Seele und Gesundheit

Kurze Bemerkungen


Hier finden Sie kurze Betrachtungen, die bisher noch keinen Platz im Kontext der ausgearbeiteten Artikel gefunden haben.

Gäste und Feinde

Das lateinische Wort für Gast = hospes ist mit dem für Fremdling und Feind = hostis verwandt. Das ist logisch. Als Gast betritt man ein Gebäude, wenn man nicht zum engsten Kreis derer gehört, die darin wohnen oder arbeiten. Selbst wenn der Gast ein guter Freund ist, gehört er aus Sicht der gastgebenden Gemeinschaft nur relativ dazu. Er bleibt gewissermaßen fremd. Fremd geht auf althochdeutsch fram = weiter weg, entfernt zurück.

Doch was hat der Gast mit dem Feind zu tun? Zweierlei:

  1. Liebe geht durch den Magen. Feinde können zu Gästen werden, wenn man sie füttert. Vor derart gezähmten Feinden braucht man sich weniger zu fürchten, als wenn der Hunger sie unbewirtet plagt.
  2. Gäste können aber auch zu Feinden werden, wenn sie mehr Fütterung erwarten, als der Gastgeber zu geben bereit ist.

Wer Fremde zu sich einlädt, sollte sich darüber Gedanken machen, ob das, was er aus seiner Speisekammer verschenken will, auf Dauer dem Appetit seiner Gäste genügen wird. Wenn nicht, sind Feindseligkeiten vorprogrammiert.

Gefahrenabwehr

Das Leben ist gefährlich. Wenn man nichts dagegen unternimmt, wird man in kürzester Zeit aus der Welt entfernt. Kein Wunder, dass der Mensch sich fürchtet. Die Hauptaktivität des Menschen besteht daher daraus, etwas zu tun, um künftigen Schaden zu verhindern. Man versucht, die Wirklichkeit zum eigenen Vorteil zu beeinflussen. Bei der Einflussnahme auf die äußere Wirklichkeit stehen dabei drei Varianten im Vordergrund:

Das Bemühen um die Beeinflussung der Außenwelt geht bei vielen Menschen so weit, dass es fast ihre gesamte Aufmerksamkeit absorbiert. Im Grundsatz macht es Sinn, einen Teil der Aufmerksamkeit darauf zu verwenden, die Außenwelt - insbesondere Bezugspersonen - zu beeinflussen. In der Regel wird aber zum Nachteil aller stark übertrieben. Viele Versuche, Einfluss zu nehmen, sind untauglich oder schädlich.

Fragen Sie sich, warum Sie einem anderen dies oder das erzählen. Sie werden sehen, wie oft Sie versuchen, andere auf verdeckte Weise zu steuern. Das muss nicht sein. Bleiben Sie bei sich. Erleben Sie die Angst, die Sie vor dem Leben haben. Nur so können Sie die Angst wirklich überwinden.

Erkenne Dich selbst
Alle Unruhe geht vom Impuls aus, in die Wirklichkeit einzugreifen. Dabei handelt es sich entweder um Eingriffe in die äußere oder in die innere Wirklichkeit. Eingriffe in die innere Wirklichkeit, also das persönliche Sosein, entspringen der Furcht, nicht zu genügen, wenn man so ist, wie man ist. Um die Unruhe hinter sich zu lassen, gilt es, in die Position des absoluten Beobachters zu wechseln. Der Beobachter unterlässt alle Versuche, etwas zu bewirken. Sein Wesen besteht darin, zu erkennen, was ist.
Gott

Analog zur Null in der Mathematik ist der Begriff Gott in der Ontologie ein Platzhalter, der genutzt wird, um Bilder der Wirklichkeit zu entwerfen, die ohne ihn nicht möglich wären. Dabei besteht das Risiko, dass der Nutzer des Begriffs glaubt, er wisse, wofür der Platzhalter jenseits der Denkfigur tatsächlich steht. Sobald das passiert, wird aus Ontologie Mythologie.

Primär wird der Begriff Gott von konfessionellen Religionen verwendet. Konfessionen sind mythologische Welterklärungmodelle. Sie geben vor, etwas über Gott zu wissen; zum Beispiel:

Was in konfessionellen Religionen Gott genannt wird, kann in der Ontologie als bestimmende Kraft des Universums bezeichnet werden. Tatsächlich wissen wir nichts über die bestimmende Kraft des Universums; weil, wer etwas weiß, über dem steht, worüber er etwas weiß. Das Verhältnis zwischen der bestimmenden Kraft den Universums und einem Inhalt des Universums kann niemals etwas enthalten, was sich der Inhalt als eigenes Wissen vorstellt.

