Nicht jeder Verfassungsfeind ist Demokrat. Aber jeder echte Demokrat ist ein Verfassungsfeind.

Die repräsentative Demokratie erkennt das Volk nur verbal als Souverän des Staates an. Tatsächlich behandelt sie es als Objekt einer Obrigkeit. Damit erzeugt sie psychologische und soziale Probleme, die das Wohl der Mehrheit beeinträchtigen.

Die repräsentative Demokratie war im 19. Jahrhundert Fortschritt. Heute ist sie legalisierte Korruption.

Unter der Herrschaft der etablierten Parteien verkommt Deutschland zu einer Bevormund­ungsrepublik, in der eine selbstherrliche Führungsschicht je nach Oppertunität eine vermeintlich alternativlose Politik betreibt, der es hinter fassadärer Menschenfreundlichkeit überwertig um Wirtschaftswachstum geht.

Politik


  1. Hierarchie und Selbstwert
  2. Demokratie
  3. Psychologie der politischen Radikalität
  4. Politik und Religion

1. Hierarchie und Selbstwert

Das Wohlbefinden des Einzelnen wird von sozialen Bedingungen mit­bestimmt. Soziale Bedingungen sind mit politischen Strukturen verzahnt. Beide Faktoren beeinflussen das Selbstbild und die Einstellung gegenüber dem Umfeld. Sie entscheiden darüber mit, inwieweit man sich selbst und andere bejaht.

Wertschätzung und seelische Gesundheit

Selbstbejahung ist die entscheidende Grundlage seelischer Gesundheit. Ohne unverbrüchliche Wertschätzung der eigenen Subjektivität ist seelische Gesundheit unvollständig. Wertschätzung der Subjektivität heißt dabei nicht, dass man alles, was man als konkrete Person tut und meint, für absolut rechtens hält. Wertschätzung der Subjektivität bezeichnet vielmehr eine weltanschauliche Hypothese: den eigenen Wesenskern, der hinter allen Taten und Meinungen verborgen liegt, mit dem Wesen dessen gleichzusetzen, das eine endgültige Unterscheidung zwischen wahr und unwahr verbürgt.

Da dieser Wesenskern mit dem Kern eines jeden Anderen zusammenfällt, bedeutet Wertschätzung der eigenen Subjektivität immer auch Wert­schätzung des Anderen. Der Andere wird als ebenbürtig anerkannt.

Je mehr ein politisches System über den Kopf des Einzelnen hinweg entscheidet, desto mehr ignoriert es das Bedürfnis nach Selbstbestimmung und greift dadurch in psychologische Gesetze ein, deren Beachtung für die seelische Gesundheit unverzichtbar ist.

Jedes politische System, das den Wert der Individualität missachtet, indem es die Ebenbürtigkeit aller einer festgesetzten Rangordnung unterstellt, fördert seelische Erkrankungen. Entscheidend dafür, ob eine politische Ordnung die seelische Gesundheit fördert oder schädigt, ist ihr Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen. Bejaht die Ordnung das Recht, dann ist sie förderlich. Ignoriert sie es, schadet sie.

Ein großer Teil des menschlichen Lebens und somit auch seiner Selbst­bestimmung findet in sozialen Gemeinschaften statt. Den übergeordneten Rahmen aller übrigen sozialen Strukturen bildet der Staat. Deshalb gehört das Mitbestimmungsrecht bei der Regelung staatlicher Belange zum Selbstbestimmungs­recht des Individuums.

Politische Entmündigung und Selbstwert

Sowohl in der echten Demokratie als auch in der repräsentativen hat die Stimme des Einzelnen keine große Bedeutung. Es gibt aber einen Unterschied. In der echten Demokratie geht die Stimme es Einzelnen in der Vielzahl auf, in der repräsentativen prallt sie an einem RangunterschiedDer Bundestag hat 631 Sitze. Auf Bundesebene mitbestimmen darf also einer von 130000. ab.

