Psychologischer Grundkonflikt

Nachträgliche Bemerkungen


Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist die Grundlage der Existenz. Kein Ich kann existieren ohne einem Nicht-Ich anzugehören, in das es eingebettet ist. Der Grad der Einbettung wird vom Ich gefühlt und kann durch Aktivitäten des Ich verändert werden. Eine gute Einbettung wird als Harmonie empfunden, eine brüchige als Spannung.

Je mehr Disharmonie das Ich erlebt, desto mehr leidet es unter Angst oder Unruhe. Ist das der Fall, kann es zur Lösung des Problems zweierlei tun:

Beim Versuch, das Umfeld den eigenen Wünschen anzupassen, kommt es zu neuen Spannungen, die das Zugehörigkeitsbedürfnis in Frage stellen. Die Anpassung des Umfelds erfordert es, dass man auf das Nicht-Ich einwirkt. Wer aber das Nicht-Ich verändern will, bringt sich in einen erkennbaren Gegensatz zu dem, was bereits besteht und was verändert werden soll.

Max hat ein großes Harmoniebedürfnis. Am liebsten lebt er mit allem in Einklang. Das fühlt sich am besten an. Dumm nur, dass die Welt ständig in Bewegung ist und dass Übereinstimmungen daher vergänglich sind. Sobald Spannungen spürbar werden, versucht Max sich so anzupassen, dass nichts mehr weh tut. Ein probates Mittel ist Marihuana. Sobald Max ein Tütchen kifft, ist die Spannung fürs erste verflogen. Da aber auch die Wirkung des Cannabis vergänglich ist und selbst Dauerkiffen die wachsende Spannung zwischen Max und der Welt nicht überdecken kann, gibt es eigentlich nur eine Lösung: Max müsste versuchen, dergestalt auf die Welt einzuwirken, dass eine bessere Abstimmung zwischen ihm und ihr zustande kommt. Sobald er den Vorsatz, aktiv zu werden, ins Auge fasst, trifft er aber auf einen rätselhaften Widerstand: Er hält nichts durch.

Die Ursache liegt in seiner Sehnsucht nach dem wohligen Gefühl der Harmonie. Der Welt zu begegnen, um sie durch Tatkraft zu verändern, eskaliert den Gegensatz. Jeder Vorsatz, etwas am Umfeld zu verändern, stößt auf dessen Widerstand. Die empfundene Disharmonie kann Aktivität schon im Keim ersticken oder der Schwung des Aufbruchs bricht am kleinsten Widerstand zusammen.

Ein übermächtiges Bedürfnis nach Zugehörigkeit kann zu Ausweichmanövern führen, die jede aktive Konfrontation mit den Unbilden der Wirklichkeit verhindern.

Maßnahmen zur Reduktion der Disharmonie

sich anpassen
regressive Mittel
auf die Welt einwirken
progressive Mittel
  • zustimmen
  • schweigen
  • sich zurückziehen
  • sich trösten
  • Erklärungen finden, warum man nichts tun kann
  • die Verantwortung für Spannungen widrigen Umständen zuordnen
  • Substanzen einnehmen, die Gefühle und Stimmungen angenehmer machen
  • verzichten
  • das Selbstbild verändern
  • überzeugen
  • Projekte in Angriff nehmen
  • sich etwas aneignen
  • durch Ausbildung und Berufstätigkeit soziale Positionen erobern
  • aufräumen
  • Kontakte knüpfen
  • Sachen erledigen
  • eine Tagesstruktur einhalten
  • Ansprüche durchsetzen
  • Träume verwirklichen
Ich verändere mich so, dass ich zur Welt passe. Ich verändere die Welt so, dass sie zu mir passt.

Kaum jemand wird bei der Wahl der Mittel zur Befriedigung des Zugehörigkeitsbedürfnisses ausschließlich regressive oder ausschließlich progressive Mittel wählen. Die einen sind defensiver, andere offensiver. Außerdem bestehen Wechselwirkungen. Wer Projekte angeht um das Umfeld für sich passender zu machen, muss sich selbst den Notwendigkeiten des Projektes anpassen. Wer zustimmt, beeinflusst damit auch das Umfeld; indem er es sich selbst gewogen macht.