Wer schläft, richtet nichts aus. Im Schlaf lässt man alles stehen und liegen, ohne darauf einzuwirken. Wer einzuschlafen versucht, will etwas erreichen. Wer aber etwas erreichen will, muss wach bleiben, um das Ziel anzupeilen.

Am besten schläft man, wenn es egal ist, ob man es tut oder nicht.

Durch Grübeln versucht man, Mittel zu finden, mit denen man an den Dingen etwas ändern könnte. Da man durch Grübeln solche Mittel nur selten findet, ist es besser zu lernen, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.

Wer sich selbst lässt, wie er ist, wird auch die Dinge lassen, wie sie sind.

Wach zu sein, ist oft auch Widerstand dagegen, wirklich wach zu werden.

Früher schlief man, weil man müde war. Heute will man schlafen, um für morgen fit zu sein. Das Ego will den Schlaf missbrauchen. Es hält ihn für ein bloßes Werkzeug, das dem nächsten Tag zu dienen hat. Eitelkeit! Wer den Schlaf missbrauchen will, braucht sich nicht zu wundern, dass er sich dagegen wehrt.

Schlafstörungen


  1. Begriffsbestimmung
  2. Einteilung
    1. 2.1. Gesteigertes Schlafbedürfnis / Hypersomnie
    2. 2.2. Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus
    3. 2.3. Schlafapnoe
    4. 2.4. Narkolepsie
    5. 2.5. Psycho-physiologische Ein- und Durchschlafstörung
  3. Psychodynamik der Psycho-physiologischen Schlafstörung
    1. 3.1. Festhalten und loslassen
    2. 3.2. Wachwerden und einschlafen
    3. 3.3. Egozentrische Deutung
  4. Umgang mit Schlafstörungen
    1. 4.1. Grundregeln
    2. 4.2. Medikamentöse Behandlung
    3. 4.3. Abkehr und Hinwendung

1. Begriffsbestimmung

Es ist nicht schwer zu erraten, welches Eigenschaftswort zur nächsten Verwandtschaft des Schlafes gehört: schlaff. Allein diese Tatsache lässt bereits erahnen, was hinter vielen Schlafstörungen steckt: ein Sich-auf-etwas-versteifen; auf etwas, was passieren soll oder nicht passieren darf....einschließlich dessen, was bereits passiert ist, aber auf keinen Fall wieder passieren sollte.

2. Einteilung

Schlafstörungen sind die häufigsten psychiatrischen Symptome. Meist sind sie rein seelisch bedingt. Oft spielen aber auch körperliche Faktoren eine Rolle. Kaum jemand bleibt ein Leben lang davon verschont. Problematisch werden Schlafstörungen, wenn sie dauerhaft sind.

Die Schlafmedizin unterscheidet eine große Zahl verschiedener Formen. Bei der Behand­lung kommen unterschiedliche Mittel zum Einsatz: Selbsthilfe, Maßnahmen zur Schlaf­hygiene, Psychotherapie, Medikamente, Überdruck-Beatmungsgeräte und Operationen.

Die WHO klassifiziert Schlafstörungen uneinheitlich. Mal benennt sie bloß die Symp­tomatik, mal zählt sie gesonderte Krankheiten auf.

Schlafstörungen gemäß ICD-10-Klassifikation der WHO

Name ICD-Nummer
Ein- und Durchschlafstörungen / Insomnie G47.0
Krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis / Hypersomnie G47.1
Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus G47.2
Schlafapnoe G47.3
Narkolepsie und Kataplexie G47.4
Sonstige Schlafstörungen G47.8

Bei genauer Betrachtung erweist sich, dass Schlafstörungen in weit mehr Varianten unterteilt werden können. Sie unterscheiden sich je nach Erscheinungsbild, Sympto­matik und Ursache. Die Internationale Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD-R) zählt 88 Formen auf. Sie unterteilt sie in drei Gruppen: Dyssomnien, Parasomnien und Schlafstörungen bei körperlichenZum Beispiel bei schlafbezogenen Kopfschmerzen und Epilepsien, Demenz, Parkinsonerkrankungen, nächtlichen Herzschmerzen, Magengeschwüren, Schmerzsyndromen aller Art, Störungen der Atmung (Asthma), etc. oder psychiatrischenSchlafstörungen können Begleitsymptom vieler psychiatrischer Erkrankungen sein: von Psychosen, manischen und depressiven Störungen der Affektivität, Angst- und Zwangsstörungen, Suchterkrankungen. Erkrankungen.