1.1. Grundformen politischer Ordnung

Die Geschichte hat eine Vielzahl politischer Systeme hervorgebracht. Dabei sind zwei gegensätzliche Prinzipien auszumachen. Die überwiegende Zahl der Systeme sind als Mischformen zu erkennen, die dem einen oder dem anderen Prinzip jeweils näher stehen. Die gegensätzlichen Herrschaftsprinzipien unterscheiden sich darin, wie viele Personen befugt sind, politische Entscheidungen zu treffen.

Barbarei hat zwei Gesich­ter: die Herrschaft Ein­zelner über viele und die Herrschaft der Vielen über den Einzelnen.

Herrschaftsprinzipien

hierarchisch / autoritär demokratisch / gleichberechtigt
Einer entscheidet Alle entscheiden
Absolute Monarchie
Führerdiktatur
Direkte Demokratie

Alle politischen Systeme können zwischen den genannten Polen eingeordnet werden. Die EntscheidungsbefugnisIm Sinne des "letzten Wortes"... in autoritär-hierarchischen Systemen liegt entweder in der Hand einer Person oder in der einer Gruppe, die sich zwecks Machterhalt gegen den Rest der Gemeinschaft verbündet.

Die repräsentative Demokratie, die vereinfachend als Demokratie bezeichnet wird, erweist sich bei näherer Betrachtung als Zwischenform. Sie ist keineswegs so autoritär wie ein diktatorisches System. Trotzdem hat auch in einer repräsentativen Demokratie nur ein winziger Bruchteil der Bevölkerung das Recht, bei politischen Fragen tatsächlich mitzuentscheiden.

Das Kernmotiv der Demokratie ist das Mitbestimmungsrecht des Einzelnen. Je mehr Mitbestimmungsrecht ein System dem Einzelnen vorenthält, desto weni­ger wird es dem Begriff Demokratie gerecht.

Dass der Mehrheit zugestanden wird, zu entscheiden, wer an ihrer Stelle entscheidet, kann nicht als demokratisch im Wortsinn bezeichnet werden. Bei der Wahl von Repräsentanten hat man nach der Stimmabgabe keine Stimme mehr.

2. Demokratie

Deutschland ist eine Demokratie. So heißt es. Viele glauben es. Tatsächlich stimmt es nicht.

Demokratische Wahlen und ihre Bedeutung

Worüber wird abgestimmt? Bedeutung
Gesetzesvorlagen der Politiker Das Volk entscheidet in Sachfragen, was es für richtig hält.
Probleme, die zur Klärung zu bearbeiten sind Das Volk als Souverän seiner selbst ist politisch aktiv. Es wird nicht regiert. Es regiert sich selbst.
Inhaber politischer Ämter Über die Besetzung politischer Ämter entscheiden nicht die Parteien, sondern das Volk.
Parteien In der Demokratie ist die Wahl von Parteien zweitrangig.

Zweierlei Wahlen der echten Demokratie:

  1. Das Volk wählt, was zu regeln ist
  2. Das Volk wählt, wie es geregelt wird.

DemokratieDemokratie heißt Volksherrschaft; von griechisch: demos (δημος) = Volk und kratein (κρατειν) = herrschen. ist ein politisches Prinzip, das zwischen den Interessen der Mitglieder einer Gemeinschaft so ver­mittelt, dass die Ebenbürtigkeit der Individuen dabei respektiert wird. Grundprinzip jeder Volksherrschaft ist die rechtliche Gleichheit aller Individuen, aus denen sich das Volk zusammensetzt.

In einer Demokratie ist das Volk Souverän des Staates. Als Souverän stimmt es über politische Entscheidungen ab. Da jeder Bürger das gleiche Stimmrecht hat, wird die Ebenbürtigkeit der Individuen beachtet. Eine Abwertung durch asymmetrische politische Strukturen kommt nicht zustande.

In der Demokratie sind Politiker und Parteien dem Volk unterstellt. Aufgabe demokratischer Politiker ist es, alter­native Gesetzentwürfe zu verfassen, die sie dem Volk zur Entscheidung vorlegen.

