Aphoristische Bemerkungen


  1. Ob es Gott gibt oder nicht, ist egal. Es reicht, wenn man sich so verhält, als ob es ihn gäbe. Der Begriff Gott ist eine Metapher. Gott heißt: Das Universum hat Sinn.
  2. Selbstverständlich sind die Dinge nur, wenn man selbst sie versteht.
  3. Wenn man scheitert, ist ein Plan gescheitert, aber nicht man selbst.
  4. Manchmal leidet man mehr unter dem Glauben, man habe das Recht, kein Unrecht zu erleiden, als unter dem tatsächlich erlittenen Unrecht.
  5. Oft tut man mehr für einen Menschen, wenn man ihm seinen Reichtum zeigt, als dass man den eigenen mit ihm teilt.
  6. Hoffnung kann wichtig sein, oder ein lähmender Klotz am Bein.
  7. In allem das Positive zu suchen, ist das beste Mittel um nach einer Krise besser da zu stehen als zuvor.
  8. Wer sich für andere interessiert, wird für andere interessant.
  9. Vieles von dem, was man für gut hält, ist Lack, der das Gute vorspiegelt.
  10. Wichtiger als zu wissen, was man meint, ist es zu wissen, warum man es tut.
  11. Vorsicht und Nachsicht: zwei Mütter der Porzellankiste.
  12. Je mehr man sein Wohlbefinden von äußeren Faktoren abhängig macht, desto weniger Einfluss hat man darauf.
  13. Alles, was Sie in sich finden, weist auf das, wohin es weitergeht.
  14. Als ich steht der Geist an der Stelle der Raumzeit, an der er mein Leben erfährt. Was ich dort erfahre, erfährt er.
  15. Besser als Freiheit nur von anderen zu fordern, ist die Frage, wie man sie sich selber nimmt.
  16. Als Wirklichkeit macht sich das Eine sichtbar. Oder es geht als Welt der Frage nach, ob es einen Ursprung haben könnte.
  17. Die Eiche rauscht im Wind, um die Glückseligkeit zu feiern.
  18. Das Ganze, zu dem sich alles zusammenfügt, ist die Freiheit von allem.
  19. Es gibt keinen Grund, warum das absolut Transzendente sich selbst nicht überschreiten sollte und damit im Diesseits dessen erscheint, von dem wir glauben, es müsse überschritten werden, um ins Reich des Transzendenten zu gelangen.
  20. Wer das wenige, das er ist, respektiert, braucht keine Liebe mehr.
  21. Die Wirklichkeit wird wahrgenommen, nicht erdacht.
  22. Geben Sie sich keine Mühe, um zu siegen, sondern um das, was Sie für richtig halten, möglichst gut zu tun.
  23. Wer weiß, wofür er steht, hat mehr als der, der sich bloß gegen etwas wendet.
  24. Zufriedenheit hängt nicht davon ab, wie viel man hat, sondern ob man den Wert dessen, was man hat, erkennt.
  25. Es stimmt: Manchmal gibt man besser auf. Meist ist es aber noch besser, hartnäckig zu sein.
  26. Im Ganzen unterscheiden sich Sein und Nicht-Sein nicht. Erst wo etwas aus dem Ganzen hervortritt, wird es zum Gegensatz dessen, was es nicht ist. Was erscheint, entsteht durch Subtraktion. Von jedem Sosein ist alles übrige abgezogen. Jedem Sosein fehlt, was es so nicht ist. Alles ist Skulptur.
  27. Nur Erschienenes kann glauben, dass es etwas hat, während sein Sein aus dem besteht, was es tatsächlich ist. Weil es versucht, etwas zu haben, kann das Ego nur Erschienenes sein.
  28. Den Sinn der Wirklichkeit verstehen wir nicht. Die Lücke, die dadurch offensteht, können wir nutzen, um mit dem, was uns zufällt, das Richtige zu tun. Was für uns zu tun das Richtige ist, ist das, was wir nach ernsthafter Prüfung für richtig halten.
  29. Das Wo und Wann der Wirklichkeit ist die Gegenwart des erkennenden Subjekts. Ohne Subjekt gäbe es weder Zeit noch Ort, an dem sich die Wirklichkeit befinden könnte. Sie befände sich nirgendwann im Nirgendwo und niemand könnte sagen, ob sie wirklich ist.