DyssomnieEnthält die griechische Vorsilbe dys- [δυς] = normabweichend, fehlerhaft, schlecht.

Störung der Schlafmenge, der Schlafqualität oder des Schlafrhythmus

ParasomnieVon griechisch para (παρα) = neben, während und lateinisch somnus = Schlaf.

Ungewöhnliche Ereignisse im Schlaf
(z. B.: Schlafwandeln, Einschlafzuckungen, Wadenkrämpfe, Zähneknirschen,Fachbegriff: Bruxismus Sprechen im Schlaf, Schnarchen)

Dem größten Teil der 88 Schlafstörungen liegen medizinische Ursachen zugrunde, die nur durch eine individuelle Diagnostik aufzudecken sind. Die höchste Trefferquote gelingt in einem Schlaflabor.

2.1. Gesteigertes Schlafbedürfnis / Hypersomnie

Krankhafte Steigerungen des Schlafbedürfnisses sind eher selten. Folgende Formen werden beschrieben:

Vorübergehend kann es auch nach Missbrauch stimulierender Substanzen (z.B. Amphe­taminen, MDMA, Kokain) zu gesteigertem Schlafbedürfnis kommen. Der Konsument holt nach, was er unter Drogeneinfluss versäumt hat.

Alterserscheinungen
Die Regulation der Bewusstseinszustände basiert auf organischen Strukturen. Ein Blick in den Spiegel verrät, dass man heute nicht mehr so aussieht wie früher. Organische Strukturen mögen zu Beginn des Lebens reifen, ab sechzehn altern sie. Was für die Haut gilt, gilt auch für das Gehirn... und da Alterungsprozesse Funktions­verlust bedeuten, kann man davon ausgehen, dass die organische Grundlage einer erfreulichen Schlafregulation im Alter nicht besser wird.
2.2. Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus

Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus können durch äußere wie innere Bedingungen gefördert werden. Zu den äußeren Bedingungen gehören der Zeitzonenwechsel bei Flugreisen, die Arbeit in Wechselschichten sowie die Abkopplung von sozialen Taktgebern bei sozial isolierten Personen.

Zu den inneren Bedingungen zählen organische Veränder­ungen des Gehirns: zum Beispiel im Rahmen demenzieller Entwicklungen. Bei dementen Patienten wird aber nicht nur die organische Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus brüchig. Durch die Demenz vermindert sich auch die Ausrichtung auf das soziale Umfeld. Dadurch kommt es zu einer Abkopplung von äußeren TaktgebernDer demente Patient verliert seine Aufgaben im sozialen Gefüge. Da er von keinen Erfordernissen mehr beansprucht wird, sitzt er tatenlos herum. Er schläft ein, wenn er gerade mal müde ist. Da er tagsüber oft schläft, ist er nachts wach. Da er nachts wach ist, ist er tagsüber müde..

2.3. Schlafapnoe

Das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom beruht auf einem periodischen Verschluss der oberen Atemwege durch verminderte Muskelspannung oder anatomische Veränderun­gen im Kehlkopf. Durch den Verschluss kommt es zu wiederholtem Sauer­stoffmangel, der zum Aufwachen führt: meist begleitet von heftigen Schnarch­geräuschen. Durch die ständigen Weckreize wird der Schlaf erheblich gestört, was zu Tagesmüdigkeit führt.

Die Schlafapnoe ist eine schwerwiegende Störung, die gefährliche Folgeerkrankungen und eine verkürzte Lebenserwartung nach sich ziehen kann. Sie bedarf eingehender Abklärung und Behandlung: entweder durch operative Eingriffe oder durch eine Überdruck-Beatmung (CPAPContinuous positive airway pressure).