In der Demokratie beschäftigen sich Politiker nicht nur mit dem, was sie selbst für wichtig halten. Vielmehr gibt es Wahlverfahren, durch die das Volk der Politik Aufträge verbindlich zuweisen kann.

Beispiel

Direkte Demokratie ist freier Markt. Jeder packt in den Korb, was er kaufen will. Im Parteiensystem knüpfen Großhändler Fresspakete. Gurken bekommt, wer Mettwurst nimmt.
2.1. Politiker, Ämter und Parteien

Auch in der Demokratie spielen Parteien eine Rolle. Als Vertreter gesellschaftlicher Flügel betonen sie in den Parlamenten mehrheits­fähige Positionen. Da in der Volks­herrschaft aber nicht wechselnde Parteien herrschen, sondern immer nur das eine Volk, treten parteipolitische Prozesse in den Hintergrund.

Die Besetzung politischer Ämter hängt in der Demokratie nicht von der Mitgliedschaft in Parteien ab. Sie wird durch fachliche Qualifikation und Verdienste bestimmt. Wenn das Volk ihm vertraut, kann ein tüchtiger Minister unabhängig von der Größe seiner Partei dauerhaft im Amt bleiben.

2.2. Politische Struktur und seelische Gesundheit

Die seelische Gesundheit des Menschen hängt im Wesentlichen davon ab, ob es ihm gelingt, die widersprüchlichen Pole des psychologischen Grundkonflikts miteinander zu versöhnen. Direkte Demokratie ist das einzige politische System, das weder dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit noch dem nach Selbstbestimmung grundsätzliche Hürden entgegensetzt.

Entmündigung und Selbstbestimmungsrecht

In der repräsentativen Demokratie ist der Wähler auf die Fresspakete weniger Großhändler angewiesen. Dank der Fünf-Prozent-Hürde, bekommt er für seine Stimme im Tante-Emma-Laden nichts. Das fördert das Geschäft der Großhändler, führt aber dazu, dass der Wähler keine Möglichkeit hat, an der Urne nicht auch gegen seine Interessen zu handeln. Wählt er etwas, ist er gezwungen, auch für das zu stimmen, wogegen er ist. So schließt repräsen­tative Demokratie Menschen entweder ganz von politischen Entscheidungen aus oder sie nötigt sie, dem eigenen Verstand zu widersprechen.

Der Ausschluss durch Wahlverzicht ist ein Verstoß gegen die Zugehörigkeit, das Mitmachen gegen den eigenen Verstand vergewaltigt das Selbstbestim­mungsrecht. Wird dem Verstand widersprochen, fördert das Irrationalität. Wird das Selbstgestimmungsrecht missachtet, fördert das Hass. Der Fremd­bestimmungsanspruch der repräsentativen Demokratie treibt Entmündigte in Radikalität.

2.3. Repräsentative Demokratie

Die repräsentative Demokratie, die uns heute regiert, ist nur im Ansatz demokratisch. Statt dass die Mehrheit durch Abstimmungen Sachfragen entscheidet, wird ihr bloß zugestanden, darüber zu entscheiden, welche Partei sie zukünftig bevormunden wird. Die Macht des Volkes wird durch die Macht von LobbyistenIm Herrschaftsystem der "Lobbykratie" sind verschiedene Ebenen des Lobbyismus miteinander verzahnt. Nicht nur dass sich der Parteipolitiker mit Lobbyisten verschiedener Interessensgruppen abspricht; er selbst ist Lobbyist seiner Wähler. Allerdings vertritt er auch deren Interessen nur mit gebrochener Treue, da er einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit auf das eigene Fortkommen verwendet. Die Wahrung gemeinschaftlicher Interessen wird durch die persönlichen ihrer vermeintlichen Bewahrer gefährdet. ersetzt.

Ganzheit und Partei
Der Begriff Partei geht auf das lateinische pars = Teil zurück. Parteien repräsentieren Teile des Volkes, nicht aber das Volk als Ganzes. Die Herrschaft einer Partei ist niemals eine Herrschaft des Volkes. Das Volk ist eine plurale Ganzheit. Auch bei seinen Entscheidungen werden Sichtweisen überstimmt. Trotzdem trifft das Volk in einer echten Demokratie wichtige Entscheidungen stets als Ganzes.

