Die Erstellung dieser Webseite erfolgte in Anlehnung an die Stellungnahme zur Elektrokrampftherapie (EKT) als psychiatrische Behandlungsmaßnahme der Bundesärztekammer.

Elektrokrampf-Therapie / EKT


  1. Methode
  2. Anwendungsgebiete
  3. Risiken und Nebenwirkungen
  4. EKT im Rahmen einer Zwangsbehandlung
  5. Therapeutische Alternative: Magnetkrampftherapie (MKT)

1. Methode

Die Methode der Elektrokrampftherapie beruht auf der Auslösung eines therapeutisch wirksamen Krampfanfalls. Sie wird in Narkose durchgeführt. Durch Gabe muskelent­spannender Substanzen, wird die Wirkung des Krampfanfalls auf das muskuläre System abgeschwächt, sodass es zu keinen oder nur geringfügigen Muskelzuckungen kommt.

Die therapeutische Wirksamkeit beruht nicht auf Muskelzuckungen, sondern auf elek­trisch hervorgerufenen Entladungen im Zentralnervensystem, die zu veränderten Abläu­fen auf der Ebene zerebraler Transmittersysteme führen.

Meist wird eine Behandlungsserie von 8-12 Anwendungen in 2-3-tägigen Abständen durchgeführt.

2. Anwendungsgebiete

Obwohl die EKT bei vielen schweren psychiatrischen Erkrankungen gut wirksam ist - und der medikamentösen Behandlung oft überlegen - wird sie nur selten angewandt. Zum einen bedingt sie einen erheblichen AufwandDie EKT wird im Beisein eines Narkosearztes unter gleichzeitiger EEG- und EKG-Überwachung durchführt., zum anderen ist die psychologische SchwelleTabletten zu schlucken ist die eine Sache, sich narkotisieren und das eigene Gehirn durch Stromstöße in einen Krampfzustand versetzen zu lassen, ist eine andere. verständlicherweise hoch.

Daher wird die EKT im Regelfall nur bei besonderen Gefahrensituation angewandt, oder wenn ein erheblicher Leidensdruck besteht, der durch andere Maßnahmen nicht zu lindern ist.

Allgemeine Anwendungsgebiete der EKT

Neben den allgemeinen Anwendungsgebieten können konkrete Indikationen benannt werden. Das Grundsatzpapier der Bundesärztekammer zur Anwendung der EKT von 2003 teilt die konkreten Indikationen in drei Gruppen auf.

Konkrete Indikationsgebiete der EKT

1. Wahl 2. Wahl 3. Wahl
  • Wahnhafte Depression
  • Depressiver StuporLateinisch stupor = Erstarrung. Stupor ist ein extremer psychopathologischer Zustand, in dem sich der Kranke quasi nicht mehr bewegt. Im Stupor kann die Nahrungsaufnahme ebenso wie die Einnahme von Medikamenten wegen Bewegungsunfähigkeit unmöglich sein.
  • Schizoaffektive Störung mit schwerer depressiver Verstimmung
  • Schwere Depression mit bedrohlicher Selbstmordneigung und/oder Nahrungsverweigerung
  • Perniziöse Katatonie
  • Medikamentös nicht beeinflussbare schwere Depression
  • Medikamentös nicht beeinflussbare Schizophrenie, insbesondere der katatonen Form
  • Medikamentös unbeeinflussbare schwere Manie mit hohem Fremd- und Selbstgefährdungs-Potenzial

3. Risiken und Nebenwirkungen

Obwohl eine korrekt ausgeführte EKT als sicheres Verfahren gilt, birgt auch sie Risiken. Zu nennen sind:

4. EKT im Rahmen einer Zwangsbehandlung

Im Regelfall wird die EKT nur mit Zustimmung des Patienten durchgeführt. Ist der Patient aber so krank, dass er die Notwendigkeit einer EKT nicht erkennen kann, stellt sich die Frage einer zwangsweisen Anwendung. Diese kann nur mit Zustimmung des Vormundschaftsgerichts angeordnet werden.

Sofern für einen nichteinwilligungsfähigen Patienten keine unmittelbare Gefahr besteht, dass er ohne eine Zwangsbehandlung schweren gesundheitlichen Schaden nimmt oder gar stirbt (durch Selbstmord oder an einer perniziösen, also lebensbedrohlichen Kata­tonie), wird man eine EKT gegen seinen ausdrücklichen Widerspruch im Regelfall nicht ausführen.

5. Therapeutische Alternative: Magnetkrampftherapie (MKT)

Eine neue Methode, therapeutisch wirksame Krampfanfälle auszulösen, ist die Magnet­krampftherapie. Bislang wird sie nur an wenigen spezialisierten Zentren angeboten. Bei der MKT werden - ebenfalls in Kurzzeitnarkose und unter Muskelrelaxation - Krampf­anfälle mit Hilfe starker Magnetfelder ausgelöst. Als Vorteil der MKT werden geringere Nebenwirkungen genannt. Die Indikationen sind identisch mit denen der EKT.