2.4. Narkolepsie

Bei der Narkolepsie handelt es sich um ein neurologisches Krankheitsbild. Vermutlich liegt ihm eine Störung der Hypocretinsynthese zugrunde. Hypocretin ist ein Neuropep­tid, das in die Regulation der Wach- und Schlafsteuerung eingreift. Typische Symp­tome der Narkolepsie sind:

2.5 Psycho-physiologische Ein- und Durchschlafstörung

Die häufigste Form der Schlafstörung ist uns allen bekannt: die Psycho-physiologische Insomnie.Physiologie ist die Lehre von der normalen Funktion des Organismus. Eine Psycho-physiologische Schlafstörung liegt vor, wenn sie durch keine weitergehende krankhafte Störung verursacht wird, sondern der Logik einer angemessenen Funktionsweise der Psyche entspricht. Somit ist diese Schlafstörung keine Krankheit an sich. Sie ist ein Symptom, das erwartungsgemäß auch bei einer seelisch gesunden Person auftritt, sobald ungewöhnliche Umstände deren Psyche in Alarm versetzen. Sie bedarf in der Regel keiner besonderen Diagnostik. Dabei handelt es sich um eine Ein- oder Durchschlafstörung. Sie wird durch erhöhte emotionale Anspannung verursacht, die bei der Auseinandersetzung der normalen Psyche mit der Realität entstehen kann. Mit anderen Worten: Es ist jene Schlafstörung, die auftritt, wenn uns Ängste und Sorgen bis ins Bett verfolgen; und es uns nicht gelingt, uns vom Kreisen der Gedanken abzuwenden.

Um die Ursache der Psycho-physiologischen Schlafstörung zu verstehen, gilt es, uns eine wichtige Tatsache klarzumachen: Schlaf ist nicht nur zur Erholung da. Im Schlaf laufen Prozesse ab, die zu kognitiven Umformungen führen. Deshalb heißt es: Hat man erst einmal einen Sachverhalt überschlafen, sehen die Dinge oft anderes aus. Schlaf führt zu Veränderungen des Blicks auf die Wirklichkeit. Schlaf bereitet Gewahr­werden vor.

Gewahrsein

Im Begriff Gewahrsein ist die Vorsilbe Ge- mit einem Abkömmling des althochdeut­schen wara = Aufmerksamkeit, Acht, Obhut verschmolzen. Die Vorsilbe signalisiert Versammlung. Im Gewahrsein des Gegenstandes der Betrachtung kommt es zu zweierlei Sammlungen:

  1. Man selbst sammelt sich, um den Gegenstand umfassend zu beachten. Man ist nicht zerstreut, sondern geistesgegenwärtig.
  2. Man versammelt alle Aspekte des betrachteten Gegenstands zu einem vollständigen Bild. Nichts wird außer Acht gelassen, was das Wesen des wahrgenommenen Objektes ausmacht.

Störungen des Gewahrseins entstehen durch Unvermögen oder Widerstand:

3. Psychodynamik der Psycho-physiologischen Schlafstörung

Die Fliege an der Scheibe

Beim nächtlichen Grübeln über Probleme, die erst in der Zukunft zu lösen sind, sucht der Schlaflose durch Simulation und theoretischen Vorgriff auf das, was sich noch nicht in seiner Gegenwart befindet, nach einer vorgezogenen Lösung. Wie eine Fliege, die trotzig eine Scheibe durchqueren will, brummt das Denken des Schlafgestörten bis zur Erschöpfung. Das Hindernis der Fliege ist die Scheibe, die sie nicht erkennt. Zum Hindernis des Grüblers gehört zweierlei:

  1. Die Tatsache, dass man viele Probleme nicht im gedanklichen Vorgriff, sondern nur durch Handeln im Konkreten lösen kann.
  2. Seine Weigerung, das ungewisse Ausgeliefert-seinGestaltpsychologisch spräche man von einer offenen Gestalt. solange anzunehmen, bis die Situation, in der gehandelt werden kann, tatsächlich eingetroffen ist.

...wenn uns Ängste und Sorgen bis ins Bett verfolgen. So wird das Problem umgangssprachlich beschrieben. Eine Sichtweise, die den Schlaflosen zum Opfer vermeintlicher Verfolger erklärt, steht der Heilung jedoch im Wege. Sie verdunkelt die Ursache und weist dem Schlafgestörten eine passive Rolle zu, in der er scheinbar Faktoren ausgeliefert ist, die er nicht durch sein Han­deln selbst bestimmt. Statt zu verstehen, was er tut, kämpft er gegen Gespenster.

