Seele und Gesundheit

Blickweite und Weltbild


Das Konzept der Transzendenz formuliert eine Grenze, die überschritten werden kann, oder eben nicht. Dabei stellt sich die Frage, ob es sich bei der Grenze...

  1. um einen Wahrnehmungshorizont handelt, oder
  2. um eine objektive Grenze, die die Wirklichkeit in zwei Kompartimente spaltet, deren Spaltung aus beiden Richtungen gesehen, wirksam ist.

Modell A

Diesseits . Jenseits

Modell B

Diesseits
Jenseits

Fasst man das Jenseits als ungespaltenen Aspekt der Wirklichkeit auf, so wie es der Begriff etymologisch nahelegt, erklärt Modell A, warum sich das Jenseits unseren Blicken entzieht.

Die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, um Tatsachen festzustellen, sind auf jene Ebene der Wirklichkeit zugeschnitten, die die Bühne unseres persönlichen Auftretens ist. Diese Ebene ist in Polaritäten gespalten, sodass unsere Wahrnehmungsorgane darauf ausgerichtet sind, Unterschiede wahrzunehmen: hell oder dunkel, warm oder kalt. Dass uns das Jenseits verborgen bleibt, liegt am begrenzten Horizont unserer Möglichkeiten.

Diesseitige Wahrnehmungsmöglichkeiten
Sinnesorgane Verstand
Sensorische Rohdaten Begriffliche Konzepte

Sinnesorgane und Verstand sind auf Unterschiede angewiesen, die an konkreten Merkmalen zu erkennen sind. Betrachtet man das Jenseits als ontischen Raum, in dem polare Bestimmtheiten nicht in Erscheinung treten, wird klar, dass unsere Wahrnehmungsmittel bei seiner Erfassung zum Scheitern verurteilt sind. Die Wirklichkeitsebene, die wir aus unserer Perspektive als transzendent bezeichnen, kann weder sinnlich erkannt noch begrifflich erfasst werden, weil sie dafür gespalten sein müsste.

Die einzige Möglichkeit, diese Ebene in die Berechnung miteinzubeziehen, liegt darin, die Wirklichkeit als Ganzes zu verstehen und uns mental so in eine Position hineinzuversetzen, aus der heraus wir den zeitlich begrenzten Inhalten des Daseins unter der Prämisse begegnen, selbst zeitlos zu sein.

Das Diesseits besteht aus Eingegrenztem, von dem jedes durch bestimmte Eigenschaften zu einem Teil unter Teilen wird, der in seinem Sosein einstweilen gefangen ist. Das Jenseits ist entgrenzt und unbestimmt. Es ist frei und damit absolute Einheit. Je mehr Einsichten man in die Ordnung der Wirklichkeit gewinnt, desto näher kommt man der Stelle, von der aus man die Einheit sieht. Jede Einsicht dient letztlich dazu, dass man die Einheit des absolut Einen erkennt und damit frei wird.