  30. Analytisches Denken sucht Wahrheit als Gestalt des Absoluten. Es schreckt auch vor Dunklem nicht zurück. Kompositorisches Denken setzt Bilder aus hellen Begriffen zusammen und begnügt sich damit, dass sie gefallen. Wer komponiert, ohne dass er zuvor analysiert, wird vom oberflächlichen Glanz seiner Bilder geblendet. Das tiefe Leuchten hinter der Oberfläche sieht er dadurch nicht.
  31. Als Leben erfährt das Unbegrenzte die Sterblichkeit.
  32. Die Gier nach Gegenständen ist Ausdruck der Heimatlosigkeit des Selbst in der Person. Das Selbst sucht nach dem Ganzen, die Person kennt aber nur Alles.
  33. Unglück ist das Unvermögen, das Gegebene so wertzuschätzen, dass man damit zufrieden ist.
  34. Das Sosein einer jeden Kreatur ist ein spezifischer Filter, durch den sich die Wirklichkeit sieht und mit sich umgeht.
  35. Von dem, worüber man sich ärgert, ist man abhängig. Statt sich zu ärgern, ist es besser, sich zu entbinden.
  36. Meditative Stille ist ein Stillsein des Egos, das als Stilles nichts mehr begehrt. Jenseits dieser Stille liegt kein Tod, sondern das Selbst, in dem der Unterschied zwischen Leben und Tod keine Bedeutung mehr hat.
  37. Ich bin nicht nur dies oder das, sondern auch die Abwesenheit all dessen, was das Ganze zu sich selbst ergänzt.
  38. Wenn der Tropfen den Ozean im Himmel sucht, wird er ihn nicht finden. Er kehrt zu ihm zurück, wenn er nach unten fließt.
  39. Das Leben ist eine Reihe von Aufgaben, die zu lösen sind.
  40. Enttäuschungen sind die Weckrufe des Lebens.
  41. Man fürchtet sich auch vor Gespenstern im eigenen Kopf.
  42. Wer Lob verschenkt und Kritik spart, verbessert die Welt, ohne dass es ihn etwas kostet.
  43. Um glücklich zu sein, darf man Unglück nicht verschmähen.
  44. Man sieht nichts, wenn einem anderes wichtiger ist.
  45. Der Überlegene lässt den Anderen sein, wie er ist. Der Unterlegene will ihn Ändern.
  46. Man kann nicht wissen, wer man ist. Man kann es nur sein.
  47. Schmerz ist die Wut des Körpers.
  48. Vorsicht kann gefährlich sein.
  49. Sie sind nicht dafür da, die Welt zu verbessern. Die Welt ist dafür da, um Sie zu verbessern.
  50. Wer genau zu wissen meint, was Gerechtigkeit ist, verwechselt sie oft mit dem eigenen Vorteil.
  51. In der Zeit ist alles instabil. Es gibt dort kein Ziel, an dem man bleiben könnte. Man hat kein Ziel. Man ist das Ziel.
  52. Wer glaubt, dass ein Gott ihn persönlich zur Kenntnis nimmt, wird nicht erwachsen.
  53. Das Absolute würfelt nicht. Es komponiert.
  54. Wir fragen nach dem Sinn des Lebens und beziehen die Frage auf uns. Vielleicht betrifft sie uns nicht, weil wir Bilder sind, durch die ein Maler etwas ausprobiert. Für den Maler mögen die Bilder einen Sinn haben, für die Bilder aber nicht.
  55. Nur wer die eigenen Schwächen mit Humor betrachtet, kann auch mit anderen großzügig sein.
  56. Ich bin mich wissendes Bewusstsein.
  57. Das Falsche ist ein Teil des Richtigen.
  58. Wer sagt, dass Du ihm glauben sollst, dem glaube nicht. Wer sagt, dass Du suchen kannst, dem folge.
  59. Vielleicht ist das Universum so groß, damit wir erkennen, wie klein wir sind.
  60. Leben ist die Umwandlung von Zeit in Erfahrung.
  61. So wie der Maler weiß, dass seine Bilder nicht die Wirklichkeit sind, sondern nur Bilder, so möge auch der Denker verstehen, dass seine Gedanken bloß Bilder sind, mit denen er Symbole auf eine Leinwand malt.
  62. Viel Reichtum geht verloren, weil man immer mehr davon will.
  63. Wer der Welt aus der Hand frisst, gehört ihr.
  64. Der Ozean ist ohne Hochmut. Tropfen und Strom empfängt er mit der gleichen Freundlichkeit. Wenn der Strom mehr als ein Tropfen gelten will, muss er die Bedeutung in sich selber finden.
