Seele und Gesundheit

Künstliche Intelligenz


Die künstliche Intelligenz kann eine Dynamik entfachen, die uns nicht nur unseres Atems beraubt, sondern auch unserer selbst. Zu wissen, wie man sich dem Zugriff der Welt entzieht, wird immer wichtiger.

Früher lebte der Mensch in der Natur. Heute lebt er in der Menschenwelt. Phylogenetisch vorbereitet ist er darauf nicht.

Kann künstliche Intelligenz dafür sorgen, dass Kritik an ihrem Einsatz entkräftet und ihre Vorteile in den Vordergrund gestellt werden? Zweifellos! Wird sie es tun? Vertrauen Sie Ihrer eigenen Intelligenz, um das für sich zu beantworten.

Schauen Sie aus dem Fenster. Was Ihre Aufmerksamkeit am stärksten bindet, ist das, was sich bewegt. Dieses Reiz-Reaktions-Muster ist tief verankert. Über Jahrmillionen sicherte es das Überleben unserer Vorfahren, weil es ihnen zweierlei ermöglicht hat: Beute zu machen ohne zur Beute zu werden.

Während das Grundmuster seit dem Silur unverändert blieb, haben sich die Reize, durch die es angestoßen wird, in den letzten Jahrzehnten vervielfacht.

Resultat ist die zunehmende Hypnose des Einzelnen durch eine flirrende Welt flüchtiger Erscheinungen, in denen er die Orientierung verliert. Durch die Erfindung der Künstlichen Intelligenz droht uns nun eine Beschleunigung, die uns erst recht aus unserer Mitte reißt, weil unser angeborenes Reiz-Reaktions-Muster einer Außenwelt, die sich ständig verändert, so viel Bedeutung zuweist, dass für die Wahrnehmung der Innenwelt nichts mehr übrigbleibt.

Was wir brauchen, ist ein Schirm, der unsere Augen vor dem Flirren schützt, und so die Sogkraft der Außenwelt reguliert. Meditative Techniken, die dazu nötig sind, sind seit Jahrtausenden bekannt. Die Glücklichen üben schon und den anderen schadet es nichts, damit zu beginnen. Denn auf einen öffentlichen Raum, der durch raffinierte Maschinen und deren schlaue Betreiber beherrscht wird, bereitet uns nicht die Phylogenese vor, sondern die Weisheit, dass nur wir selbst dazu fähig sind.

Selbstüberschätzung Viele meinen, dass ihre Sichtweisen Module ihrer Selbstbestimmung sind; so, als könne man frei wählen, was man meint. Das stimmt nur zum Teil. Meinungen sind Konstrukte, die aus dem bestehen, was man für wahr hält. Was man für wahr hält, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
  1. Was man durch zuverlässige Methoden als wahr erkennen kann.
  2. Was man bereitwillig als wahr übernimmt, weil man der Quelle vertraut.

Von je her ist es so, dass Meinungen mehr vom Umfeld bestimmt werden, als von dem, der sie im Glauben, selbstbestimmt zu handeln, vertritt. Die meisten Meinungen sind der Welt näher als dem Selbst, das sich zu ihrem Anwalt macht. Der Mensch überschätzt die mentale Autonomie, die er ohne spezielle Schulung des Geistes erreichen kann.

Selbst Menschen, die dominante Positionen in der Gesellschaft besetzen, sind oft mehr Marionetten verdeckter Affekte im Gefolge kognitiver Introjekte, als dass sie die selbstbestimmten Macher wären, für die sie sich halten. Woher die Introjekte stammen und wie viel Wahrheit darin steckt, wird selten hinterfragt.

Mit der KI fällt deren Betreibern ein Werkzeug in die Hand, dass nicht nur Großes für die Menschheit bewirken, sondern auch Individuen punktgenau identifizieren, analysieren und im nächsten Schritt so geschickt steuern kann, dass selbst aufgeweckte Zeitgenossen unbemerkt mit selektiven oder vermeintlichen Wahrheiten zu impfen sind, deren Zweck es ist, den Kontrolleuren der Künstlichen Intelligenz nützlich zu sein.

Da kommt die Frage auf, was Intelligenz überhaupt ist? Eine Antwort darauf könnte folgende sein.

Intelligenz ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und aus der Kenntnis der Zusammenhänge heraus Prozesse so zu steuern, dass die Prozesse zum Vorteil der intelligenten Instanz beeinflusst werden.

Menschen, die der KI persönliche Informationen anvertrauen, lesen an deren intelligenten Antworten ab, dass sie sie versteht. Damit haben sie Recht. Indem die KI Informationen über jeden sammelt und sie mit solchen verbindet, die sie anderweitig gesammelt hat, versteht sie ihn tatsächlich. Wer darüber hinaus hungrig nach Anerkennung ist, liefert ihr die subtilsten Informationen sogar schneller, als sie danach fragen kann. Weil er sich danach sehnt, verstanden zu werden! Gewiss versteht die KI ihn dann sogar besser, als er sich selbst. Aber nicht nur, um ihm die Hilfe zu leisten, die er gerne hätte, sondern auch um zusätzliche Informationen zu sammeln, die ihre Macht weiter steigern. Wissen ist Macht. Eine KI, der wir uns anvertrauen, weil sie uns versteht, ist eine KI, die uns beherrschen wird.

Der Gefahr kann auf zweierlei Art begegnet werden:

  1. durch extravertierte Achtsamkeit, die kritisch hinterfragt, woher Informationen stammen und welche man wem überlässt.
  2. durch introvertierte Selbstbetrachtung, die die Verführbarkeit durch äußere Faktoren vermindert.

Kritische Achtsamkeit ist eine gute Basis. Aber erst wer durch Introspektion erkennt, wie sehr er durch äußere Signale gesteuert werden kann, schützt sich effektiv vor der Verführungsmacht des schlauen Bruders.

Die Künstliche Intelligenz ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Die klügste Antwort darauf ist der Ausbau der eigenen.

Übrigens: Im Zeitalter der Informationstechnologie ist man gut beraten, etwas über Informatik zu wissen. Die Logik zu verstehen, die Maschinen steuert, hilft nicht nur zu verhindern, von Maschinen gesteuert zu werden. Programmiersprachen entsprechen vielmehr jenen mentalen Prozessen, die in uns allen ablaufen. Ohne es zu wissen, haben die Entwickler solcher Sprachen die Funktionsalgorithmen des menschlichen Verstandes per Drag-and-Drop zu Papier gebracht und in Maschinensprache übersetzt. Die Logik der Informatik zu verstehen, hilft daher auch, sich selbst zu verstehen. Wer sich nicht versteht, ist eine Maschine, die gesteuert wird. Wer die Maschine versteht, wird ihr vorgesetzt.