Jedes System, das die Entscheidungs­macht des Volkes und damit der Individuen, aus denen das Volk besteht, durch eine Herrschaft bestimmter Teile der Gesellschaft über alle anderen Teile untergräbt, ist ein Faktor, der soziale Spannungen schürt.

Die repräsentative Demokratie zwingt Politiker in ein tief gestaffeltes System von Korruption, Kalkül und Kungelei. Für einen Sitz im Parlament wird ein Schul­denturm errichtet, der die Enkel zu erschlagen droht. Immer mehr Men­schen werden in diesem System von der Idee einer solidarischen Gemeinschaft entfremdet. Eine öffentliche Ordnung, die parteiliche Interessen betont, schwört den Zeitgeist auf egozen­trisches Konkurrenzdenken ein. Mehr als er es sowieso schon ist, wird jeder zur Partei der eigenen Person.

Der Begriff repräsentative Demokratie verschleiert, was tatsächlich geschieht. Er unterstellt, dass ein Herrscher sich in Sachen Herr­schaft vertreten lassen kann. Das ist widersinnig. Niemand herrscht, wenn er die Herrschaft an andere abtritt.

In der repräsentativen Demokratie gibt der Einzelne bei den Wahlen tatsächlich seine Stimme ab. Mit der Stimmabgabe stimmt er seiner politischen Entmündigung zu. Herrschaft übt das Volk nach der Wahl nicht mehr aus. Vielmehr wird es von oben herab regiert. Die repräsentative Demokratie erfüllt das wesentliche Kriterium des Begriffs DemokratieTrüge unsere Staatsform den Titel Demokratie zu Recht, dann wäre auch eine Verfassung demokratisch, die es dem Volk erlaubt, alle 30 Jahre einen König zu wählen, der in der Zwischenzeit sämtliche Entscheidung trifft. Ein solcher König wäre doch ebenfalls ein gewählter Repräsentant des Volkes. Oder etwa nicht? damit nicht.

Während echte Demokratie jeden Einzelnen vollgültig zur Teilnahme an der Gemeinschaft einlädt und damit die Tür zur Zugehörigkeit ebenso offenhält wie die zur Selbstbestimmung, entmündigt Parteien­herrschaft die Mehrheit des Volkes in politischen Fragen. Damit bedingt sie ein gesellschaftliches Klima latenter Entwertung und chronischer Unzufriedenheit. Fast jeder hat das Gefühl, dass er von denen da oben irgendwie betrogen wird.

Nachteile der repräsentativen Demokratie

2.3.1. Konformität und Kompromiss

Innerhalb ihrer Partei stehen Politiker unter hohem Druck. Stets müssen sie ihre Sichtweisen der Parteilinie anpassen. Wer authentisch ist und kompromisslos zu dem steht, was er tatsächlich denkt, wird Außenseiter.

Im Kontakt mit dem politischen Gegner findet man das Gegenteil. Hier wird Kompromiss­unfähigkeit zur Regel. Zu beobachten ist das Phänomen bei Polit-Runden im TV. Echte KommunikationVon lateinisch communicare = gemeinschaftlich tun, mitteilen. findet dort nicht statt. Statt zu versuchen, die Sichtweise des Gegners zu verstehen und einen Mittelweg zu finden, betreibt man DiskussionVon lateinisch discutere = zerschlagen, zerlegen. Discutere geht seinerseits auf quatere = schütteln, stoßen, beschädigen zurück.. Bei der Diskussion wird nicht zugehört, sondern auf ein passendes Stichwort gewartet, um die eigene Sichtweise als einzig richtig darzustellen und die Sichtweisen des Gegners als wertlos vom Tisch zu fegen.

Zwischen dem innerparteilichen Druck zur Konformität und der mangelnden Kompromiss­fähigkeit nach außen besteht eine kausale Wechselwirkung. Sie ist politisch und psychologisch begründet.