Glaube ersetzt Nicht-Wissen durch vermeintliche Kenntnis, die er durch die Offenbarungsbehauptung als absolut sicher etikettiert. Nicht-Wissen macht Angst. Die Verleugnung des Nicht-Wissens durch den Glauben, verlässliches Wissen sei offenbart, vermindert die Seinsangst des Egos.

Die psychologische Funktion der Theologien tritt bei Offenbarungsmythologien deutlich zutage. Einerseits bewirkt der Glaube, die bestimmende Kraft des Universums wende sich auserwählten Personen und deren Gefolgschaft persönlich zu, eine narzisstische Stärkung der entsprechenden Egos. Zur Logik dieser kosmischen Bedeutungsbeimessung gehört andererseits eine kompensatorische Demutshaltung, die den Gläubigen aller Offenbarungsmythologien gemeinsam ist. Die allfälligen Demutsgesten gegenüber der idealisierten Allmacht entsprechen der Selbsterhöhung, die sich als Auserwähltheitsphantasie zum Ausdruck bringt.

Da sich Offenbarungstheologien nicht an überprüfbarer Wahrheit zu orientieren versuchen, sondern Ausdruck unerkannter, verdrängter oder gar verleugneter Ansprüche sind, die ihre Egozentrik dogmatisch maskieren, bleibt die Demut, die die programmatische Selbsterhöhung verdeckt, durchsichtig. Wer sich vor Gott niederwirft, weil er glaubt, die bestimmende Kraft des Universums sei daran interessiert, dass er es tut, ordnet sich eine kosmische Bedeutung zu. Indem er sich demonstrativ unterwirft, versucht er den Hochmut vor Gott zu verbergen, den er sich selbst nicht eingestehen will.

Grenzen

Alles, was sich nicht abgrenzen kann, geht zugrunde.

Groß und klein

Die Unterscheidung zwischen groß und klein ist eine Verkennung des Unbedingten. Das Unbedingte liegt Großem zugrunde und geht daher darüber hinaus. Die Formel Gott ist groß verkennt das Absolute, weil sie vom Großen das Kleine abtrennt und damit beides verkleinert. Besser als das Unbedingte für groß zu halten, ist seine Präsenz anzuerkennen. Zur Anerkennung der Präsenz des Unbedingten führt kein Wissen über das Absolute, sondern die Erkenntnis des wahren Wesens des Bedingten. Wer das Bedingte als das annimmt, was es ist, hat das Unbedingte so anerkannt, dass es ihn davor schützt, sich zu verirren.

Gut und Böse

Es macht keinen Sinn, das Böse zu hassen, weil man durch Hass selbst zu Bösem wird. Gutes und Böses gehen beide aus dem Absoluten hervor. Das Böse kann als Mittel des Absoluten verstanden werden. Dank des Bösen haben wir die Chance, uns von ihm zu unterscheiden und damit zu Gutem zu werden. Als Ausdruck des Absoluten unterliegt das Böse nicht unserer Gerichtsbarkeit.

Gutmenschen und gute Menschen

Was den Gutmenschen vom guten Menschen unterscheidet ist der Vorsatz, vor sich und anderen als gut zu gelten. Gewiss: Auch dem guten Menschen gefällt es, als gut zu gelten. Beim ihm bestimmt das Bedürfnis aber nicht das, was er tut. Er ist nicht vorsätzlich gut, sondern beiläufig. Sich als etwas Gutes zu betrachten, steigert das Selbstwertgefühl. Daher hat der Vorsatz, gut zu sein, eine narzisstische Komponente. Beim Gutmenschen dient der Vorsatz, gut zu sein, dem Ausgleich von Selbstwertzweifeln. Als Guter fühlt er sich den Schlechten moralisch überlegen.

Gut zu sein heißt Teil zu sein. Gut zu sein heißt ein Teil zu sein, der zu dem Gegenüber passt, vom dem aus er als gut beurteilt wird.

Zur Gemeinschaft zu passen, in der man lebt, hat Vorteile. Es vermindert Konflikte und damit Angst. Dem Guten macht es die Gemeinschaft leichter, dem Unguten setzt sie Widerstand entgegegen. Als gut zu gelten, hat also nicht nur narzisstische, sondern auch soziale und damit handfeste Vorteile. Es erfüllt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Der Vorsatz, als gut zu gelten, hat damit auch eine egoistische Komponente.

