|
Seele und Gesundheit |
Der Staat rühmt sich, Religionsfreiheit zu garantieren. Untersucht man die gewährte Freiheit aus der Nähe, schrumpft der Ruhm zu einem Häufchen, das zur Zeit des Thorenburger Edikts ruhmreich war, heute aber bescheiden erscheint. Hinter uns liegen mehr als 450 Jahre ohne echten Fortschritt. Wäre das Tempo in der Informationstechnologie ebenso groß, brächte Apple demnächst seinen ersten Abakus zum Preis von 3,98 Ð (Dukaten) auf den Markt.
Lesen wir zunächst, was die Vereinten Nationen zum Thema sagen.
Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit...
Das sind Vorgaben, die unser Herz erfreuen! Doch was tut der Staat, um Eltern in die Pflicht zu nehmen, Kinder zur Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu ermutigen? Er überlässt sie der Willkür beliebiger Glaubenssysteme, zu deren ausdrücklicher Zielsetzung es gehört, die Religionsfreiheit abzuschaffen.
Traurig aber wahr
Zur Zielsetzung der konfessionellen Früherziehung gehört es, die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit des Zöglings durch den Einbau Angst erzeugender Vorstellungen in sein Weltbild zu verhindern. Wird die Indoktrination früh genug begonnen und konsequent verfolgt, verankert sie Introjekte, die die Freiheit des Denkens meist lebenslang einschränken.
Wer glaubt ernsthaft, gläubige Eltern brächten ihre Kinder in die Kirche, die Synagoge, den Königreichssaal oder die Moschee, damit sie dort zur Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit geleitet werden? Und wie weit lässt sich Religionsfreiheit in den genannten Kultstätten überhaupt anwenden? Dazu drei erhellende Gedankenspiele:
Daraus folgt: Der Gesetzgeber könnte noch Schritte tun, um die Religionsfreiheit tiefer im Leib der Gesellschaft zu verankern; zum Beispiel durch die Verabschiedung eines EU-weiten Gesetzesentwurfs.
So bekäme jeder Kultstättenbetreiber die Gelegenheit, die Religionsfreiheit, die er für sich in Anspruch nimmt, proaktiv zu unterstützen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gesetzesentwurf verabschiedet wird, außer auf Nimmerwiedersehen, ist allerdings gering. Eher gehen 10000 Esel durch ein Nadelöhr, als dass die Religionsfreiheit in den Kultstätten des Glaubens Einzug hält.
Ursache des Stillstands sind unterschiedliche Perspektiven, aus denen heraus man den Begriff der Religionsfreiheit mit Inhalt füllen kann. Nennen wir die eine konventionell, die andere existenziell.
Zwei Paar Schuhe
| Konventionelles Verständnis | Existenzielles Verständnis |
| Jeder hat das Recht, den religiösen Mythos zu verbreiten, den er für wahr hält. | Jeder hat das Recht, seinen Geist ungehindert vom Bevormundungsanspruch anderer frei zu entfalten. |
Zwei Dinge sind klar: