Angst und Aggression

Nachträgliche Bemerkungen


Aggression dient der Abwehr existenzieller Gefahren. Sie kann offensiv oder defensiv sein. Aggression hat aber auch psychologische Funktionen. Sie dient der Abwehr von Angst. Angst zu haben ist unangenehm. Wütend zu sein, vermittelt dem Ich ein Gefühl der Stärke. Indem es wütend wird, nimmt das Ich seine Waffen in die Hand. Bewaffnet fühlt es sich wehrhaft. Es wähnt sich in der Lage zu sein, die Ursachen der Angst zu beseitigen. Der Mechanismus kann dazu führen, dass Individuen ständig nach Aspekten der Wirklichkeit Ausschau halten, die Argumente dafür liefern, wütend zu werden. Der chronisch Wütende fühlt sich in der Wut zu Hause.

Der Mechanismus hat jedoch paradoxe Effekte. Wer der Welt kampfbereit gegenübertritt, bewirkt, dass die Welt sich vor ihm fürchtet und ihm, falls die Furcht nicht übermächtig ist, Widerstand leistet. So schließt sich ein Kreislauf. Wer zu viel Aggression zur Abwehr seiner Angst verwendet, verstärkt Bedingungen, die die Angst begründen.