Quellen der Überlastung

  • Berufstätigkeit
  • Leistungsdruck in Schule, Studium und Ausbildung
  • Erziehungspflichten
  • Pflege bedürftiger Angehöriger
  • Chronische Paarkonflikte
  • Ungünstige Umfeldbedingungen
  • Persönlicher Ehrgeiz
  • Ungelöste innerseelische Konflikte

Grundlagen der Überlastung

Überlastung entsteht, wenn belastende Faktoren aus dem Umfeld oder persönliches Fehlverhalten die Grenzen der individuellen Belastbarkeit über­schreiten. Was als Überlastung empfunden wird, ist variabel. Je nach momentaner Befindlich­keit kann man heute Dinge verkraften, denen man gestern nicht gewachsen war; und umgekehrt.

Ebenso variabel ist die Belastbarkeit verschiedener Personen. Der eine läuft im Akkord zur Höchstleistung auf, ein anderer bricht zusammen.


Entlastung


  1. Einsatzgebiete
  2. Methoden
  3. Risiken
  4. Vorbeugung

1. Einsatzgebiete

Viele seelische Störungen werden durch Überlastung verursacht oder verschlimmert. Zu nennen sind:

In solchen Fällen ist Entlastung eine eigenständige thera­peutische Maßnahme. Oft reichen entlastende Maßnahmen als alleinige Therapie aus. Meist werden sie aber mit anderen Maßnahmen kombiniert.

Andere Krankheitsbilder bedürfen zur Heilung oft ebenfalls entlastender Maßnahmen. Die Ursachen solcher Störungen sind jedoch komplexWohlgemerkt: Auch die Ursachen der sechs oben genannten Störungen sind von Fall zu Fall so komplex, dass die alleinige Entlastung nur teilweise oder vorübergehend wirksam ist.. Entlastung als alleinige Maßnahme reicht hier kaum je aus. Dazu gehören:

Grenzen der Belastbarkeit

Die wichtigste Quelle der Überlastung liegt heute in der Arbeitswelt. Ein Zeitgeist, der jedem die Maximierung des Gewinns verspricht, zieht dort die Schrauben immer enger.

So entsteht ein Kreislauf:

2. Methoden

Bei entlastenden Maßnahmen steht die Entlastung entweder im Vordergrund oder sie ist ein wichtiger Nebeneffekt.

Als primär entlastende Maßnahmen gelten:

Bei der Akutbehandlung wird die Wirkung von Entlastung und Umsorgung unterschätzt. Kaum ein Patient wird in der Klinik nicht mit Psychopharmaka behandelt. Geht es ihm nach eine Weile besser, wird das einseitig der Medikation zugeschrieben. Deren "Effekt" geht nach der Entlassung oft verloren. Viele Patienten setzen Medikamente wieder ab; weil sie von der Wirkung enttäuscht sind und die Nebenwirkungen ins Bewusstsein rücken.

Tatsächlich hatte nicht das Medikament geholfen, sondern die Tatsache, in der Klink vom Alltag entlastet zu sein.

Maßnahmen mit stark entlastendem Nebeneffekt sind:

3. Risiken

So wichtig entlastende Maßnahmen sind, so wichtig ist es auch, sie sinnvoll zu dosieren. Wie bei einer Medikation gilt auch hier: Überdosierung kann schädlich sein.

Nicht selten sind äußere Faktoren alleinige Ursache von Überlastungen. In der Regel werden sie aber von dysfunktionalenDysfunktional ist ein Begriff aus der Verhaltenstherapie. Er besagt, dass die Verhaltensweise, mit der man ein Problem angeht, nur wenig geeignet ist, fruchtbare Lösungen zu bewirken. Verhaltensweisen mitbestimmt.

Entlastung kann schaden, wenn sie nicht dazu dient, Kraft für kreative Lösungen zu schöpfen, sondern die Mühen zu umgehen, die die Suche nach kreativen Lösungen mit sich bringt.

Dysfunktionales Verhalten tritt chronisch oder akut auf. Akut tritt es auf, wenn man unvorberei­tet vor einer neuen Situation steht und unange­messen reagiert. Hier spricht man von einer aku­ten Belastungsreaktion. Akute Belastungsreak­tionen bilden sich in der Regel rasch zurück.

Chronisch dysfunktionales Verhalten ist meist Folge spezifischer Persönlichkeitsprobleme. Persönlichkeitsprobleme führen dazu, dass man in bestimmten Situationen immer wieder unangemessen reagiert. Daraus entstehen Anpassungsstörungen, die auf Dauer an den Kräften zehren. Die Mehrzahl der Überlastungssyndrome sind mit Persönlichkeitsproblemen verschwis­tert.