2.4. Volksentscheid und demokratische Legitimität

Deutschland hat keine demokratisch legitimierte Regierung. Das geltende Grundgesetz wurde nicht vom Volk beschlossen - also demokratisch -, sondern vom Parlamenta­rischen Rat. Dieser bestand aus Mitgliedern 1949 bereits etablierter Parteien. Das von diesen Interessensgruppen erlassene Grundgesetz schließt demokratische Willensäuße­rungen des VolkesVorgesehen ist ein Volksentscheid eigentlich nur für den Fall einer Neuaufteilung der Bundesländer. weitgehend aus. Stattdessen legt es jene Machtstrukturen fest, aus denen heraus es entstand. Es ist darauf zugeschnitten, die Macht der Parteien zu garantieren.

Volksentscheide oder Bürgerbegehren sind in den Landesverfassungen vorgesehen. Ihre politische Wirksamkeit ist jedoch entscheidend beschnitten. Zum einen gibt es für die Initiatoren eines Volksentscheids erhebliche organisatorische, bürokratische und finanzielle Hürden. Zum anderen sind Volksentscheide über wirklich wichtige Themen gar nicht zulässig. So darf ein Volksentscheid nicht das Grundgesetz selbst infrage stellen; und damit genau jene Ordnung, die den Parteien das alleinige Beschlussrecht über alle wichtigen Fragen des Staates zuweist.

Die Unfähigkeit des Parteiensystems, Antworten auf drängende Fragen zu finden, erzeugt ein Gefühl der Bedrohung. Menschen reagieren darauf mit Angst, Wut und Resignation. Das Problem kann durch die Einführung demokratischer Verhältnisse gelöst werden.

Wie unbedeutend die Sichtweisen des Volkes für die derzeitige Grundordnung sind, zeigt die Auswirkung der Wahlbeteiligung auf die Besetzung der Parlamente. Ob das Volk wählt oder nicht, hat keine Bedeutung. Für ein gültiges Wahlergebnis reicht es aus, wenn sich die Abgeordneten selber wählen. Auch wenn niemand sonst den Kandidaten das Vertrauen ausspricht, kann das Volk sie nicht daran hindern, alle verfügbaren Sitze in den Parlamenten mit sich selbst zu besetzen.

2.4.1. Selbst- und Fremdbestimmung

Demokratische Grundregel

Es gibt nur eine demokratische Grundregel. Sie drückt das Wesen der Volksherrschaft aus:

Der Zugang zur Neubestimmung aller übrigen Rechtsordnungen ist dem Volk offen zu halten.

Das Grundgesetz ist so konzipiert, dass es für zukünftige Generationen nur schwer zu verändern ist. Dadurch liegt die Gegenwart im Korsett vergangener Sichtweisen. Das ist antidemokratisch. Das gegenwärtig existierende Volk wird durch Verstorbene fremdbestimmt.

Die Befürworter der repräsentativen Demokratie begründen ihren Widerstand gegen eine echte Demokratisierung mit der Sorge, ein sich selbst bestimmendes Volk wähle Diktatur, Krieg und Barbarei. Sie verweisen auf das Dritte Reich und übersehen dabei Entscheidendes:

2.4.2. Bürgerliche Grundrechte

Ein gesellschaftliches Klima, das die seelische Gesundheit der Bürger fördert, ist ohne Garantie der individuellen GrundrechteSo grundlegend Bürger- und Menschenrechte auch sind, sie sind nicht zwingend demokratisch. Auch eine Diktatur könnte diese Rechte gewähren, wenn sie auf dem staatlichen Gewaltmonopol beharrt und es keine juristischen Mittel gibt, den Diktator friedlich zu stürzen.