Der gute Mensch passt zu dem, was er ist; auch dann, wenn er dem Umfeld als unpassend erscheint. Der gute Mensch sagt, was er denkt; auch dann, wenn es nicht zum Konsens des Umfeldes passt. Der Gutmensch versucht sich passend zu machen, weil ihm der Mut fehlt, unpassend zu sein. Er wird vom Bedürfnis nach Zugehörigkeit beherrscht.

Jeder und alle

Ich wollte nie so werden wie der oder die. Das ist ein Vorsatz, der vielen bekannt vorkommt. Tatsächlich ist jeder aber auch so ähnlich, wie alle anderen. Partout nichts mit dem gemein haben zu wollen, den man ablehnt, ist daher ein Ding der Unmöglichkeit. Es zu versuchen, führt dazu, dass man sich selbst nicht vollständig annehmen kann. Tun Sie sich das nicht an. Denken Sie an einen Menschen, den Sie missbilligen oder gar verachten. Machen Sie sich klar: Ich bin so ähnlich wie er.

Karma

Der Begriff Karma (Sanskrit: कर्म = Handlung) gibt oft Anlass zu Resignation und Verantwortungslosigkeit. Man sagt: Das ist eben Karma, und meint damit ein Schicksal, dem man ausgeliefert ist, weil man in einem früheren Leben Dinge tat, für die man heute büßen muss.

Ob das Individuum Rechnungen zu begleichen hat, die aus früheren Leben offen sind, ist ungeklärt. Tatsache ist jedoch, dass karmatische Verknüpfungen bereits in dem Leben wirken, mit dem wir derzeit beschäftigt sind. Bloße Schicksalsergebenheit ist fehl am Platz.

Der Begriff Karma verweist auf den Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Was ich heute mache (persisch: kardan كردن = machen), ist die Ursache von Folgen, die in der Zukunft auf mich warten. Selbst wenn nicht alles von den eigenen Taten abhängt, stimmt der Satz. Handlung hat Folgen. Was man erlebt, hängt von dem ab, was man früher tat. Was man heute tut, stellt Weichen für die Zukunft.

Gutes Karma zu erzeugen, ist daher angebracht; egal unter welchen Folgen der Vergangenheit man leiden mag. Gutes Karma erzeugt man, indem man das Richtige tut. Alles andere macht keinen Sinn. Richtig ist, zu tun, was man für richtig hält. Um zu erkennen, was man für richtig hält, muss man ernsthaft danach fragen. Bloßen Gewohnheiten oder Impulsen zu folgen, reicht oft nicht aus.

Gehen Sie bei der Frage nach dem, was Sie für richtig halten, ins Detail. Bevor Sie etwas sagen oder tun, überprüfen Sie die Absicht, der Sie folgen. Halten Sie die Absicht tatsächlich für gut? Nur eine Absicht, die Sie für gut halten, wird Ihnen auch guttun.

Grundregeln zur Erzeugung guten Karmas

Sollten Folgen unser Taten bis ins Jenseits reichen, haben wir dort Gelegenheit, uns daran zu erfreuen.

Künste

Kleine Kunst schmeichelt dem Ego des Künstlers. Große Kunst stellt Wirklichkeit dar. Sehr große Kunst sprengt die Vorstellung, dass die Wirklichkeit dargestellt werden kann.

Politik und Religion

Machtausübung ist der Versuch, über andere zu bestimmen. Machtansprüche richten sich auf diesseitige Elemente aus; regelmäßig auf andere Personen oder ganze Völker. Machtansprüche sind grundsätzlich politisch. Tatsächliche Religion ist spirituell. Spiritualität befasst sich nicht mit diesseitigen Strukturen, sondern mit der jenseitigen Einheit, also dem, was der polaren Erscheinungswelt jenseits ihrer selbst zugrunde liegt. "Religion", die Macht ausübt, ist keine Religion. Sie ist pseudoreligiös maskierte Politik. Jeder, der sich schwach fühlt, will über andere bestimmen, solange er seine Schwäche nicht als Teil des eigenen Wesens akzeptiert.

Pseudoreligiös maskierte Politik markiert sich mit dem Gottesetikett. Sie behauptet, ihr Anspruch, über andere zu bestimmen, sei ein göttlicher Auftrag. Einen Beweis für ihre Behauptung legt sie niemals vor.

Die Behauptung, von irgendeinem Propheten verkündet und folglich einem Gott legitimiert worden zu sein, gilt üblicherweise als Berechtigung dafür, die jeweilige Wirklichkeitsdeutung des Glaubens und seinen Machtanspruch als "Religion" zu bezeichnen. Das kann nur ein Irrweg sein. Lässt man die Berechtigung gelten, muss man in der Folge jeden politischen Anspruch, deren Anhänger sich ohne Beweis auf Gott berufen als religiös anerkennen... und ihm das Privileg der Religionsfreiheit zusprechen.

