, zu schätzen weiß, kann seelisch gesund sein.

Vom Wert des Einzelnen und dem aller

Der Einzelne besteht aus der Person, deren Rollen er auf der Bühne des Lebens spielt und aus dem Subjekt in seiner Tiefe. Die persönlichen Rollen sind das, was ihn von anderen unterscheidet. Die Subjektivität ist das, was er mit allen gemeinsam hat. Da die Individualität der Person der Subjektivität entspringt, ist eine Wertschätzung des Einzelnen ohne die Wertschätzung der gemeinsamen Grundlage nicht logisch.

Grundvoraussetzung seelischer Gesundheit ist daher nicht nur die Bejahung des eigenen Werts, sondern die Wertschätzung aller. Sichtweisen, die nicht jedem einen bedingungslosen Wert beimessen, sind krankhaft.

3. Bewertung und Wertschätzung

Von der Wertschätzung ist die Bewertung zu unterscheiden. Wertschätzung ist eine Folge des Wahrnehmens, Bewertung eine des Denkens und Urteilens. Während wirklicher Wert bei der Wertschätzung als Schatz erkannt wird, wird bei der Bewertung vorgestellter Wert entzogen oder zugeordnet.

Was eine Person erfahren hat, ist immer nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit. Zu alledem ordnet man Erfahrungen gemäß persönlichem Nutzen. Da das Denken aus dem Raster dieser Erfahrungen heraus urteilt, ist der Horizont seiner Resultate beschränkt.

Um wertzuschätzen, genügt es wahrzunehmen. Der Wert dessen, was man wahrgenommen hat, erschließt sich durch die Wahrnehmung von selbst. Erkennt man keinen Wert, hat man das Wahrgenommene unvollständig erkannt.

Bewertet wird von oben nach unten. Wertgeschätzt wird von gleich zu gleich.

Denken und Urteilen sind Funktionen des Geistes. Die Aufgabe des Denkens besteht im Entwurf von Vorstellungsbildern...also virtueller Landkarten..., anhand derer sich das Individuum orientiert. Dabei geht es von den Erfahrungen aus, die das Individuum gesammelt hat.

Anhand dieser Erfahrungen erstellt man Modelle der Wirklichkeit und bewertet Sachverhalte auf ihren Nutzen hin.

Zwischen Denken und Wahrnehmen gibt es ein Wechselspiel. Man nimmt etwas wahr und denkt darüber nach. So fügt sich das Wahrgenommene ins Weltbild. Oder man stellt Vermutungen an; und überprüft sie durch Wahrnehmung auf ihren Wahrheitsgehalt.

In jeder Bewertung steckt der Keim einer Abwertung. Selbst wenn man einen Menschen über alle Maßen preist, wertet man ihn ab.Wahrer Respekt beruht auf der Erkenntnis, dass man einen anderen nicht abschließend bewerten kann.

Das Denken geht mit seinen Möglichkeiten oft nachlässig um. Es verwechselt Vermutungen mit blanker Wahrheit und bewertet Dinge, die es kaum verstanden hat, mit einer Eile, die jede Weisheit schaudern lässt. Hält es Vermutungen für blanke Wahrheit, übertritt es die Schwelle zum Wahn. Bewertet es voreilig im Dienst von Hoffnung und Angst, verpasst es die Chance, tatsächlichen Wert zu entdecken.

4. Selbstwertgefühl und Narzissmus

Das Selbstwertgefühl ist eine Folge der Selbsterkenntnis. Wer seelische Inhalte vorur­teilsfrei mit respektvoller Neugier wahrnimmt, entwickelt ein Gefühl für den eigenen Wert, das von der Bewertung durch die Außenwelt unabhängig ist.Selbst wenn man auf der Suche nach Selbsterkenntnis Elemente in sich findet, die man für verwerflich hält, bedeutet die Fähigkeit, Elemente für verwerflich zu halten zugleich, dass das Erkenntnisvermögen selbst nicht verwerflich sein kann. Folglich kann auch der, der sich kritisch betrachtet, durch Selbstbetrachtung Wert in sich entdecken.

Echtes Selbstwertgefühl wird stets von der Wertschätzung anderer begleitet.

Beim pathologischen Narzissmus, also der krankhaften Eigenliebe, fehlt die ungestörte Selbstwahrnehmung. Statt sich selbst wahrzunehmen, bündelt das Ich seinen Blick selektiv auf das eigene Ego. Es nimmt sich nicht wahr, sondern verwechselt sich mit dem Bild, das es von sich entwirft. So kommt es zu einer abgrenzenden Überbewertung des Ich im betonten Gegensatz zu anderen. Ursache ist der Versuch, den Mangel an echtem Selbstwertgefühl durch Idealisierung des Ego und Abwertung anderer auszugleichen.

Selbstwertgefühl und pathologischer Narzissmus

Selbstwertgefühl Narzissmus
Quelle Resultat eigener Binnenschau Willkürliches Urteil aus dem Selbstbild des Ego heraus
Psychologischer Effekt Authentisches Gefühl eigenen Wertes
Unabhängigkeit von der Bewertung durch andere
Unterschwellige Selbstverachtung bei formalem Hochmut;
Kränkbarkeit und Hunger nach Anerkennung
Soziale Folge Wertschätzung anderer Abwertung anderer oder Idealisierung potenzieller Bündnispartner
Muster Ich weiß um meinen Wert Ich bin Stolz auf meine Taten

4.1. Kränkungen des Selbstwertgefühls

Das Selbstwertgefühl spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung psycho-sozialer Prozesse. Vor allem die Kommunikation mit dem persönlichen Umfeld wird entlang der Stärke des eigenen Wertgefühls gestaltet.