3.1. Festhalten und loslassen

Wenn am Horizont Probleme dräuen, alarmiert die Psyche das Gehirn. Sie beauftragt es, die Lage zu durchdenken; um sich im Vorfeld auf Gefahren einzustellen. Sobald durchdacht ist, was im Voraus durchdacht werden kann, ist der Denkauftrag erfüllt. Die Psyche lässt die Dinge kommen, wie sie kommen mögen. Solange der Ausgang kommender Ereignisse offen ist, nimmt sie die Ungewissheit ihrer Lage hin. Sie stellt sich dem Problem, sobald es da ist; wenn es denn tatsächlich kommt.

Oft macht es ein solcher Denkauftrag erforderlich, ein paar Stunden Schlaf zu opfern. Krankhaft ist diese Form der Schlafstörung nicht. Sie ist Folge einer vernünftigen psychischen Ökonomie. Investiere jetzt und ernte später.

Drei Schritte im Teufelskreis

  1. Ich kann nicht schlafen, weil mir Sorgen durch den Kopf gehen.
  2. Ich will schlafen, weil ich morgen fit sein muss. Doch je mehr ich mich bemühe, desto weniger gelingt es mir.
  3. Ich habe schlecht geschlafen und daher wenig Kraft, um meine Sorgen anzugehen.

...und zur schlimmsten Sorge wird, dass ich auch die nächste Nacht nicht schlafen kann!

Krankheitswertig kann die Störung aber dennoch werden; wenn sie chronisch wird. Während die gesunde Psyche nur begrenzt an gedanklichen Simulationen festhält und das Problem im Vertrauen darauf loslässt, dass man eine Lösung finden wird, sobald die gefürchtete Situation eintrifft, lässt der Kranke erst los, wenn seine Erschöpfung den Schlaf erzwingt. Daraus ent­steht ein Teufelskreis, der die an sich gesunde seelische Re­aktion auf Stress in eine chronische Symptomatik mit hohem Leidensdruck verwandelt.

Wie entsteht der Teufelskreis?

Man schläft ein, wenn man müde ist und es nichts gibt, worum man sich kümmert. Müde wird man täglich von allein, egal ob man aktiv war oder nicht. Liegt nichts an, was man besorgen muss oder an dem man teilnehmen will, schaltet das Bewusstsein ab. Es überlässt die Welt ihrem Schicksal.

Auf akuten Stress reagiert auch der Gesunde mit psychischer Aktivität. Wer morgen eine Prüfung ablegt, vor Gericht muss, einem Streit mit dem Chef entgegensieht oder heiratet, beschäftigt sich am Vorabend mit dem Ereignis dergestalt, dass er keine Ruhe findet. Kaum ist der akute Stress vorüber, kommt der Schlaf von selbst zurück.

Hat man chronische Sorgen, laufen die Dinge anders. Chronische Sorgen rufen nach ständiger Wachsamkeit; um sie aus der Welt zu schaffen. Wer auf sich selbst vertraut, schläft aber auch mit chronischen Sorgen passabel. Er geht davon aus, dass er den Sorgen auch morgen standhalten wird und nichts verpasst, wenn er sich nachts nicht mehr darum kümmert.

Wer wenig auf sich vertraut, will die Lösung des Problems sofort. Statt dass er im Bett Sorgen Sorgen sein lässt, denkt er endlos über Möglichkeiten nach, wie sie zu beheben sind. So richtet er seine Aufmerksamkeit genau auf das, was ihn beunruhigt. Wie soll er aber ruhen, wenn er sich das Beunruhigende ständig vor Augen führt?

Stehen und liegen

So mancher ist so müde, dass er im Stehen einschlafen könnte. Legt er sich aber hin, bleibt er wach. Warum? Weil man sich im Liegen schlecht verteidigen kann. Wer sich Umständen ausgeliefert sieht und das Ausgeliefertsein nicht hinnehmen kann, bleibt im Liegen auch dann noch wachsam, wenn er im Stehen vor Müdigkeit tot umfallen könnte.