  65. Im Regelfall ist der Mensch kaum in der Lage, sich gegen die eigene Person durchzusetzen.
  66. Getriebenheit ist die kopflose Suche nach einem Ort, an dem man sich wohlbefinden könnte.
  67. Drei mal am Tag zu fragen: Was geht jetzt in mir vor?, genügt, um Übermorgen reich zu sein.
  68. Wer sich vergleicht, verliert den Respekt vor sich selbst.
  69. Allem Abgegrenzten widerspricht das Ausgegrenzte. Es sei denn, es wendet sich in Liebe zu.
  70. Wirklichkeit ist die Sprache der Wahrheit. Wer Wirkliches erkennt, hat eine Wahrheit verstanden.
  71. Wer zu sich nein sagt, sagt zu Niemandem ja.
  72. Wie viel man erreicht, hängt nicht nur davon ab, wie weit man kommt, sondern auch davon, wie viel man zu tragen hat.
  73. Wer erkennt, dass er mit allem verbunden ist, kann getrost alleine sein.
  74. Wenn man weiß, dass man überall ist, hat das Da-Sein begonnen.
  75. Mehr als etwas zu sein, ist es sein zu können.
  76. Wer hört, ohne dem Klang im Wege zu stehen, hat sein Wesen erfüllt.
  77. Denken ist ein Verfall ins Fragment, Wahrnehmen eine Versammlung ins Ganze.
  78. Zwei Dinge sind nötig: Ausdauer und der Mut aufzugeben, was man durch Ausdauer erreicht hat.
  79. Achtsamkeit ist eine seelische Haltung, die nie schadet.
  80. Geschenke des Schicksals haben doppelten Wert, wenn man sie dankbar empfängt.
  81. Viel Unglück entsteht durch den Irrglauben, man sollte anders sein als man ist.
  82. Heftige Gefühle an sich sind nur Sturm im Wasserglas. Es bedarf eines Egos, das sie als Signale vermeintlicher Wichtigkeit deutet, damit sie aus dem Wasserglas ausbrechen und Schaden anrichten. Der Schaden entsteht nicht durch die Wucht der Gefühle, sondern durch die Eitelkeit dessen, dem sie ins Bewusstsein kommen.
  83. Narrativ und Narretei sind oft schwer zu unterscheiden.
  84. Vielleicht ist es ja so: Nicht nur die KI ist künstliche Intelligenz, sondern auch unsere, und die wahre Intelligenz ist die Wirklichkeit selber.
  85. Sobald wir das Absolute als Verlockung begreifen, die uns zu sich ruft, wird es zum Käfig, der uns gefangen hält. Dass uns das Absolute nicht ruft, ist Indiz dafür, dass es uns frei lassen will. Sich berufen zu fühlen, ist eine Interpretation derer, die es tun.
  86. Jedes Ich ist eine besondere Art, auf die Welt zu blicken. Es ist eine Sichtweise, die die Wirklichkeit einnimmt.
  87. Die Welt ist eine Spielart des Vorübergehens.
  88. Dank ist kein Wort, sondern Handlung.
  89. Der Geist versenkt sich ins Absolute, sobald er die Vergänglichkeit aller Erscheinungen anerkennt. Die Vergänglichkeit anzuerkennen und loszulassen sind eins.
  90. Welt erscheint, wo sich das Absolute zurückgezogen hat.
  91. Zu den Narreteien des Egos gehört die Idee, sich einem Gott zu unterwerfen.
  92. Wer sich einem Gott unterwirft, will ihn unter seine Herrschaft bringen.
  93. Das Ich ist ein Konzept, das entsteht.
  94. Ansichten sind immer nur Ansichten, also Sichtweisen, denen die Endgültigkeit fehlt.
  95. Sollte uns die Wahrheit dazu anstiften, böse zu sein, sollten wir sie nicht anerkennen. Zum Glück tut sie es nicht. Was zur Bosheit anstiftet, ist immer nur Irrtum.
  96. Wer beobachtet, was sich in ihm ereignet, erkennt, dass sein Leben voller Ereignisse ist, die er fortlaufend beobachten kann.
  97. Yang spricht zu Yin: Wenn der eine so begierig gut sein will, dass er alles Gutsein an sich reißt, bleibt für den anderen das Böse übrig.
