ValidierungGemeint ist die wissenschaftliche Absicherung psychologischer Testbatterien und Bewertung von Psychotests


  1. Absicherung psychologischer Testergebnisse
  2. Bewertung der konkreten Testergebnisse
    1. 2.1. Nicht nachweisbar
    2. 2.2. Normale Beimischung
    3. 2.3. Deutlich ausgeprägt

1. Absicherung psychologischer Testergebnisse

Es gibt hunderte von Tests zur Vermessung von Persönlichkeitsvarianten. Da stellt sich die Frage, wie deren Ergebnisse wissenschaftlich abgesichert werden können.

Die ernüchternde Aussage dazu ist: gar nicht!

Warum ist das so?
  1. Tests zur Ermittlung von Persönlichkeitsvarianten werden von Persönlichkeiten erstellt, die ihrerseits einer Variante angehören. Ein objektives (also wissenschaftlich abgesichertes) Urteil eines Subjekts über andere Subjekte ist grundsätzlich nicht möglich.

  2. Persönlichkeitsstörungen werden in den internationalen Klassifikationssystemen für Krankheiten (ICD-10 und DSM) durch Merkmale voneinander unterschieden, für die es keine objektive Messmethode gibt.

Wer entscheidet, wann folgende Kriterien zutreffen...
...und wann nicht?

Kriterium nach ICD-10 Diagnose ICD
Übertriebene Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung Paranoide Persönlichkeit F60.0
Übermäßige Vorliebe für Phantasie Schizoide Persönlichkeit F60.1
Missachtung sozialer Verpflichtungen Dissoziale Persönlichkeit F60.2
Deutliche Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren Emotional-instabile Persönlichkeit F60.3
Übertriebener Ausdruck von Gefühlen Histrionische Persönlichkeit F60.4
Übertriebene Gewissenhaftigkeit Zwanghaft Persönlichkeit F60.5
Gefühle von Anspannung und Besorgtheit Ängstlich-vermeidende Persönlichkeit F60.6
Verlässt sich bei Entscheidungen auf andere Abhängige Persönlichkeit F60.7

Auch wenn Erfahrung und Menschenkenntnis vorhanden ist, kann niemand ernsthaft behaupten, er sei in der Lage, verbindlich zu beurteilen, ob eine Gewissenhaftigkeit übertrieben, ein Gefühlsausdruck angemessen, die Folge einer Impulshandlung berücksichtigt oder eine soziale Verpflichtung beachtet ist.

Letztlich sind all das Willkürurteile. Sie werden aus der persönlichen Weltsicht des Untersuchers heraus gefällt.

Wie werden Psychotests "validiert"?

Abstimmungen

Die einzig mögliche "Objektivierung" einer Persönlichkeitsdiagnostik liegt darin, bei der Festlegung der Merkmalsträger den kleinsten gemeinsamen Nenner möglichst vieler Untersucher mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund zu bestimmen. Das ist aber keine objektive Wissenschaft. Es ist eine Abstimmung, die je nach Zeitgeist und Kulturkreis unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen wird.

Die Verlässlichkeit eines Psychotests wird daran gemessen, ob er in der Lage ist, bestimmte Merkmalsträger in einer unter­suchten Gruppe zu identifizieren. Dazu müssen die Merk­malsträger vorher definiert sein. Vor der Anwendung des Tests steht dazu aber nur das subjektive Urteil des Untersuchers zur Verfügung; oder ähnliche Psychotests, bei deren wissen­schaftlicher Absicherung dasselbe Problem bestand.

Deshalb bestätigt ein "wissenschaftlich gut validierter Test" bestenfalls die unwissenschaftlich bewerkstelligte Benennung der Merkmalsträger, die bereits vor seiner Anwendung durch­geführt wurde.

Welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen?