Beginnt die Schlafstörung, ernsthaft an den Kräften zu zehren, wird sie selbst zum Problem. Der verhinderte Schläfer meint, schlafen zu müssen. Er setzt alles daran, den Schlaf zu erzwingen. Nicht nur, dass er die Schlaf­losigkeit als zusätzliche Sorge vor Augen hat, er mobili­siert auch noch Kräfte, um sie zu besiegen. Da ihm der Kampf um den Schlaf die Ruhe raubt, schläft er erst ein, wenn er die letzte Kraft verbraucht hat. Kurz danach rappelt der Wecker.

3.2. Wachwerden und einschlafen

Der gestörte Ausgleich zwischen Festhalten und Loslassen erklärt, wie der Geplagte sein Problem erzeugt. Nicht Sorgen und Ängste folgen ihm ins Bett. Er lässt sie nicht los, weil er sie bekämpfen will.

Wachen Sie auf. Dann können Sie schlafen.

Die Ursache der Psycho-physiologischen Schlafstörung lässt sich genauer beschreiben. Das Motiv des Kampfes ist grundsätzlich. Es liegt in der Weigerung, ohne Wenn und Aber wach zu werden.

Man ist wach, wenn man wahrnimmt, was wirklich ist. Oft wollen wir der Wirklichkeit aber gar nicht gewahr werden; wenn sie nämlich Gefühle und Tatsachen enthält, die wir nicht wahrhaben wollen. Dann fangen wir mit der Denkarbeit an; mit dem Ziel, die unangenehme Wirklichkeit von uns abzuwenden oder um unser Selbstbild gegen aufdringliche Fakten zu schützen.

Im Denken ist das Bewusstsein nur eingeschränkt wach. Es achtet nicht auf das, was wirklich ist: Es strebt nach einem Zustand, den es für besser hält; und es hält sein Ziel dabei im Auge.

Unbewusster Widerstand

Schlaf führt zu Umformungen des Selbst- und Weltbilds. Schlaf bereitet das Gewahrwerden neuer Aspekte der Wirklichkeit vor. Was aber, wenn das Ego diese Aspekte nicht sehen will. Dann könnte es sein, dass es sich gegen das Schlafen sträubt; weil der Schlaf etwas mit ihm machen würde, was es nicht kontrollieren kann. Bewusst wird ihm das nicht. Auf der bewussten Ebene will es einfach nur zur Ruhe kommen. Auf der bewussten Ebene ist es Opfer. Es übersieht, dass es auch Täter ist, indem es sich selbst nicht aufgeben kann.

Solange eine Lösung durch Denken erreichbar ist, bleibt das Denken ein kreativer Prozess. Man leidet nicht wirklich darunter. Im Gegenteil: fruchtbares Denken macht Spaß. In fruchtloses Leid verwandelt es sich, wenn es zu einem Grübeln wird, das keine Lösung finden kann, sondern dazu dient, unliebsame Aspekte der Wirklichkeit aus dem Gewahrsein auszublenden.

Ebenen des Gewahrseins

Ebene Fokus des Bewusstseins
Tiefschlaf Weder die eigene Präsenz noch objektive Inhalte sind der Person gegenwärtig.
Nachttraum Unwillkürliche Vorstellungswelt mit stark vermindertem Abgleich an der äußeren Wirklichkeit.
Tagtraum Willkürliche Vorstellungswelt mit relativ hohem Abgleich an der äußeren Wirklichkeit.
Zielorientierte Wachheit Wechselspiel aus wahrgenommener Wirklichkeit und angestrebter Vorstellung.
Selektives Gewahrsein Fokussierung der Achtsamkeit auf ausgewählte Elemente der Wirklichkeit.
Gewahrsein der Person Gewahrsein aller Impulse und Vorstellungen, die die Person im jeweiligen Moment bestimmen.
Mystisches Erwachen Gewahrsein der Identität des wahrnehmenden Subjekts mit dem formlosen Urgrund der Wirklichkeit. Gewahrsein des Gewahrseins.

Normalerweise pendelt das Tagesbewusstsein zwischen Tagtraum, ziel­orientierter Wachheit und selektivem Gewahrsein hin und her. Selten kommt es zu einem vollständigen Gewahrsein der eigenen Person, fast nie zum mystischen Erwachen.