Bestimmten Glaubensbekenntnisse das Privileg zuzuordnen, sich als religiös zu bezeichnen, anderen aber nicht, ist eine politische Konvention, die genau den Machtsstrukturen entspringt, die durch die Machtansprüche der Glaubensbekenntnisse mitbestimmt werden.

Wie legitimiert eine Konfession ihren Machtanspruch? Indem sie sagt: Dass mein Machtanspruch berechtigt ist, wird durch die Tatsache bewiesen, dass ich daran glaube, das er berechtigt ist. Die Rechtmäßigkeit einer Behauptung wird angeblich durch die Tatsache belegt, dass die Behauptung überhaupt erhoben wird.

Religion und Entscheidung

Jeder Mensch kann seinen eigenen Weg gehen. Das Eine hat die Vielfalt nicht geschaffen, damit der Mensch sie zu einer Marschkolonne reduziert. Das gilt für das ganze Leben. In religiösen Dingen gilt es erst recht. Jeder Fluss fließt durch sein eigenes Tal.

Es gehört zur Freiheit des Individuums, sich einer Marschkolonne anzuschließen; oder ihr treu zu bleiben, wenn es von anderen darin eingegliedert wurde. Ein Individuum, das seinem Wesen tatsächlich entsprechen will, tut jedoch gut daran, über jedes Denksystem hinauszugehen, das ihm vorschreiben will, welchen Weg es zu gehen hat.

Der Weg des Einzelnen zum Einen ist ein Wagnis. Bloß weil man sich einer Mythologie verschreibt, die eine Gruppe definiert, gelingt er nicht. Zur Wirklichkeit gelangt, wer die Wirklichkeit anerkennt, statt im Schutz eines Glaubens zu verbleiben, der sie durch eine Mythologie ersetzt. Da es immer genügend Menschen geben wird, die scheinbare Sicherheit wahrem Wagnis vorziehen, brauchen die Mythologien nicht zu fürchten, dass ihnen die Anhänger ausgehen. Die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgruppe vergibt soziale Sicherheit. Religiöse Sicherheit vergibt sie nicht.

Überförderung
Durch übermäßige Förderung wird die Eigeninitiative gelähmt und die Autonomie der Betreuten geschwächt.

Der Begriff Überforderung ist längst etabiert. Kein Wunder: Über Jahrhunderttausende hinweg lebte die Menschheit fast durchgehend aus chronischen Defiziten und damit aus Schwierigkeiten heraus, die die Bewältigungsstrategien vieler ständig zu überfordern drohten. Immerhin machte die Not den Menschen erfinderisch.

Der Nachkriegsgeneration bot die Geschichte ein Zeitfenster ungewöhnlich günstiger Konstellationen, sodass die Überforderung durch Lebensumstände für ein paar Jahrzehnte in den Hintergrund trat. Das durchschnittliche Repertoire psychologischer Fahigkeiten reichte aus, um sich als selbständige Person gesellschaftlich zu integrieren und ein Leben in wachsendem Wohlstand zu führen.

Durch die zunehmende Komplexität der postmodernen Gesellschaft rückt die Überforderung für viele wieder in den Vordergrund. Sich in der Komplexität beruflich und sozial zu etablieren, wird schwieriger. Die Hürden, die ein junger Mensch zu überwinden hat, um aus den Abhängigkeiten der Kindheit in die Selbständigkeit des Erwachsenen zu wechseln, werden höher.

Um die scheiternde Integration einer wachsenden Bevölkerungsschicht zu verhindern, hat die Politik ein breit gefächertes Repertoire an sozialen Förderungs- und Unterstützungswerkzeugen geschaffen. Während das Bündel der Werkzeuge einerseits Übles verhindert, hat es andererseits Nebenwirkungen, die neue Übel schaffen.

Unterstützung stützt nicht nur. Sie verführt auch dazu, weniger auf die eigene Kraft zu vertrauen. Das führt zu dem, was die Psychiatrie als Hospitalismus kennt.

Problematische Gastfreundschaft
Ein Hospital ist eine Versorgungsstruktur für Hilfsbedürftige. Der Begriff geht auf lateinisch hopitalis = gastfreundlich bzw. hospes = Gastfreund zurück. Etymologisch mit Hospital sind Hotel und Hospiz verwandt.