Ob Säuglinge ab Geburt über ein Selbstwertgefühl verfügen, oder ob es erst später aufkeimt, bleibt wohl für immer ihr Geheimnis. Als sicher kann gelten, dass das Selbstwertgefühl des Kindes durch ungünstige Beziehungsmuster im Umfeld schwer beeinträchtigt werden kann. Ungünstig sind:

Blickrichtungen

Faktoren, die das Selbstwertgefühl untergraben, haben eins gemeinsam. Sie richten Blick des Kindes überwertig auf das Umfeld aus.

So kommt es, dass das Kind sich selbst übersieht. Seiner selbst wird es kaum bewusst. Das mangelnde Beachtetsein wird als Unwertsein erlebt. Da vermeintlich Wertloses der Beachtung nicht würdig ist, kommt ein Teufelskreis in Gang.

4.2. Heilung des Selbstwertgefühls
Stolz auf Erfolg und große Taten ist eine narzisstische Lösung, durch die ein brüchiges Selbstwertgefühl prothetisch versorgt werden kann.

Das wertvollste Sein ist ein Sein, dass selbst nichts weiter als reines Werden-können ist.

Der Wert liegt nicht in dem, was geworden sein wird, also am Ziel, sondern in dem, was jetzt werden kann.

Das Paradies als Raum wertvollster Lebendigkeit kann keine endgültige Form eines So-und-nicht-anders-Seins sein. Es ist die Befähigung zu freiem Wandel.

In der Theorie ist die Heilung des Selbstwertgefühls unkompliziert. Das fehlende Gleichgewicht zwischen den Blickrichtungen ist durch eine verstärkte Wahrnehmung des inneren Erlebens auszugleichen.

In der Praxis ist die Heilung meist ein langer Weg, bei dem steinige Abschnitte zu bewältigen sind.

5. Würde

Würde ist eine Abwandlung des Wortes wert. Wer die Würde eines Menschen respektiert, achtet auf das, was ihm an Wert inneliegt. Insofern Wert Wandlungspotenzial bedeutet, gilt der Respekt nicht nur der Oberfläche dessen, was bereits ist, sondern dem noch schlafenden Potenzial in der Tiefe.

Von einer Würde des Alters kann nur sprechen, wer den Tod nicht als Ende, sondern als Übergang denkt.

Der eigenen Würde gerecht wird ein Verhalten, wenn es den Eigenwert beachtet. Da sich das schlafende Potenzial aber nur verwirklichen kann, wenn es bereits Verwirklichtes überwindet und damit dessen endgültige Werthaltigkeit infrage stellt, kann ein würdiges Verhalten nie auf die bloße Wertschätzung dessen ausgerichtet sein, was vom Potenzial bereits umgesetzt ist.

Was vom Potenzial verwirklicht ist, ist das, was man jetzt ist. Was man jetzt ist, ist die Person und das Potenzial, das darin verborgen liegt. Würdig verhält man sich also nur, wenn man die Person nicht so in den Vordergrund stellt, dass deren Bewahrung das Potenzial daran hindert, sie zu überwinden. Zu jeder Würde gehört Desinteresse am Status, den man inne hat.

Möglicherweise steckt hinter der Verwendung des Begriffs Mobbing im deutschen Sprachgebrauch ein Selbstwertzweifel deutscher Sprecher, denen der Begriff Abwertung der Verwendung nicht wert erscheint.

Nützliches

1.

Sorgen Sie dafür, dass Abwertungen Ihr Selbstbewusstsein steigern, indem Sie sich bewusst machen, wie Ihr Inneres auf Abwertungen reagiert. Wer gegen den Wind zu segeln weiß, dem wird sogar Gegenwind nützlich sein.

2.

Hüten Sie sich davor, konstruktive Kritik als Abwertung zu betrachten. Tatsächlich betreibt konstruktive Kritik das Gegenteil. Während das eine Ihnen zu schaden versucht, versucht das andere, Sie voranzubringen.

3.

Setzen Sie nicht das Wertgefühl anderer herab. Bleiben Sie stattdessen dem eigenen treu.

6. Abwertung

Zweifel am eigenen Wert sind weit verbreitet. Sie werden durch spaltende Weltanschauungen ebenso gefördert wie durch die Neigung des Menschen generell, Selbstwertzweifel durch Abwertung anderer auszugleichen. Da der Mensch dem Einfluss abwertender Faktoren regelhaft ausgesetzt ist, besteht für jeden die Gefahr, Zweifel am grundsätzlichen Wert seiner selbst zu verinnerlichen. Und hat er das getan, ist es nicht mehr weit bis zum Versuch, als Heilmittel des vermeintlichen Unwerts seinerseits Abwertungen gegenüber anderen einzusetzen. So schließt sich der Kreislauf.

Abwertungen richten Schaden an:

Was Sie im Umgang mit Abwertungen tun können


* Gemäß Herkunftswörterbuch des Duden-Verlags.