Angst und Hyperaktivität
Mit gutem Recht könnte man die Psycho-physiologische Schlafstörung den Angst- bzw. den Hyperaktivitätsstörungen zuordnen. Ihre Symptomatik besteht in einer Hyperaktivität, die ihrerseits tiefsitzenden Ängsten entspringt:
  • dass man dem Leben nicht gewachsen sein könnte
  • dass man etwas verlieren könnte
  • dass man etwas verpassen könnte
  • dass man etwas Unabwendbares hinnehmen muss

Begriffe

Schlafstörung ist ein problematisches Wort. Oft spräche man besser von einer Störung der Selbstakzeptanz. So mancher verhindert den Schlaf, weil er ihn erzwingen will... und er will ihn erzwingen, weil er ausgeschlafen eine Rolle zu spielen versucht, die ihm nicht entspricht.


Wer ohne Widerstand zu dem erwacht, was wirklich ist, kann besser schlafen.

Das Grübeln des Schlafgestörten greift in die Dynamik des Tages­bewusstseins ein. Es stört dessen Regulation. Statt auch dessen ohne Widerstand gewahr zu werden, was sowohl unangenehm als auch momentan nicht zu verändern ist, strebt der Grübler störrisch auf jenes Ziel zu, das er sich in den Kopf gesetzt hat: jetzt im Bett einen Zustand zu erreichen, in dem er unerwünschter Tatsachen nicht gewahr werden muss. Zum Beispiel:

Wach zu werden heißt, dessen gewahr zu sein, was wirklich ist. Weil der Schlaf­gestörte vor wichtigen Fakten in ein Trugbild ausweichen will, statt ohne Wenn und Aber zu erwachen, kommt er nicht zur Ruhe. Wer auch die Existenz jener Aspekte der Wirklichkeit anerkennt, von denen er glaubt, dass sie nicht sein sollten, kann den nächtlichen Kampf im Kopf gegen Wachsein und Wachwerden beenden.

Was Sie nicht lernen können ist, wie man schläft. Was Sie lernen können ist, wie man sich ergibt.
3.3. Egozentrische Deutung

Schlafstörung ist ein problematisches Wort. Es entspringt einer egozentrischen Deutung des Selbst. Sobald man das Wort Störung verwendet, hat man bereits etwas vorausgesetzt: dass der wirkliche Ablauf der Dinge vom richtigen abweicht. Woher wissen wir aber, ob es richtig ist, vom Zubettgehen bis zum Erwachen acht Stunden durchgehend zu schlafen? Tatsächlich wissen wir nur, dass es unserem Wunsch entspricht.

Sobald sich das Subjekt als Person - und damit als Objekt - betrachtet, dessen vorrangige Aufgabe es ist, sich zur Festigung der eigenen Objekt­haftigkeit ins Gefüge anderer Objekte einzupassen, wählt es das Wort Schlafstörung. Erkennt es, dass es kein Objekt ist, spricht es von Schlafunterbrechung.
Wenn Sie nicht schlafen können, könnte es ein, dass Ihr Selbst meint, dass Ihre Person in die falsche Richtung läuft.

Der Wunsch durchzuschlafen, hat etwas mit Absichten zu tun. Der Schlaf soll unsere Kräfte erfrischen, um damit am nächsten Tag ungehindert persönliche Belange zu besorgen. Unsere persönlichen Belange halten wir aber nur deshalb für so wichtig, weil wir uns mit unserer Person - und dessen Anwalt, dem Ego - gleichsetzen. Wir glauben, wir seien die Person, die wir im Spiegel sehen und wir glauben, diese Person gehöre sich selbst.

Was aber, wenn unsere tatsächliche Identität nicht in der Person liegt? Was, wenn die Person sich selbst nicht gehört? Könnte es dann nicht sein, dass der Glaube, nur unterbrechungsfreier Schlaf entspreche einer stimmigen Regulation, einem falschen Selbstbild entspricht? Wenn es so ist, könnte es sein, dass die Störung des Schlafs Zielen dient, die über die effektivitätsoptimierte Einpassung der Person ins soziale Rollenspiel hinausgehen.