Die Beziehungsstruktur der Gastfreundschaft ist asymmetrisch. Der Gast wird vom Gastgeber bewirtet. Der Gastgeber sorgt sich um das Wohl des Gastes, während sich der Gast passiv versorgen lässt.

Besonders in der Langzeitpsychiatrie kann beobachtet werden, dass die Selbstwirksamkeitskompetenz der Betreuten unter dem Einfluss übermässig unterstützender Bemühungen ihrer Betreuer atrophiert. Sie werden passiver, hilfloser und abhängiger. Dieser Rückschritt in die Hilfsbedürftigkeit nennt man Hospitalismus.

Heute gibt es ein breites Spektrum an sozialen Förderungs- und Unterstützungswerkzeugen im ambulanten Bereich. Die Vielzahl der Hilfsangebote könnte wohl nur noch durch eine Promotionsarbeit umfassend dargestellt werden. Neben der Überforderung gibt es daher eine Überförderung, die das Problem, das sie beheben soll, verstärkt.

Sollten Sie jemand sein, der auf Hilfsangebote angewiesen ist und ist es Ihr Ziel, sich davon zu befreien, dann nehmen Sie nur das an Hilfe an, was unbedingt nötig ist. Jede Bequemlichkeit, die man in Anspruch nimmt, hat ihren Preis.

Unangenehmes

Zu wissen, dass man noch etwas Unangenehmes zu tun hat, ist unangenehm. Zu wissen, dass man es hinter sich hat, ist angenehm. Falls man noch etwas Unangenehmes vor sich hat, sollte man davon täglich etwas tun. Solange man Unangenehmes nicht erledigt, wird es verzinst.

Unersättlichkeit

Man kann das Ego dafür schelten, dass es schier unersättlich ist und immer größer werden will. Vielleicht ist seine Unersättlichkeit aber nicht nur ein Beleg seiner Eitelkeit, sondern auch die Triebfeder dafür, dass es eines Tages über das Große hinweg und im Absoluten aufgehen will.

Verantwortung

Die Wahrscheinlichkeit, im Leben Erfolg zu haben, steigt mit der Bereitschaft, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Dazu gehört zweierlei:

  1. die Bewältigung von Missständen, die man unverschuldet zu ertragen hat, als Aufträge des Lebens zu betrachten.
  2. einzusehen, dass die wesentliche Ursache vieler Missstände im eigenen Fehlverhalten liegt.
Explorativer Verzicht dient dazu, Abhängigkeiten aufzudecken.
Verzicht

Manchmal ist Verzicht an sich von Vorteil: wenn man auf einen Genuß verzichtet, der offensichtlich schadet. Oft nützt Verzicht aber auch, wenn ein Nachteil zunächst nicht erkennbar ist. Vieles, was man ständig in Anspruch nimmt, verdeckt, wie sehr man davon anhängt. Jenseits eines solchen Verzichts kann man finden, was mehr Freude macht als all das, worauf man verzichtet hat. Kluger Verzicht ist großer Gewinn. Wer klug verzichtet, muss es nur selten tun. Er kann sorglos genießen, was frei macht; weil Genuß an sich kein Schaden ist. Genuß wird erst zum Schaden, wenn er verhindert, dass man Größeres kennenlernt.

Vorsätze

Es ist erstaunlich, wie oft selbst die besten Vorsätze scheitern. Das liegt an einer Verkennung der Wirklichkeit. Vorsätze sind Versuche des Egos, die Macht zu übernehmen. Das Ego sagt durch seinen Vorsatz: Ich bestimme, was morgen sein wird. Es macht aber nur wenig Sinn, nach Macht zu greifen, solange man seine Ohnmacht übersieht. Was man übersieht, darüber kann man stolpern.

Zivilisation

Wie kann man den Begriff Zivilisation definieren? Bei einer Zivilisation handelt es sich um das soziale Gefüge einer großen Zahl von Individuen, die durch ihre spezifischen Interaktionen eine jeweils spezifische Kultur hervorbringen. Soziale Gefüge mit spezifischen Interaktionsmustern sind aber auch Wolfsrudel, Affenhorden, Termitenhügel und Wespennester. Trotzdem zögern wir, solche Sozialstrukturen bereits als Zivilisationen zu betrachten. Mit gutem Grund: Was den genannten Sozialstrukturen des Tierreichs nämlich fehlt, ist der Respekt vor dem Individuum. Im Umkehrschluss heißt das: Je weniger Respekt eine Kultur dem Individuum entgegenbringt und je mehr Druck sie auf es ausübt, sich an austauschbare gesellschaftliche Normen anzupassen, desto unzivilisierter ist sie.