Wie man weiß, ist der Respekt vor den Menschenrechten aber umso größer, je demokratischer es zugeht.
nicht denkbar. Zu diesen Rechten zählen:

Obwohl diese RechteAuch in einer echten Demokratie könnte man die Grundrechte durch eine 2/3-Hürde vor übereilten Entscheidungen schützen. per Volksentscheid abgeschafft werden könnten, gibt es nur wenig Grund zur Sorge, dass dies in einer echten Demokratie wahrscheinlicher ist als in einer repräsentativen. In einer repräsentativen Demokratie braucht das Volk nur rechts- oder linksradikalWohlgemerkt:
Radikale Sichtweisen sind Frühindikatoren gesellschaftlicher Probleme. Es ist klug, sie ernst zu nehmen. Auch ihnen liegt ein wahrer Kern zu Grunde. Auch wenn sie perspektivisch verzerrt sein mögen und in ihrer Verzerrung gefährlich, macht es Sinn herauszuhören, welches tatsächliche Problem die Radikalität zu Recht benennt. Nur dumme Menschen meinen, dass der politische Gegner völlig im Unrecht ist.
zu wählen. Schon sind die Bürgerrechte in Gefahr.

Erstaunlich

Das häufigste Argument gegen die Einführung direkter Demokratie ist die Sorge, das Volk werde Demagogen folgen, gäbe man ihm das Recht, politisch über sich zu entscheiden. Nur die repräsentative Demokratie könne uns davor bewahren, dass das Volk in seiner Blindheit das Böse an die Macht versetzt.

Dass die BlindheitBei manchen ist man versucht zu sagen: die zum eigenen Vorteil selbst gewählte Blindheit. bei den Verfechtern der repräsentativen Demokratie liegt, ist offensichtlich. Hitler wurde keinesfalls direkt demokratisch gewählt. Sein Aufstieg erfolgte in einer repräsentativen Demokratie, also in genau dem­selben System, das sich heute brüstet, es schütze uns vor dem, was es selbst hervorgebracht hat.

Demagogie geht auf griechisch demos (δημος) = Volk und agein (αγειν) = führen zurück. Der Begriff bezeichnet das Bestreben, das Volk davon abzuhalten, politisch für sich selbst zu stehen und sich stattdessen Führern anzuvertrauen. Erfolgreiche Demagogen sitzen heute im Parteivorstand und warnen das Volk vor sich selbst. Haltet den Dieb! ruft der Dieb und zeigt in die Menge der Bestohlenen.

Dabei weiß jeder, der die Geschichte kennt, dass sich kaum ein Land je so wenig politisch verirrt hat, wie die einzige Demokratie, die in Europa diesen Titel tatsächlich verdient: die Schweiz.

3. Psychologie der politischen Radikalität

Die Hoffnung der Linken ruht auf einer nährenden Mutter, die der Rechten auf einem schützenden Vater. Der Rechte will auf keinen Fall bevormundetDer Widerstand gegen das Diktat von Versailles, also die Fremdbestimmung durch die Siegermächte, war eine wesentliche Triebkraft beim Aufstieg des Nationalsozialismus.

Ein Wort kenne ich nie und werde es nie kennen... es heißt... Kapitulation, d.h. Ergebung in den Willen eines anderen - niemals, niemals!
(Hitler am 29.4.41 im Sportpalast)
werden. Der Linke will auf keinen Fall verloren gehen. An den politischen Rändern gehen die Motive ineinander über.

Zum Spektrum politischer Ausrichtungen gehört ein polares Gegensatz­paar: Rechts- und Linksradikalität. Politische Ansichten werden in großem Maße durch psychologische Faktoren bedingt. Das trifft bei radikalen Positionen ebenso wie bei gemäßigten zu.

Eine wesentliche psychologische Grundlage des Gegensatzes zwischen Rechts- und Linksradikalität besteht in der Position der Beteiligten im Spannungsfeld des Psychologischen Grundkonflikts.

Der Psychologische Grundkonflikt setzt sich aus den Bedürfnissen nach Zugehörigkeit und Selbstbestimmung zusammen. Diese Bedürfnisse widersprechen einander. Der Konflikt, der daraus entsteht, ist ein Grundthema des menschlichen Daseins. Er verästelt sich in sämtliche Bereiche zwischenmenschlicher Beziehungen: also auch in die politischen Sichtweisen jedes Einzelnen.