4. Umgang mit Schlafstörungen

4.1. Grundregeln

Grundprinzipien

Die Aufmerksamkeit vom bloß Gedachten zum wirklich Wahrnehmbaren hinlenken.

An den Formen vorbei auf das FormloseFormlos sind Dunkelheit, Leere, Stille, Raum und Gegenwart. Wenn es Ihnen nicht gelingt, auf Formloses zu achten, dann achten Sie auf Monotones: zum Beispiel den Atem. Wohlgemerkt: Achten Sie auf den Atem. Nicht darauf, ob Ihnen die Beachtung des Atems beim Einschlafen hilft. Das wäre keine Beachtung des Atems, sondern eine List, um das Leben auszutricksen. Das wird das Leben nicht belohnen. Das Leben will beachtet sein; nicht ausgetrickst. achten.

Die Wirklichkeit ohne Widerstand so erlebenWer die Wirklichkeit erlebt hat, hat mehr Kraft, sie zu verändern., wie man sie erlebt.

Den Blick nach innenSchlaf bleibt aus, wenn man die Außenwelt für so wichtig nimmt, dass man den Blick nicht von ihr lässt. Schlaf ist totale Innerlichkeit; so innerlich, dass das Bewusstsein erlischt, in dem sich Person und Außenwelt zeigen könnten. wenden.

Erfahrungen zeigen, dass die Einhaltung bestimmter Regeln eine Menge gegen Schlaf­störungen bewirkt. Dabei sind allgemeine Regeln der Schlafhygiene von der spezi­fischen Grundhaltung gegenüber Einschlafstörungen zu unterscheiden.

Mittel zur Selbsthilfe bei psycho-physiologischen Schlafstörungen

Allgemeine Regeln Spezifische Grundhaltung
  • Schaffen Sie im Schlafzimmer eine angenehme Atmosphäre. Entfernen Sie, was nicht dorthin gehört.
  • Stehen Sie jeden Tag zur selben Zeit auf; auch wenn Sie nach einer schlechten Nacht noch schlafen könnten.
  • Führen Sie im Vorfeld des Zubettgehens persönliche Rituale ein.
  • Seien Sie täglich körperlich aktiv.
  • Vermeiden Sie ab mittags Kaffee, schwarzen Tee, Cola u. ä.
  • Schauen Sie bei Durchschlafstörungen nachts nicht auf die Uhr.
  • Verbringen Sie eher zu wenig als zu viel Zeit im Bett. Lieber wenig guten als viel schlechten Schlaf.
  • Trinken Sie keinen Alkohol.
  • Essen Sie so spät und so viel, wie es Ihnen persönlich gut tut.
  • Konsumieren Sie nur Medienangebote, die Ihnen gut tun.
  • Bevorzugen Sie in den Abendstunden schummeriges Licht.
  • Ist abzusehen, dass Sie längere Zeit nicht einschlafen werden, dann nutzen Sie die ZeitWenn das Leben will, dass Sie nachts lebendig sind, dann gehen Sie mit dem Leben mit. Das Leben weiß sowieso alles besser als Sie. Respektieren Sie die Zeit, in der das Leben wach sein will. zu etwas Sinnvollem. Lernen Sie SpanischKönnen Sie schon? Dann eben Schwedisch oder C++. Oder nehmen Sie wahr, was im Hier-und-Jetzt geschieht..

Versuchen Sie nicht, sich zum Schlafen zu zwingen. Schlaf ist ein Zustand der Gelassenheit. Gelassenheit und Zwang widersprechen sich. Falls Sie nicht zur Ruhe kommen, nutzen Sie die Zeit, Ihr Bewusstsein zu schulen. Wenn die Gedanken um Themen des Alltags kreisen, nehmen Sie die Unruhe wahr. Versuchen Sie nicht, sie zu bekämpfen. Steigen Sie aus dem Karussell der Gedanken aus, ohne den Versuch, das Karussell zu stoppen. Stellen Sie fest, worum die Gedanken kreisen.

Jetzt denke ich über die Lage in der Firma nach...
Jetzt geht mir das Gespräch mit Mutter durch den Kopf...
Jetzt mache ich mir Sorgen um meine Finanzen...