Hospitalismus und Co-Abhängigkeit

Hospitalismus beschreibt ein Phänomen, das man bei dauerhaft stationär behandelten Patienten beobachten kann. Viele solcher Patienten geben ihre Eigeninitiative im Laufe der Zeit auf und überlassen sich passiv der versorgenden Struktur. Das kann zu wachsender Abhängigkeit von Hilfsstrukturen führen.

Das Grundproblem des Hospitalismus ist keinesfalls auf stationäre Versorgung beschränkt. Auch von ambulanten Helfern (Ärzten, Pflegediensten, Ergotherapeuten, Suchtkrankenhelfern, Betreuern aller Art) geht stets die Gefahr aus, die Selbstregulation der Hilfsbedürftigen durch übereifriges Helfen zu untergraben.

Co-Abhängigkeit beschreibt einen wesentlichen Aspekt dieser schädlichen Dynamik. Nicht nur die Hilfsbedürftigen bleiben in Abhängigkeit, auch die Helfer sind es. Zum einen aus ökonomischen Gründen: Die Verdienst­möglichkeiten der Helfer hängen von den Bedürftigen ab. Deren Selbstän­digkeit zu fördern ist folglich eine zwiespältige Sache; und wenn man dem Klienten zu wenig bietet, geht er womöglich zur Konkurrenz. Zum zweiten besteht eine emotionale Abhängigkeit. Im Gewähren der Hilfe kann ich als Helfer mein Selbstwertgefühl steigern. Denn: Wer hilft, ist gut und stark. Oder etwa nicht?

Situationen, für die man nur unangemessene Antworten kennt, sind unangenehm. Man neigt dazu, das Unangenehme zu umgehen. Tut man es gelegentlich, wird kein Schaden entstehen. Tut man es zu oft, verpasst man die Chance, geeignete Antworten für jene Situationen zu finden, mit denen man sich schwer tut. Resultat ist ein chronisches Vermeidungsverhalten, das von Selbstwertzweifeln begleitet wird.

Menschen in Not fürchten sich vor dem Leben. Andere geraten in Not, weil sie sich vor dem Leben fürchten... und ständig nach Wegen Ausschau halten, wie man die unangenehmen Seiten des Lebens umgehen kann. Dann ist es für den Helfer schwer zu entscheiden, ob die Entlastung, die er dem Hilfesuchenden verschafft, nicht der Bequemlichkeit und der Vermeidung von Lebensängsten dient.

Vermischte Motive
Nicht jeder, der vordergründig Entlastung erbittet, ist einzig vom Motiv beseelt, Entlastung zu finden. So mancher Wunsch nach einer längeren Krankschreibungszeit ist ein Werkzeug im Kampf gegen Chefs und Kollegen, die man durch Fernbleiben unter Druck setzen will.

Fragwürdige Entlastungen

4. Vorbeugung

Jeder kann überlastet werden. Allerdings ist die Gefahr, durch Überlastung zu erkranken, unterschiedlich groß. Es gibt psychologische Muster, die öfter dazu führen als andere. Und es gibt Muster, die vor Überlastung schützen.

Um sich vor Überlastungen zu schützen, gilt es...

  1. Warnsignale zu beachten.
  2. den Mut aufzubringen, nein zu sagen.

Schutz vor Überlastung bietet ein wacher Geist, der spürt, was ihn bewegt und der Mut, auf Anerkennung zu verzichten.

Warnsignale, die einer seelischen Erkrankung durch Überlastung vorausgehen, sind ...

Um Warnsignale zu beachten, ist es erforderlich, sie wahrzunehmen. Ein wesentlicher Grundpfeiler zum Schutz gegen Überlastungen ist die Gewohnheit, innerseelischen Ereignissen Achtsamkeit zu schenken.

Das Nein-sagen an sich ist eigentlich ein Kinderspiel. Eigentlich beherrscht man es ab drei perfekt. Es gibt jedoch eine Menge persönlicher Motive, zuzustimmen, obwohl man damit nicht im Reinen ist. All diese Motive kreisen um ein Thema: Das verborgene Gefühl, so wie man ist, nicht zu genügen und in der Folge auf Anerkennung angewiesen zu sein.

Was die Achtsamkeit bei Überlastungsopfern meist erkennt, ist ein Bemühen um die Bestätigung durch andere. Wenn man dieses Bemühen versteht, findet es den Platz, von wo aus es nur noch wenig schaden kann.