Gegensätzliche Betonung psychologischer Bedürfnisse

Der Rechtsradikale... Der Linksradikale...
betont Selbstbestimmung.Wir sollten wir selbst bleiben. betont Zugehörigkeit.Wir sollten alle zusammenhalten.
fürchtet sich, fremdbestimmt zu werden. fürchtet, allein auf sich gestellt verloren zu gehen.
wünscht sich einen mächtigen Vater, der ihn gegen Fremdbestimmung verteidigt. sieht die Gesellschaft als nährende Mutter, die ihn umfassend versorgt.
findet Zugehörigkeit, indem er sich einer Gemeinschaft anschließt, der er gehorcht. sucht Selbstbestimmung, indem er im Schoß der Gemeinschaft auf Eigenständigkeit pocht.

Politische Radikalismen benennen zwei Themen, die von psychologischer und sozialer Bedeutung sind. Dass den Themen durch die Radikalität, mit der sie vorgetragen werden, eine übertriebene Bedeutung zugesprochen wird, deren Einseitigkeit auszu­gleichen ist, macht die Benennung der Themen nicht falsch.

Viele werten das Anliegen der einenEs macht Sinn, das Innere gegen willkürliche Einflüsse von außen zu schützen. oder anderenEs macht Sinn, niemanden aus der Gemeinschaft auszugrenzen, bloß weil er aus eigener Kraft nicht mithalten kann. Radikalität als reine Verirrung oder blanke Bosheit ab. Dabei wäre es besser, sich von der Illusion zu befreien, nur man selbst sei in der Lage, Probleme zu erkennen. Besser gäbe man den Glauben auf, dass jeder, der auf Probleme hinweist, die man selbst nicht sieht, ein bloßer Dummkopf ist.

4. Politik und Religion

Religion ist eine ernste Sache. Sie ist weder Rollenspiel noch Maskenball. Sie ist auch keine Ausrichtung von Massen nach dem Taktstock Einzelner. Sie versucht das Bedingte ans Unbedingte zu erinnern. Was sich als politische Religion bezeichnet, hört damit auf religiös zu sein.

Während sich Religion und Spiritualität mit dem Verhältnis des Einzelnen zur Wahrheit befassen, befasst sich Politik mit dem Verhältnis Einzelner zueinander. Politische Organisationen sind Bündnisse Einzelner. Ihr Ziel ist die Beschaffung und Sicherung innerweltlicher Vorteile in bewusster Abgrenzung gegenüber anderen. Religion ist vertikal, Politik horizontal. Beides sind verschiedene Kategorien.

Direkte Demokratie ist die einzige Herrschaftsform, die beide Kategorien stimmig verbindet. Direkte Demokratie respektiert das Subjekt als Entscheid­ungsträger. Sie öffnet damit das Tor, durch das die Gewissensentscheidung des Einzelnen unmittelbar ins politische Leben eingreifen kann. Und auch dann, wenn es nicht gleich ums Gewissen geht, kann man in jeder Frage für sich entscheiden, ohne dass man sich damit für andere Fragen entmündigt.

Eine Kultur, die das Absolute zu Gunsten des Vorläufigen aus den Augen verliert, steu­ert auf ihren Untergang zu.

Da sich politische Organisationen um Machterwerb und Machterhalt bemühen, neigten sie von je her dazu, Machtansprüche als göttlichen Auftrag auszu­geben. Obwohl schon die ägyptische Theologie den Monotheismus formulierte, gelang es erst Moses, die Idee vom einen Gott in dauerhafte politische Vorteile umzusetzen. Da Monotheismus totalitären Machtinteressen grundsätzlich im Wege steht, hat Moses statt echtem Monotheismus einen politischen Bekenntniskult verkündet.

Politische Religionen errichten hierarchische Systeme. Sie sind grundsätzlich antidemo­kratisch. Echte Demokratie ist der politische Ausdruck eines Menschenbilds, das seinen Schwerpunkt in mystischer Spiritualität verankert. Die Einführung von Demokratie geht mit der Entmachtung der politischen Religionen Hand in Hand. Ohne dass das Vakuum durch echte Religiosität gefüllt wird, hat Demokratie keinen Bestand.