  98. Wer Missstände beklagt statt Zustände zu erleben, misst die Wirklichkeit an seinem Ego.
  99. Das Ich, das Probleme hat, ist das Ich, das eins ist.
  100. Alles ist auch das, was es bewirkt.
  101. Denken überspannt thematisch die Gegenwart und erzeugt so die Illusion, etwas über die Zukunft zu wissen. Tatsächlich kann man über die Zukunft grundsätzlich nichts wissen, sondern nur Vermutungen anstellen; von denen viele aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zutreffen. Morgen geht die Sonne auf. Bei vollständiger Bündelung der Achtsamkeit auf das Jetzt wird die Offenheit der Zukunft bewusst.
  102. Fremd in der Menschenwelt zu sein, kann als Auszeichnung verstanden werden, deren Bürde es gelassen zu ertragen gilt.
  103. Die entscheidende Dualität ist nicht die zwischen Ich und Nicht-Ich, sondern die zwischen Form und Freiheit.
  104. Als Körper geht Freiheit in Form über und erleidet dort Begrenzung.
  105. Je mehr man aufhebt, desto mehr muss man tragen.
  106. Ich habe nicht nur Probleme, ich bin eins. Probleme, die man hat, kann man gegen Bezahlung anderen überlassen. Das Problem, das man ist, wird man so leicht nicht los.
  107. Egal, wie viel man versteht: Am besten geht man davon aus, dass es nur ein Bruchteil ist.
  108. Leidenschaftslos schaue ich zu, wie Leidenschaften in mir kommen und gehen.
  109. Wer das Ganze sieht, hat keine Absichten mehr.
  110. Konkretes Dasein ist, was dem Wesentlichen vom Möglichen zufällt.
  111. Man kann Wahrheit als Bestand verstehen, der der Zeit enthoben ist; oder als Weg, die Zeit zu überwinden. Am Ziel ist auch der Weg überwunden.
  112. Wer sich selbst nicht genügt, dem ist nichts gut genug.
  113. Schönheit kann Glück verhindern. Auffallend schöne Menschen gehen oft davon aus, sie brächten schon viel in eine Beziehung ein: ihre Schönheit. Sie erwarten vom Partner, dass er das ausgleicht. Solange er das tut, sind beide zufrieden. Erfüllt der Partner die Erwartungen nicht mehr, zerbricht die Symbiose.
  114. Egal wie viel man versteht, man versteht immer so viel wie nichts. Man kann das, was man versteht, horizontal oder vertikal vergleichen. Horizontal heißt der Vergleich mit dem, was andere verstehen. Vertikal heißt der Vergleich mit dem, was man selbst verstehen könnte. Wer den eigenen Verstand mit dem anderer vergleicht, mag zu dem Ergebnis kommen, dass er mehr versteht. Wer sich mit anderen vergleicht, ist aber nicht bei sich selbst. Das heißt: Er versteht nichts.
  115. Nichts von dem, was ich bin, gehört mir.
  116. Wer dort, wo er ist, mit dem, was er hat, tut, was er kann, hat erfüllt, was seine Pflicht sein könnte.
  117. Kleine Kunst schmeichelt dem Ego des Künstlers. Große Kunst stellt Wirklichkeit dar. Sehr große Kunst sprengt die Vorstellung, dass die Wirklichkeit dargestellt werden kann.
  118. Leben heißt im Treibsand ausgesetzt zu sein und zu versuchen, ein Haus zu bauen, das ewig hält.
  119. Schmerz gehört zum Vorsatz, über die Materie hinauszuragen.
  120. Egozentrik ist selbstschädigend, weil das Selbst nicht ins Ego passt. Das Selbst ist Vorder- und Hintergrund. Das Ego ist nur Vordergrund.
  121. Der Begriff Kampf geht auf lateinisch campus = Feld zurück. Kampfbereit ist, wer das Feld der Gegensätze betritt und sich dort den Dingen stellt. Der Kämpfer tritt Widrigkeiten entgegen; um zu schützen oder zu erreichen, was ihm lieb ist. Wertschätzung ist die Grundlage dieses Kampfes. Sein Ziel ist es, Werte zu bewahren oder zu errichten.
  122. Zu fragen ist, was das Wort Ich überhaupt bezeichnet. Was es bezeichnet, wird erst im Bewusstsein entschieden. Bezeichnet es den Hintergrund, aus dem heraus das Bewusstsein hervorgeht, dann stimmt die Aussage: Ich bin ungeboren und unsterblich. Bezeichnet das Wort die Person, stimmt die Aussage nicht.