Die künstliche Intelligenz kann eine Dynamik entfachen, die uns nicht nur unseres Atems beraubt, sondern auch unserer selbst. Zu wissen, wie man sich dem Zugriff der Welt entzieht, wird wichtiger werden.
Früher lebte der Mensch in der Natur. Heute lebt er in der Menschheit. Phylogenetisch vorbereitet ist er darauf nicht.
Schauen Sie aus dem Fenster. Was Ihre Aufmerksamkeit am stärksten bindet, ist das, was sich bewegt. Dieses Reiz-Reaktions-Muster ist tief in uns verankert. Über Jahrmillionen sicherte es das Überleben unserer Vorfahren, weil es ihnen zweierlei ermöglicht hat: Beute zu machen ohne zur Beute zu werden.
Während das Muster seit dem Silur quasi unverändert blieb, haben sich die Reize, durch die es angestoßen wird, in den letzten Jahrzehnten vervielfacht.
Die Veränderungen der Menschenwelt haben sich derart beschleunigt, sodass morgen nicht mehr dasselbe gilt wie heute.
Omnipräsente Medien tragen Millionen Reize an uns heran, die früher jenseits des Horizontes lagen und uns daher nicht aus der Bahn lenken konnten.
Resultat ist die zunehmende Hypnose des Einzelnen durch eine flirrende Welt flüchtiger Erscheinungen, in denen er die Orientierung verliert. Durch die Erfindung der KI droht uns nun eine Beschleunigung, die uns erst recht aus unserer Mitte saugt, weil unser angeborenes Reiz-Reaktions-Muster einer Außenwelt, die sich ständig verändert, so viel Bedeutung zuweist, dass für die Innenwelt nichts mehr übrigbleibt.
Was wir brauchen ist ein Schirm, der unsere Augen vor dem Flirren schützt, indem er die Faszination der Außenwelt bricht. Meditative Techniken, die dazu nötig sind, sind seit Jahrtausenden bekannt. Die Glücklichen üben schon und den anderen schadet es nichts, bald damit zu beginnen. Denn auf einen öffentlichen Raum, der durch hyperintelligente Maschinen beherrscht wird, bereitet uns nicht die Phylogenese vor, sondern die Weisheit, dass nur wir selbst dazu fähig sind.
Der Gefahr kann auf zweierlei Art begegnet werden:
durch extravertierte Achtsamkeit, die kritisch hinterfragt, woher Informationen stammen.
durch introvertierte Selbstbeobachtung, die die Verführbarkeit durch äußere Faktoren vermindert.
Kritische Achtsamkeit ist eine gute Basis. Aber erst wer durch Introspektion erkennt, wie sehr er durch äußere Signale gesteuert werden kann, schützt sich effektiv vor der Verführungsmacht des schlauen Bruders.