Richten Sie die Aufmerksamkeit nicht auf das ungelöste Problem, sondern auf die Art, wie Sie auf das Problem reagieren. Fragen Sie sich: Wie fühlt es sich an, wenn man finanzielle Sorgen hat? Was geht in mir vor, wenn ich an Mutter denke? Beurteilen Sie Ihre Gefühle nicht. Fühlen Sie. Erkunden Sie. Geben Sie Gefühlen Raum, sich zu entfalten.


4.2. Medikamentöse Behandlung

Sind Schlafstörungen nicht durch Anwendung der Grundregeln zu beheben, denkt man über Medikamente nach. Dazu steht eine Palette von Substanzen zur Verfügung. Um Nebenwirkungen und Wirkverlust durch Toleranzentwicklung und Gewöhnungseffekte zu verhindern, empfiehlt es sich, zunächst pflanzliche Medikamente einzusetzen:

Dabei sind auch Kombinationen verschiedener Pflanzenextrakte sinnvoll. Die Wirkstärke pflanzlicher Substanzen unterscheidet sich stark von Person zu Person. Zuweilen muss man vieles ausprobieren.

Sollten pflanzliche Mittel nicht helfen, ist an den Einsatz homöopathischerZum Beispiel auf der Basis von Avena sativa, Chamomilla, Cocculus, Coffea arabica, Hyoscyamus, Passiflora oder Zincum isovalerianicum. oder anthroposophischerAurum metallicum, Ferrum-Quarz oder Kalium phosphoricum. Präparate oder auch an Schüßler-SalzeEmpfohlen werden Aurum chloratum, Calcium phosphoricum, Kalium bromatum oder Magnesium phosphoricum. zu denken.

Im Tiefschlaf ist das absolute Selbst bei sich. Der Person ist dieser Zustand nicht bewusst, solange sie ihr Selbst nicht kennt. Im Tiefschlaf entzieht sich das Selbst der Person. Ohne vom Selbst erfüllt zu sein, ist die Person inexistent.

Man schläft nicht nur, um am Tage wach zu sein. Man ist wach, um Erfahrungen zu sammeln, die man im Schlaf nach Hause bringt.

Darüber hinaus stehen synthetische Schlafmittel zur Wahl. Deren Einsatz sollte mit dem Arzt abgesprochen werden, da bei vielen Substanzen ein Suchtpotenzial, mögliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten sind.

4.3. Abkehr und Hinwendung

Eine grundsätzliche Änderung im Umgang mit Schlafstörungen liegt in der Abkehr von der egozentrischen Deutung. Das Ego glaubt, der Wert des Schlafes liege im Dienst am Wachsein. Es glaubt, das Wesen der Person werde durch ihr Personsein erfüllt. Da sich das Personsein im Tages­bewusstsein entfaltet, meint die Person in egozentrischer Weltsicht, das Tagesbewusstsein sei der höhere Zustand und Schlaf nur Funktion, die dem Erfolgsstreben des Tagesbewusstseins zu dienen hätte. Sie meint, man schlafe, um fit zu sein. Das ist eine Festlegung, die nicht nur Schlaf verhindert, sondern die die Person in Verblendung gefangen hält; denn diese Deutung stellt die Person über ihr Selbst.

Betrachten Sie die Dinge anders: Schreiben Sie dem Tiefschlaf einen höheren Wert als wachbewusster Tagesgeschäftigkeit zu. Versuchen Sie, Schlaf nicht zu miss­brauchen. Versuchter Missbrauch des Schlafs liegt vor, sobald er vorrangig dazu dienen soll, sich der Welt besser zuzuwenden. Schlaf ist Abwendung von Welt und Person. Er ist Zuwendung zum Selbst. Das ist Wert an sich; ohne jedes Dienstverhältnis. Versuchen Sie nicht zu schlafen, um als ein vom Schlaf Gestärkter in der Welt Erfolg zu haben. Haben Sie gestärkt vom Schlaf Erfolg, um ihn im Schlaf dem Selbst zu opfern. Betrachten Sie Schlaf als religiösen Akt, als Abwendung von weltlichen Dingen, als Heimkehr zu dem, was wesentlich ist.