Betrachten Sie die Ergebnisse von Psychotests nicht als Feststellung objektiver Tatsachen, sondern als Ausdruck subjektiver Sichtweisen, die Basis einer spielerischen Selbsterkenntnis sein können; falls ihnen genügend Menschenkenntnis zugrunde liegt.

2. Bewertung der konkreten Testergebnisse

Bei der hier angebotenen Serie von Tests kann man jeweils maximal 30 Punkte erreichen. Je nachdem wie viele es sind, wird das Ergebnis einer von drei Kategorien zugeordnet:

Einteilung der Testergebnisse

BezeichnungBei den Tests auf ADHS, Burnout-Syndrom und Selbstbewusstsein weichen Benennung und Punktwertgrenzen davon ab. Gleiches gilt für den Test auf Alkoholgefährdung, der sonst nur schwer auszujustieren gewesen wäre. Punkte
Nicht nachweisbar 0-10
Normale Beimischung 11-19
Deutlich ausgeprägt 20-30

2.1. Nicht nachweisbar

Ist ein Verhaltensmerkmal bei Ihnen durch den Test nicht nachweisbar, dann ist es trotzdem möglich, dass Sie in besonderen Situationen entsprechend des getesteten Verhaltensmusters handeln. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gering, dass Sie regelmäßig auf das Muster zugreifen; oder sich gar Probleme damit einfangen.

Wohlgemerkt

Störung und Muster ist nicht das Gleiche. Die getesteten Muster gehören in mäßiger Ausprägung zum normalen Verhalten. Erst wenn sie stark einseitig angewendet werden, entsteht daraus eine Störung; entweder des persönlichen Befindens und / oder der zwischenmenschlichen Kommunikation.

2.2. Normale Beimischung

Die Spanne normaler Verhaltensweisen ist breit. Das Verhaltensrepertoire des normalen Menschen ist eine mehr oder weniger ausgewogene Mischung mehrerer Grundmuster, die er je nach Lage der Dinge anwendet.

Bei der Beschreibung der getesteten Grundmuster schafft man es nicht, sie eindeutig voneinander abzugrenzen. Daher überlappen sich viele Muster: die einen mehr, die anderen weniger.

Es ist daher kein Grund zur Sorge, wenn die Tests Ihre Antworten für mehrere Muster gleichzeitig als Ausdruck einer normalen Beimischung deuten. Das heißt keineswegs, dass Sie an mehreren Persönlichkeits­störungen litten.

Auch innerhalb der Kategorie normale Beimischung gibt es eine große Streubreite. Sie reicht von fast nicht nachweisbar (11 Punkte) bis zu fast schon deutlich ausgeprägt (19 Punkte). So kann es sein, dass Personen, deren Verhalten erhebliche Unterschiede aufweist, in derselben Schublade landen.

Diagnostik oder Denkanstoß

Dass die Tests nur unscharf unterscheiden, muss uns nicht verdrießen. Es geht ja nicht darum, Diagnosen zu stellen. Es geht darum, aus dem Spiel mit Ideen, Andeutungen und Vermutungen Nutzen zu ziehen. Dazu können die Testergebnisse dienen, wenn der Getestete unbefangen prüft, ob er von den Anregungen der Ergeb­nisse etwas für sich verwenden kann.

2.3. Deutlich ausgeprägt

Auch wer von einem Test für das eine oder andere Muster ein deutlich ausgeprägt zugewiesen bekommt, ist damit nicht als "persönlichkeitsgestört" abgestempelt.

Auch hier gilt: Eine Persönlichkeitsstörung liegt erst vor, wenn das Wohlbefinden des Betroffenen durch seine eigenen Verhaltensmuster empfindlich leidet. Neigt jemand dazu, bestimmte Muster in deutlich ausgeprägter Häufung anzuwenden, kann er damit durchaus mit sich im Reinen sein; wenn er das Muster als authentischen AusdruckJa, so bin ich eben... seiner Wesensart annimmt.

Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass der einseitige Gebrauch bestimmter Muster die Lebensqualität einschränkt.